Erstellt am 26. April 2016, 20:59

Griechenland schickte 50 Flüchtlinge zurück. Griechenland hat am Dienstag erneut Migranten in die Türkei abgeschoben. "Wir haben heute insgesamt 49 Migranten in die Türkei zurückgeschickt", sagte eine Sprecherin der Küstenwache.

 |  NOEN, APA (AFP)

Damit stieg die Zahl der Migranten, die seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspakts am 20. März ausgewiesen worden sind, auf 374.

Bereits in den Morgenstunden hatte das türkische Schiff "Ertürk" fünf Afghanen von der Insel Chios ins türkische Cesme gebracht. Kurze Zeit später nahm die "Nazli Jale" von der Ägäis-Insel Lesbos Kurs auf die türkische Hafenstadt Dikili. An Bord befanden sich acht Afghanen, vier Iraner und ein Jordanier.

Erstmals wurden am Dienstag auch Schutzsuchende direkt von der Insel Kos in die Türkei zurückgeschickt. Es seien 31 überwiegend aus Pakistan und Afghanistan stammende Migranten gewesen. Sie seien zum türkischen Hafen von Güllük zurückgeschickt worden. Alle hatten nach Angaben der Behörden keinen Asylantrag in Griechenland gestellt oder hatten keine Chance, als Asylbewerber anerkannt zu werden. Damit wurde weiterhin kein einziger Syrer, der in Griechenland einen Antrag auf Asyl gestellt hat, in die Türkei zurückgebracht.

Im Gegenzug setzten von Montag auf Dienstag zwölf Schutzsuchende nach Lesbos über - im Vergleich zu den Vormonaten eine geringe Zahl. Die Rückführung von 49 Migranten am Dienstag ist die erste seit mehr als zwei Wochen.

Auf Lesbos wurde unterdessen der griechische Migrationsminister, Ioannis Mouzalas, von aufgebrachten Flüchtlingen mit Wasserflaschen und anderen Gegenständen beworfen, wie der griechische Nachrichtensender Skai berichtete.

Die Menschen protestierten gegen die ihrer Meinung nach miserablen Zustände. Mouzalas wurde vom niederländischen Migrationsminister Klaas Dijkhoff begleitet. Dieser hatte bereits darauf hingewiesen, dass Notfallpläne entwickelt werden müssten, falls die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland nicht zurückgehe.

Der EU-Türkei-Flüchtlingspakt sieht die Rückführung aller Migranten vor, die illegal aus der Türkei auf griechische Inseln übersetzen. Für jeden Syrer, der von den griechischen Inseln in die Türkei zurückgebracht wird, soll im Gegenzug einer legal und auf direktem Wege in die EU kommen können.

Die meisten Neuankömmlinge beantragen in den EU-Registrierungszentren ("Hotspots") der östlichen Ägäis-Inseln Asyl. Jeder Antrag muss ordnungsgemäß geprüft werden. Die Verfahren ziehen sich in die Länge. Deshalb werden zurzeit nur wenige Menschen in die Türkei zurückgebracht.

Die Unterbringung und Versorgung der aktuell 54.000 Flüchtlinge in Griechenland bleibt problematisch. Tausende harren weiterhin unter widrigsten Bedingungen in den improvisierten Lagern im Hafen von Piräus und in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien aus. Sie hoffen, dass sich die sogenannte Balkanroute doch noch öffnen wird und ihnen eine Weiterreise nach Westeuropa gelingt. Besonders in Idomeni kommt es immer wieder zu teils gewaltsamen Protesten.