Erstellt am 29. Juni 2015, 18:48

von APA/Red

Griechenland will IWF-Schulden am Dienstag nicht zahlen. Griechenland wird die am Dienstag fällige IWF-Kreditrate von 1,6 Milliarden Euro nicht zahlen.

 |  NOEN, APA (epa)

Dies sagte ein Regierungsvertreter am Montagabend. Nach früheren Angaben von IWF-Chefin Christine Lagarde wäre Griechenland dann gegenüber dem Weltwährungsfonds in Zahlungsverzug. Lagarde hatte eine Fristverlängerung für die Rate ausgeschlossen.

Die griechischen Banken blieben am Montag wegen der akuten Schuldenkrise geschlossen, bis 6. Juli soll das auch so bleiben. Die Bankenschließung gilt damit bis nach dem Referendum über die Vorschläge der Gläubiger Griechenlands am Sonntag. Die täglichen Barabhebungen an Bankomaten werden für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt. An den internationalen Börsen gab es am Montag teils heftige Kursrutsche.

Bankenwerte zeigten sich belastet

In Wien rutschte der heimische Leitindex ATX um 4,18 Prozent auf 2.404,66 Punkte ab. In Frankfurt gab der Leitindex DAX über rund 4,2 Prozent auf 11.014,21 Zähler nach. Vor allem Bankenwerte zeigten sich belastet. Japan, Singapur und Sydney öffneten am Montag ebenfalls mit deutlichem Minus.

Schwer getroffen wurde auch die Mailänder Börse. Zur Eröffnung meldete die Borsa Italiana einen Rückgang von fast fünf Prozent. Mehrere Aktien, darunter jene der Bank Austria-Mutter UniCredit, mussten wegen Kurseinbrüchen vom Handel ausgesetzt werden. UniCredit hatte kurz nach Börsenbeginn einen Kursverluste von fast acht Prozent verzeichnet. Neben den Banken des Landes bleibt auch die Börse in Athen bis in die kommende Woche hinein geschlossen. Der Handelsplatz soll frühestens am Dienstag kommender Woche wieder öffnen.

Maßnahmen "von extremer Dringlichkeit"

Unterzeichnet wurden die Verfügungen von Griechenlands Staatschef Prokopis Pavlopoulos und Regierungschef Alexis Tsipras. Es handle sich um Maßnahmen "von extremer Dringlichkeit". Sie sollten "das griechische Finanzsystem und die griechische Wirtschaft wegen des Mangels an Liquidität schützen, der durch die Entscheidung der Eurogruppe vom 27. Juni gegen die Ausweitung des Abkommens über die Kredite für Griechenland herbeigeführt" worden sei, heißt es in der amtlichen Mitteilung.

Die EU-Kommission hat keine Einwände gegen die von der griechischen Regierung verhängten Kapitalverkehrskontrollen. Die Einschränkungen seien "dem ersten Anschein nach gerechtfertigt", teilte Finanzkommissar Jonathan Hill mit. Einschränkungen des Kapitalverkehrs sind in der EU grundsätzlich verboten. Die Stabilität des griechischen Finanz- und Bankensystems sei "eine Angelegenheit übergeordneten öffentlichen Interesses und öffentlicher Politik, die eine vorübergehende Verhängung von Beschränkungen der Kapitalflüsse zu rechtfertigen scheint", erklärte die Kommission.

Einschränkungen bei Abhebungen gilt nicht für Besucher aus dem Ausland

Die griechische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, die Einschränkungen bei Abhebungen an Bankomaten würden nicht für Besucher aus dem Ausland gelten, wenn diese "mit einer in ihrem Herkunftsland ausgestellten Kreditkarte Transaktionen und Abhebungen" vornehmen wollten. Touristen dürften damit weniger unter der aktuellen Krise leiden. Allerdings waren einige Geldautomaten in Griechenland wegen des Ansturms der Kunden bereits leer.

Das österreichische Außenministerium hatte am Sonntag Griechenland-Reisenden geraten, sich im Voraus mit ausreichend Bargeld zu versorgen. In Griechenland könne es bei der Bargeldversorgung "zu erheblichen Wartezeiten" sowie zu "Engpässen beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld" kommen, hieß es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums.

Urlauber halten Griechenland die Treue

Die Urlauber halten Griechenland offenbar zunächst weiter die Treue: Bei den großen Reiseveranstaltern gibt es bisher keine vermehrten Stornierungen von Griechenland-Reisen. Der Präsident des Österreichischen Reiseverbandes (ÖRV), Josef Peterleithner, erwartet weder eine Storno- noch eine Umbuchungswelle. Für Pauschalreisende sieht auch der ÖRV "aktuell keine Auswirkungen der Eurokrise".

Für den heurigen Sommer sei die Nachfrage nach Urlaub in Griechenland sogar gestiegen. Vor Ort könnten Leistungen mit Kreditkarte, Bankomat oder Bargeld bezahlt werden. Die derzeit gültige Abhebegrenze bei Bankomaten von 60 Euro pro Tag, die im Zuge der Kapitalverkehrskontrollen dieses Wochenende eingeführt worden ist, sei "für Touristen nicht gültig".

Die Lage in Griechenland hatte sich am Wochenende drastisch verschärft: Aus Sorge um ihre Ersparnisse versuchten zahlreiche Griechen, ihr Geld abzuheben. Vor Bankomaten bildeten sich lange Schlangen. Offenbar als Reaktion auf einen jüngsten Ansturm auf die Tankstellen hat die griechische Regierung eine kostenfreie Nutzung des Nahverkehrs in Athen und Umgebung angekündigt. Die Maßnahme solle bis zur Wiedereröffnung der Banken am 7. Juli gelten, sagte Verkehrsminister Christos Spirtzis am Montag im Fernsehsender Mega. Sie betreffe die U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen in der Hauptstadt und ihrer Umgebung.