Erstellt am 21. Dezember 2014, 14:27

Görgl gewann Super-G in Val d'Isere vor Fenninger. Lindsey Vonn muss auf ihren 62. Weltcupsieg noch warten, Elisabeth Görgl ist dafür seit Sonntag die älteste Weltcupsiegerin der Alpinski-Geschichte.

Die 33-jährige Steirerin gewann den ausfallsreichen Super-G von Val d'Isere fünf Hundertstel vor Landsfrau Anna Fenninger und führte damit einen ÖSV-Doppelsieg vor Tina Maze an. Vonn stürzte bei ihrer Rekordjagd und fiel aus.

Damit schaffte im letzten Rennen vor der Weihnachtspause nicht Vonn, sondern Görgl einen "Rekord". Während die US-Amerikanerin einen Tag nach ihrem Abfahrtstriumph bei ihrem 330. Weltcup-Auftritt auf der Jagd nach Sieg Nummer 62, mit dem sie die Allzeit-Bestmarke von Annemarie Moser-Pröll egalisiert hätte, nach einer Rechtskurve ausrutschte und stürzte, sorgte Görgl mit ihrem siebenten Weltcupsieg auch für den ersten Speed-Sieg der ÖSV-Damen im WM-Winter. Plus ihren 40. Podestplatz. Im Kalenderjahr 2014 hat Görgl damit drei Weltcupsiege gefeiert.

Görgl komplettierte damit ein nahezu perfektes Frankreich-Wochenende. Denn schon in der Abfahrt war sie als Zweite nur von Vonn geschlagen worden. Im anspruchsvollen Super-G meisterte die Team-Seniorin auch die Schlüsselstelle, die sehr vielen Läuferinnen zum Verhängnis wurde gut und fing Olympiasiegerin Fenninger noch um fünf Hundertstel ab.

Vonn attackierte unmittelbar danach bei Sonnenschein zwar wieder voll, übertrieb es bei einer Rechtskurve aber mit der Schräglage und rutschte aus. Die folgende Kollision mit einem Tor sowie den Sturz überstand die Ausnahme-Skifahrerin mit leichten Prellungen am Arm und blauen Flecken.

Damit war Görgl nicht nur der Sieg sicher. Mit 33 Jahren und 304 Tagen löste sie auch die beim letzten Erfolg kurz vor dem 33. Geburtstag gewesene Niederösterreicherin Michaela Dorfmeister als älteste Weltcupsiegerin der Alpinski-Geschichte ab.

"Super dass ich das heute so gut umgesetzt habe, der Lauf war sehr schwierig und ich bin oben nicht ganz am Limit und runder gefahren als ich wollte. Im Ziel war ich mir dann unsicher, aber offenbar war das eh gut", lachte die in Tirol lebende Steirerin. "Erste und Zweite, das überrascht mich aber selbst etwas", gestand die Speed-Doppelweltmeisterin von 2011 nach dem ersten Doppelsieg der ÖSV-Damen im Super-G seit 2007. Damals hatte Renate Götschl in Tarvisio vor Nicole Hosp gewonnen.

Fenninger machte einen kleinen Ausflug in den Tiefschnee für ihren Rückstand hauptverantwortlich. "Schade, denn im anspruchsvollen Teil bin ich gut gefahren. Mit einem Fehler vor dem Flachen ist aber nicht mehr drin", machte die Weltcup-Titelverteidigerin klar, dass auch der Sieg möglich gewesen wäre. "Aber Platz zwei ist auch okay", sagte die Salzburgerin, die mit 249 Punkten Rückstand auf Maze in die Weihnachtspause geht.

Mit der achtplatzierten Cornelia Hütter ("Voll lässig. Ich dachte ich bin bei den Letzten"), Nicole Hosp (11.) und Nicole Schmidhofer (12.) kamen drei weitere ÖSV-Damen in die Top-12. Schwer zu Sturz kam hingegen Andrea Fischbacher, die dabei mit dem Gesicht hart im Schnee aufschlug. Es war nur ein weiterer Unfall einer Serie, die schon in der Abfahrt einige Verletzte gefordert hatte. Am schwersten hatte es am Samstag die Slowenin Marusa Ferk mit einem mehrfachen Beinbruch erwischt. Gleich 22 Damen kamen am Sonntag im Super-G nicht ins Ziel.

Vonn konnte nach der Schrecksekunde auf der Piste im Ziel bald wieder lachen, obwohl sie ihren geschwollenen Ellbogen mit Eis kühlen musste. "Mir geht es gut. Ich habe ein paar blaue Flecken, aber die Knie sind okay und das ist das wichtigste", sagte die 30-jährige Amerikanerin, die in den vergangenen zwei Jahren zwei Mal am Knie operiert hatte werden müssen.

Den Ausfallsgrund hatte Vonn schnell gefunden. "Ich bin ein bissl in den Pulverschnee gekommen, dann ist alles sehr schnell passiert. Wenn man alles riskiert, passiert so etwas", sagte sie. Auch bei der WM 2013 in Schladming war sie nach einem Sprung im Super-G in den Weichschnee gekommen und gestürzt. Die dabei erlittene Knieverletzung hatte sie fast zwei komplette Saisonen gekostet.

Diesmal ersuchte sie FIS-Renndirektor Atle Skaardal noch an der Sturzstelle, die Passage besser frei zu rutschen. "Sie haben das dann gemacht, für mich kam das aber leider zu spät", bedauerte Vonn. Ihre nächste Chance, den Pröll-Rekord einzustellen, bekommt die Amerikanerin nun bei den Speed-Rennen am 10. und 11. Jänner in Bad Kleinkirchheim.