Erstellt am 13. August 2015, 13:36

von APA Red

Griechische Wirtschaft im Frühjahr gewachsen. Griechenlands Wirtschaft ist im zweiten Quartal trotz zugespitzter Schuldenkrise kräftig gewachsen.

 |  NOEN, APA (epa)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,8 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Donnerstag in Athen mitteilte. Dieses Ergebnis kommt angesichts der drohenden Staatspleite und dem Abschied vom Euro völlig überraschend: Ökonomen hatten ein Minus von 0,8 Prozent erwartet. Auch der Jahresauftakt fiel revidierten Daten zufolge besser aus als angenommen. Statt des zunächst gemeldeten Rückgangs um 0,2 Prozent blieb die Wirtschaftsleistung stabil.

"Das erklärt das überraschende Ergebnis"

Gründe für das unerwartet gute Abschneiden nannten die Statistiker nicht. "Einige Konjunkturindikatoren wie Konsum, Industrieproduktion und Tourismus zeigten sich im zweiten Quartal widerstandsfähig", sagte Ökonom Nikos Magginas von der National Bank. "Das erklärt das überraschende Ergebnis." Deutsche Urlauber halten dem beliebten Reiseziel trotz der Turbulenzen die Treue. Nach Angaben von Europas größtem Reisekonzern TUI lagen die Sommerbuchungen über dem Vorjahresniveau, sagte Co-Konzernchef Fritz Joussen.

Allerdings rechnen die internationalen Geldgeber und die Regierung in Athen mit einem Rezessionsjahr. Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach 2015 zwischen 2,1 und 2,3 Prozent schrumpfen. Ein Grund dafür sind die seit Ende Juni geltenden Kapitalkontrollen. Derzeit können die Griechen maximal 420 Euro pro Woche abheben. Zudem schlossen die Banken für drei Wochen. Nach sechsjähriger Talfahrt war das BIP 2014 erstmals wieder gewachsen.

Griechenland ringt derzeit mit den Geldgebern um neue Hilfen, ohne die eine Staatspleite droht. Das Parlament in Athen wollte in der Nacht auf Freitag über ein weiteres Reform-Bündel abstimmen, das den Weg für ein drittes Rettungspaket von bis zu 86 Mrd. Euro bereiten soll.

Weiter Unsicherheit gibt es unterdessen vor dem Sondertreffen der Eurogruppe am Freitag in Brüssel darüber, wie Griechenland kurzfristig seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann. Eine EU-Kommissionssprecherin sagte am Donnerstag, für das Sondertreffen der Euro-Finanzminister seien Dokumente für den Euro-Rettungsschirm ESM sowie für die mögliche Verwendung des EU-Fonds EFSM vorbereitet.

Griechenland muss Schulden begleichen

Bis zum 20. August muss Griechenland frisches Geld bekommen, um 3,2 Mrd. Euro an die EZB zurückzahlen zu können. Aus dem EFSM, der von allen 28 EU-Staaten befüllt wird, waren im Juli 7,16 Mrd. Euro als Brückenkredit an Athen überwiesen worden. Damit konnte das Land seinen kurzfristigen Finanzbedarf decken und die angeschlagenen Banken mit frischem Kapital ausstatten. Länder wie Großbritannien, die nicht Mitglied der Eurozone sind, bestanden darauf, vor möglichen finanziellen Verlusten bei der Inanspruchnahme des EFSM geschützt zu werden.

Die Finanzminister sollen am Freitag über das dritte Hilfsprogramm aus dem ESM für Athen entscheiden. Zum Volumen des Programmes machte die EU-Kommissionssprecherin keine detaillierten Angaben. Sie verwies lediglich auf den Beschluss des Euro-Gipfels vom 12. Juli, der von einem Finanzierungsbedarf von 82 bis 86 Mrd. Euro spricht. Diese Rahmen sei nicht überschritten worden.

Die EU-Kommission habe den Rechtstext für das entsprechende Memorandum mit den Sparvorgaben für Griechenland an die Eurogruppe weitergeleitet, sagte die Sprecherin. Zur Vorbereitung des Treffens würden EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem miteinander noch beraten. Die EU-Kommission wird bei dem Sondertreffen am Freitag von Euro-Kommissar Valdis Dombrovskis vertreten.