Erstellt am 28. September 2016, 10:49

Gutachter attestierte Schizophrenie bei Amokfahrer. Der Prozess gegen Alen R. ist am Mittwoch mit den Erörterungen der Gutachten fortgesetzt worden. Der 27-Jährige muss sich für eine Amokfahrt im Juni 2015 verantworten, bei der in der Grazer Innenstadt drei Menschen getötet und rund 50 zum Teil schwer verletzt wurden.

Spielt er oder ist er tatsächlich krank?  |  APA

Als zweiter Gutachter war Psychiater Jürgen Müller am Wort. Er bescheinigte Alen R. Schizophrenie und damit Unzurechnungsfähigkeit.

Der Mediziner aus Deutschland war als Gutachter beigezogen worden, nachdem sein Kollege Peter Hofmann Alen R. für nicht zurechnungsfähig befunden hatte, Psychiater Manfred Walzl aber zu dem Schluss gekommen war, der 27-Jährige sei zurechnungsfähig. Der Sachverständige schilderte Vorfälle aus dem Vorleben von Alen R., die an seinem Zustand mitgewirkt hatten. "Darum geht es aber nicht, es geht nur um die paar Minuten Fahrt", betonte der Psychiater.

Drei Wahnideen seien am 20. Juni ausschlaggebend für die rasende Fahrt gewesen: Eingebildete Schüsse, Angst vor Verfolgern und das Gefühl, bei der Polizei sicher zu sein. Dies sei ein "absoluter Wahn" und damit eine Geisteskrankheit. "Der Wahn hat seine Handlung determiniert", beschrieb es Müller. Dann fasste er seine Ausführungen klar zusammen: "Das Bild erfüllt die internationalen Kriterien für Schizophrenie." Diese Diagnose reiche aber allein nicht aus: "Was die Unzurechnungsfähigkeit begründet, ist der akut dekompensierte Wahn, die akute Psychose", erklärte der Psychiater. R. sei der Überzeugung gewesen: "Ich muss zur Polizei fahren, da bin ich in Sicherheit."

Eine beisitzende Richterin wollte wissen, wieso R. gezielt auf Menschen zugefahren sei, wenn er nur flüchten wollte. "Er hat sie als Verfolger gesehen und wollte die Leute für die Polizei festsetzen", lautete die Erklärung Müllers. Warum er nicht einfach geflüchtet sei, wollte Richter Andreas Rom wissen. "Das ist für mich nicht nachvollziehbar." "Für mich ist das Ganze nicht nachvollziehbar", konterte Müller.