Erstellt am 13. Juni 2015, 14:19

Griechenland zu "schwierigem Kompromiss" bereit. Griechenland ist nach Angaben von Regierungschef Alexis Tsipras zu einem "schwierigen Kompromiss" mit seinen internationalen Gläubigern bereit, um einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu finden.

 |  NOEN, APA (Archiv/epa)

Das einzige Ziel der Regierung sei es, "die Krise zu beenden", sagte Tsipras laut einer am Samstag verbreiteten Erklärung der Regierung am Freitagabend bei einem Treffen mit Mitarbeitern.

Griechenland will seinen internationalen Kreditgebern noch am Samstag in Brüssel neue Vorschläge für eine Beilegung des Schuldenstreits unterbreiten. Tsipras werde einen Gesandten zu einem Gespräch mit einem Repräsentanten von EU-Kommissionschef Juncker nach Brüssel schicken, hieß es aus EU-Kreisen. Die griechische Seite sei bereit, Gegenvorschläge vorzulegen, "damit die übriggebliebenen Unterschiede überbrückt werden", hieß es aus Athen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnte vor "verheerenden Folgen" eines griechischen Austritts aus der Euro-Währungsunion. Dies wisse auch der griechische Regierungschef Alexis Tsipras, sagte Juncker am Samstag in Schengen (Luxemburg) der Deutschen Presse-Agentur. "Er weiß, dass die Lage sich zuspitzt. Ich habe ihm das in allen Farben und in mehreren Sprachen nahegebracht."

Juncker sagte, er verfüge "eigentlich über einen guten Draht" zu Tsipras, auch wenn es manchmal Schwierigkeiten gebe: "Er weiß, dass die Lage sehr ernst ist." Juncker sagte der dpa, wichtige Gespräche mit griechischen Regierungsvertretern über neue Reformvorschläge fänden auf "einer höheren technischen Ebene" am (morgigen) Sonntag statt. Am Samstag gebe es lediglich Gespräche auf einer "kleinen technischen Ebene".

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis geht nicht davon aus, dass die Euro-Partner es zu einem Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion kommen lassen. Varoufakis sagte am Samstag der BBC, er glaube nicht, dass irgendein europäischer Regierungsvertreter diesen Weg gehen werde.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel denke nicht einmal daran, einen "Grexit" in Betracht zu ziehen. Auf die Frage, ob die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) in den Verhandlungen mit der Regierung in Athen nur bluffen, sagte der Minister: "Ich hoffe es."

Wie die Zeitung "Die Welt" berichtete, wird bei den Unterredungen in der belgischen Hauptstadt Brüssel auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vertreten sein. Das IWF-Team hatte die Verhandlungen mit Griechenland am Donnerstag wegen "bedeutender Differenzen" verlassen.

"Die Welt" berichtete unter Berufung auf zwei unmittelbar mit den Griechenland-Verhandlungen befasste Personen, der IWF werde "bei jedweden Treffen mit Regierungsvertretern repräsentiert sein". Der IWF werde am Samstag einen Vertreter in Brüssel haben. Der Fonds werde zudem das gesamte Team zurückbringen, "falls die technischen Gespräche nach dem Treffen am Samstag wieder aufgenommen werden".

Die Gläubiger hatten Athen in der vergangenen Woche Konditionen für die Auszahlung zurückgehaltener Hilfskredite von 7,2 Milliarden Euro genannt. Tsipras wies die Vorschläge als "absurd" zurück, seine eigenen Vorschläge wurden wiederum von Brüssel als unzureichend abgelehnt.

Gibt es in den kommenden Tagen keinen Durchbruch, droht Athen bald die Pleite. Ende des Monats läuft das Hilfsprogramm aus, außerdem müssen Kredite von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt werden.