Erstellt am 07. September 2015, 14:05

Grüne wollen wegen Flüchtlingen Zusatzmittel für Schulen. Die Grünen fordern zur Eingliederung von Flüchtlingskindern an Schulen kurzfristig Zusatzmittel in der Höhe von 14 bis 15 Millionen Euro.

 |  NOEN, APA (Fohringer)

Diese brauche man zur Sprachförderung und sozialpsychologischen Betreuung, so Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz. Kurzfristig seien "Willkommensklassen" vorstellbar, nach zwei bis drei Monaten müssten die Kinder aber in die Regelklasse.

Die von der Regierung erwartete Zahl von 5.000 Flüchtlingskindern im schulpflichtigen Alter hält Walser für "sehr niedrig gegriffen". Wenn man die vergleichbaren Zahlen aus Deutschland hernehme, würden es zwei- bis dreimal mehr werden. Nötig sei daher auch eine flexiblere Schulbürokratie: Derzeit würden die Mittel anhand der Schülerzahlen am Stichtag 15. September verteilt: "Damit wird man aber die Probleme und Herausforderungen, die im Dezember, Jänner und März auftauchen, nicht lösen können."

Die zusätzlichen 14 bis 15 Mio. Euro sollen für Sonderverträge für Personen mit einer Ausbildung in Deutsch als Zweitsprache aufgewendet werden. Allein in Wien gebe es hier rund 200 fertige Absolventen, zum Teil auf Masterniveau, so Walser. Die Sprachförderung müsse grundsätzlich in den Regelklassen stattfinden: Als "Übergangslösung" könne er sich aber in großen Städten kurzfristig "Willkommensklassen" zur Kontaktaufnahme und Einstimmung auf das österreichische Bildungssystem vorstellen - nach spätestens drei Monaten sollten die Kinder aber in die Regelklassen.

Dafür plädierte auch Inci Dirim, die an der Universität Wien einen der österreichweit zwei Lehrstühle für Deutsch als Zweitsprache innehat. Ein "Sonderunterricht" in eigenen Deutsch-Klassen sei über längere Zeit nicht sinnvoll. "Die Forschung hat gezeigt, dass eine integrierte Form der Förderung besser ist als eine isolierte." Lediglich am Anfang der Schulkarriere sei für "Quereinsteiger" wie etwa Flüchtlinge eine getrennte vorübergehende Einführung ins Bildungssystem sinnvoll, so Dirim.

Grundsätzlich unterscheide man in der Forschung additive Modelle der Sprachförderung und integrative: Bei den additiven Modellen gebe es für die Kinder zusätzlich zum Regelunterricht etwa am Nachmittag Deutschkurse an der Schule, wobei man aber stets den Bezug zu den Fächern herstellen müsse. In integrativen Modellen würden die Lehrer den Unterricht nicht nur auf den Fachgegenstand bezogen vorbereiten, sondern auch im Hinblick auf Sprachförderung: "Jede Lehrkraft ist auch eine Sprachlehrkraft." Laut aktuellem Forschungsstand würden additive und integrative Angebote gemeinsam zu besseren Ergebnissen führen als lediglich additive.

Generell gelte: "Sprache muss in Zusammenhang mit dem Fach angeeignet werden", betonte Dirim. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache müsse daher in den einzelnen Fächern stattfinden. Wichtig sei auch die konsequente Begleitung und Förderung über fünf bis acht Jahre.

Als Modell für Wien könne Hamburg dienen: Dort gebe es an den Schulen als "Sprachlernkoordinatoren" eingesetzte Lehrer, die für 15 Stunden in der Woche freigestellt seien und ständige Fortbildungen absolvieren. Sie erstellen schuleigene Konzepte zur Sprachförderung und verantworten diese auch. Zur Überprüfung der Kenntnisse gebe es am Anfang und Ende des Schuljahrs Sprachstandserhebungen.