Erstellt am 28. Juni 2015, 18:41

Graz gedenkt der Opfer der Amokfahrt. Graz gedenkt am Sonntag der Opfer der Amokfahrt am vorigen Wochenende. Nach einem Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche am Vormittag fand am Nachmittag ein Trauermarsch statt, darunter auch die Spitzen von Stadt, Land und Republik. Der Trauerzug über rund 1.640 Meter vom Griesplatz zum Hauptplatz setzte sich knapp nach 17.05 Uhr in Bewegung. Rund 6.000 Personen nahmen an dem Trauerzug teil.

 |  NOEN, APA

An den Straßenrändern befanden sich nach Schätzungen rund 1.000 weitere Trauergäste. Zahlreiche Einsatzkräfte sicherten den Trauerzug, Polizeieinheiten waren aus Niederösterreich, dem Burgenland und Oberösterreich zugezogen worden.

Gegen 17.00 Uhr kamen die Spitzen der Regierung, Bundespräsident Heinz Fischer und Ehefrau Margit und das Nationalratspräsidium per Shuttlebus in der Zweiglgasse an - neben Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und die Bundesregierung, zahlreiche Nationalratsabgeordnete und Bundesräte, die Landesregierung unter LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ), Grünen-Chefin Eva Glawischnig sowie Vertreter der NEOS, der KPÖ und der FPÖ und der dritte steirische Landtagspräsident Gerhard Kurzmann (FPÖ). Mit Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) kam die ganze Stadtregierung, Nagl marschierte dabei an jener Stelle vorbei, an der er selbst fast Opfer des 26-jährigen Amokfahrers geworden wäre.

An den Fenster in der Grazbachgasse, der Zweiglgasse und den anderen Straßenzügen blickten still Menschen aus den Fenstern auf den Trauerzug, manche hatten Kerzen und Stofftiere in den Fenstern. Einige Frauen mit Kopftuch waren zu sehen. Die Teilnehmer des Zuges waren bunt gemischt - junge und alte, Menschen aller Hautfarben, in dezentem Schwarz gekleidet oder - der Hitze geschuldet - in kurzen Hosen. Eltern mit Kinderwagen gingen mit und auch Rollstuhlfahrer beteiligten sich an dem Gedenkmarsch.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto "stilles Gedenken": In der Tat waren in sonst belebten Straßenzügen nur die Schritte der Marschteilnehmer zu hören. Eine Journalistin brach am Joanneumring, einer Allee, mit leiser Stimme die Stille des Marschblocks: "Ich habe in dieser Straße noch nie die Blätter rauschen gehört."

Über 300 Polizisten waren am Sonntag im Einsatz, die Ordnungswache, die Feuerwehr und Rettungskräfte stehen ebenfalls in großer Zahl bereit. Bei der Amokfahrt eines 26-jährigen Familienvaters wurden vor acht Tagen drei Menschen getötet und 36 zum Teil schwerst verletzt.

In der Zweiglgasse war ein 28-Jähriger getötet worden, seine 25-jährige Ehefrau wurde schwer verletzt. Hier hatte der Mann auch den zufällig hier befindlichen Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl mit seinem Wagen anvisiert, dieser und ein weiterer Passant konnten sich retten. Nagl war ebenfalls unter den stillen Menschen im Trauerzug. Menschen blickten aus den Fenstern hinab, stille Zaungäste des Gedenkens.

In der Grazbachgasse hatte der Amokfahrer gestoppt und mit einem Messer ein junges Paar attackiert, das dort gerade aus einem Geschäft kam. Dabei war der Mann schwer, seine Freundin leicht verletzt worden. Dann bewegte sich der Zug langsam über die Wienlandgasse zum Joanneumring und über das Eiserne Tor in die Herrengasse. Nach etwa einer Stunde war der Hauptplatz erreicht.

Der Gedenktag hatte mit einem Gedenkgottesdienst am Sonntagvormittag in der Stadtpfarrkirche in der Grazer Herrengasse begonnen. Nach dem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche - bei warmen Wetter und wolkigem Himmel - hätte es eigentlich das traditionelle Sommerfest geben sollen, doch angesichts der Ereignisse lud man im Brunnenhof zu einer einfachen Agape. Damit wollte die Kirche "Raum und Möglichkeit bieten, aller Betroffenheit Ausdruck zu verleihen".

In der Innenstadt waren am Sonntagvormittag bereits die Kerzen von diversen Stellen am Hauptplatz und in der Herrengasse weggeräumt und zur Stadtpfarrkirche gebracht worden. Dies wurde auch auf entsprechenden Aushängen der Stadt mitgeteilt und um Verständnis ersucht - verbunden mit der Bitte, keine Kerzen mehr aufzustellen. Ein Lichtermeer gab es nur noch an den jenen Stellen, wo die drei Opfer gestorben waren - in der Zweiglgasse und in der Herrengasse vor der Kirche und einer Bank Austria-Filiale.