Erstellt am 12. Januar 2015, 11:16

von APA/Red

ÖHB-Auswahl will in Katar ins WM-Achtelfinale. Zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren nehmen Österreichs Handball-Männer ab Freitag ein Großereignis in Angriff.

Bei der WM im Wüstenstaat Katar (15. Jänner - 1. Februar) will die Truppe von Teamchef Patrekur Johannesson die gewonnene Konstanz unter Beweis stellen und den Aufschwung des heimischen Teams weiter fortsetzen. Klares Ziel ist das Erreichen des Achtelfinales.

Dazu ist in Gruppe B, wo Favorit Kroatien (Freitag, 17.00 Uhr MEZ), Bosnien und Herzegowina (Samstag, 19.00), Tunesien (19. Jänner, 19.00), der Iran (21. Jänner, 15.00) und Mazedonien (23. Jänner, 17.00/alle live ORF Sport + bzw. Sky Austria/Sky HD) warten, zumindest Platz vier nötig. Eine Aufgabe, die für das ÖHB-Team dank einer Mischung aus arrivierten Spielern um Kapitän Viktor Szilagyi und ebenso talentierten wie unbekümmerten Jungen wie dem erst 18-jährigen Nikola Bilyk durchaus lösbar erscheint.

Bestmögliche Truppe im Einsatz

Johannesson, der sich gern persönliche Maximalziele setzt, darf optimistisch auf die kommenden zwei Wochen blicken. Der 42-jährige Isländer, der seit 2011 Teamchef ist, hat die bestmögliche Truppe zur Verfügung, der 18-Mann-Kader ist breit wie nie zuvor. Keine Verletzung trübt das Bild, Kapitän Viktor Szilagyi wurde ebenso rechtzeitig fit wie Rückraumroutinier Roland Schlinger, der sich mit einer feinen Vorstellung im letzten Test sein WM-Ticket sicherte.

Und die befürchteten Rücktritte von Szilagyi und seinem "Vertreter" auf der Mitteposition Vitas Ziura blieben aus. Von der "alten Garde" fehlen im Vergleich zur EM 2014 nur Kreisläufer Patrick Fölser und Flügel Konrad Wilczynski, die ihre Teamkarrieren nach der EM beendeten.

"Erfahrungen bringen uns unheimlich viel"

Auch Szilagyi, der in seiner Karriere auf Clubebene alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, ist zuversichtlich, den Aufstieg in die K.o.-Phase zu schaffen. "Wir wissen, dass wir an einem guten Tag gegen jeden Gegner bestehen können. Wenn es uns gelingt, Konstanz hineinzubringen, dann können wir weit kommen", meinte der 36-jährige Regisseur, der sich schon so oft als entscheidender Faktor erwies. Dass man bereits zum wiederholten Mal innerhalb weniger Jahre auf der großen Bühne vertreten ist, sei zudem ein klarer Vorteil. "Diese Erfahrungen bringen uns unheimlich viel. Die Jungen bringen zudem Unbekümmertheit mit, und diese Kombination wird es ausmachen."

Die Lektionen aus der Vergangenheit habe man gelernt. So hat sich etwa das enttäuschende Abschneiden bei der WM 2011, als eine Niederlage gegen Außenseiter Japan vieles zunichtemachte, im Gedächtnis des Deutschland-Legionärs eingebrannt. "Das war wahnsinnig bitter", erinnerte sich Szilagyi und ist überzeugt: "Da sind wir definitiv einen Schritt weiter. Ich gehe davon aus, dass so etwas nicht mehr passiert."

Variabel in der Offensive

Zudem ging der Plan, sich in der unmittelbaren Vorbereitung vor eigenem Publikum noch Moralinjektionen zu holen, auf. Bei den 32:23- und 38:28-Testsiegen gegen die - freilich ermüdeten - Schweizer sah Johannesson über weite Strecken das, was er sehen wollte. "Wir waren variabel in der Offensive, wenn es bei Szilagyi oder Ziura einmal nicht so gegangen ist, sind andere eingesprungen", bilanzierte der Teamchef zufrieden. Was ihm aber am meisten gefiel: "Sie haben nicht aufgegeben, wenn es Schwierigkeiten gegeben hat. In dieser Mannschaft ist Charakter."

Johannesson will es in Katar jedenfalls besser machen als ein Jahr zuvor bei der EM in Dänemark, als man nach dem überraschend hohen Auftaktsieg gegen Tschechien in den entscheidenden Spielen nicht mehr richtig nachsetzen konnte und schließlich 14. wurde. "Ich habe meine Lehren daraus gezogen", betonte er.

Kroatien ist Gruppen-Favorit

Ähnliches wie das 30:20 in der ersten EM-Partie 2014 wird es in Katar wohl nicht spielen, mit Auftaktgegner Kroatien wartet ein Ex-Weltmeister und zweifacher Olympiasieger. "Kroatien ist sicher Favorit in unserer Gruppe. Aber ich werde in dieses Spiel gehen, um zu gewinnen. Ich bin so verrückt", untermauerte Johannesson dennoch seine großen Ambitionen.

Ohne Pause geht es schon am folgenden Tag gegen Bosnien und Herzegowina, spätestens da muss Rot-Weiß-Rot sein Potenzial abrufen. Denn der Gegner ist keinesfalls zu unterschätzen. "Bosnien ist (im Vergleich zur Quali für die EM 2014, Heimsieg und Auswärtsremis, Anm.) stärker geworden, hat Island im Play-off eliminiert", warnte Johannesson, der auch Tunesien ("Sie können sehr offensiv spielen") wie Mazedonien ("Es ist Zeit Revanche zu nehmen") gut kennt. Lediglich der erstmals für eine WM qualifizierte Iran ist klarer Außenseiter einer ansonsten recht ausgeglichenen Gruppe.

Vom Viertelfinale, dessen Erreichen bei günstiger Paarung durchaus möglich wäre - im Achtelfinale warten Gegner aus Gruppe A mit Titelverteidiger Spanien, Slowenien, Brasilien, Gastgeber Katar, Chile sowie Weißrussland - will Johannesson vorerst nichts wissen. "Wir wollen ins Achtelfinale, dann können wir uns neue Ziele setzen", stellte er klar - und forderte von seiner Truppe einmal mehr die Bereitschaft ein, die eigenen Grenzen auszuloten: "Der Aufstieg ist nur realistisch, wenn wir ans Limit gehen."