Erstellt am 07. Juli 2014, 12:32

von APA/Red

Hamilton im "Angriffsmodus". Die Formel-1-WM ist längst ein Privatduell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg.

Zum entscheidenden Faktor könnte die Zuverlässigkeit werden. Wegen eines Getriebeschadens sah WM-Leader Rosberg am Sonntag in Silverstone zum ersten Mal in dieser Saison nicht die Zielflagge. Hamilton verkürzte seinen Rückstand mit einem Heimsieg auf vier Punkte. Das Duell spitzt sich zu.

"Der Kampf wird härter"

"Sie sind nur noch vier Punkte auseinander, der Kampf wird härter", meinte Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda. "Sie belauern sich noch mehr." Lauda selbst war bei McLaren einst in ein packendes Stallduell um den WM-Titel verwickelt. 1984 setzte sich Österreichs Nationalheld am Ende um einen halben Punkt gegen seinen Rivalen Alain Prost durch.

Auch 30 Jahre später geht es eng zu. Hamiltons Heimerfolg ist vor allem ein moralischer Schub. "Wir ziehen einen Schlussstrich unter die letzten neun Rennen. Jetzt gibt es den Angriffsmodus", erklärte der 29-jährige Engländer nach seinem fünften Saisonsieg. Damit hat Hamilton bereits vor der Saisonhalbzeit seine persönliche Bestmarke von 2008 erreicht. Damals hatte er auch seinen bisher einzigen WM-Titel geholt.

Hamilton durch großartigen Auftritt mental gestärkt

Der Triumph ist wichtig für die Psyche. Hamilton hatte sich unter dem Druck des wachsenden WM-Rückstandes zuletzt ungewohnt viele Fehler geleistet - so auch im Qualifying in Spielberg und Silverstone. Viermal in Serie war er zuletzt hinter Mercedes-Teamkollege Rosberg gestartet. Sein Heimrennen gewann er von Startplatz sechs. "Der Druck war da. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass wir zurück sind."

Im Rennen machte Hamilton keinen Fehler mehr. "Dieser großartige Auftritt hat seine mentale Stärke gezeigt", meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Rosbergs Nuller lag dem Wiener aber schwer im Magen. "Einen Getriebedefekt zu haben, ist ein bisschen ein Schlag, weil man so einen Ausfall im Jahr 2014 nicht erwarten würde. Wir müssen den Blick auf unsere Qualität richten."

Rosberg: "Ich bin nicht besorgt"

Rosberg macht sich deswegen keine allzu großen Sorgen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Aspekte im Griff haben. Ich bin nicht besorgt", betonte der 29-Jährige, der die technische Überlegenheit der Silberpfeile fast auf einem Niveau wie zu Saisonstart sieht. Rosberg: "Wir können wieder ein bisschen aufatmen. Jetzt sind wir fast wieder beim Melbourne-Stand."

158 Punkte fehlen Red Bull als erstem Verfolger in der Konstrukteurs-WM bereits auf Mercedes. Der Australier Daniel Ricciardo ist nach seinem vierten Podestplatz auch in der WM Dritter. Dem Red-Bull-Neuzugang fehlen aber immer noch 67 Zähler auf Rosberg. Weltmeister Sebastian Vettel blieb überhaupt nur ein Privatduell mit Ferrari-Star Fernando Alonso um Platz fünf, das der Deutsche für sich entschied.

Auch wenn die Mercedes auf der Geraden bei weitem nicht die Schnellsten waren, die Rundenzeiten unterstrichen die Dominanz der Silberpfeile. Beide Fahrer wissen um ihre Chance. Hamilton will eine Serie starten, wie er sie schon im Frühjahr hingelegt hatte. Vier Rennen gewann der Brite zwischen Ende März und Mitte Mai. Die WM-Führung hatte mit einer kurzen Unterbrechung aber immer Rosberg inne.

Wie eng das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Teamkollegen abläuft, zeigt sich am oft bemühten Einsatz des Wortes "Energie". Minimale Details auf und neben der Strecke könnten über den WM-Titel entscheiden. "Ich versuche Energie in die Sachen zu stecken, die ich beeinflussen kann und in die Sachen, die ich nicht beeinflussen kann, versuche ich weniger Energie zu stecken", erklärte Rosberg. In zwei Wochen folgt sein Heimrennen in Hockenheim.