Erstellt am 24. April 2014, 14:06

Hans Hollein verstorben. "Alles ist Architektur", proklamierte Hans Hollein 1966. Heute, Donnerstag, verstarb er 80-jährig nach langer Krankheit.

Hans Hollein  |  NOEN, ROLAND SCHLAGER (APA)
Der Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter war ein Weltstar der Architektur und seit 1985 Österreichs einziger Pritzker-Preisträger. Mit seinem Wiener Mini-Büro hat er weltweit Bauten geschaffen und auch hierzulande an prestigeträchtigen Orten Statements gesetzt. 

"Holleins Triple-Position als einer der Vollender der Moderne, als einer der Begründer der Postmoderne und als einer der Erfinder der künftigen Architektur lässt logischerweise kein anderes Programm zu als 'Alle sind Architekten, alles ist Architektur'", schrieb Peter Weibel 2011 im Katalog zur großen Hollein-Schau in der Grazer Neuen Galerie über den "Universalkünstler Hollein". In dieser umfassenden Personale zeigte u.a. eine alte Telefonzelle (in der der junge Architekt seine Vorstellungen von Telekommunikation und verdichteter Wohnform erläuterte), eine riesige Fototapete (von der berühmten Collage "Flugzeugträger in der Landschaft") und sein "Goldenes Kalb" (ein vergoldeter Eisenbahntankwaggon mit Hörnern) die Bandbreite seiner künstlerischen Auseinandersetzung.

Karriere begann mit Paukenschlag

Die Karriere des am 30. März 1934 in Wien geborenen Clemens-Holzmeister-Schülers, der nach dem 1956 erworbenen Diplom der Wiener Akademie der bildenden Künste in den USA studierte und seit 1964 ein Architekturbüro betreibt, begann mit einem Paukenschlag. 1965 erhielt er für die Gestaltung der bloß 16 Quadratmeter großen Kerzenboutique "Retti" am Kohlmarkt in Wien-Innere Stadt den mit 25.000 Dollar dotierten Reynolds-Preis. "Das war mehr als die Herstellungskosten des Ladens", erzählte der Architekt.

Als Designer hat Hollein Möbel und Türklinken ebenso entworfen wie Konzertflügel, er war als Ausstellungsgestalter (u.a. für "Traum und Wirklichkeit") und Bühnenbildner (etwa für Schnitzlers "Komödie der Verführung" am Burgtheater) tätig. Als Vorsitzender des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung, Universitätsprofessor, Direktor der Architektur-Biennale Venedig (1996), Österreich-Kommissär der Kunstbiennale Venedig (1978-90) und Präsident des Österreichischen Kunstsenats hatte er weit über das eigene Bauen hinaus auf die kulturellen Belange seiner Heimat Einfluss.

Er baute u.a. in New York (Richard L. Feigen Gallery 1969), in Mönchengladbach (Städtisches Museum Abteiberg, 1970-1972), in Teheran (Museum für Glas und Keramik, 1977/78), in Frankfurt (Museum für Moderne Kunst, Eröffnung 1991), Berlin (Österreichischen Botschaft, Eröffnung 2001) und Clermont-Ferrand ("Vulcania"-Museum, 2002). Sein erstes Wiener Prestigeprojekt, vom damaligen Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) durchgesetzt, führte ihn mit dem als Konsumtempel der Postmoderne ausgeführten Haas Haus (1985-1990) gleich in das Herz der Stadt, auf den Stephansplatz.

In Wien hat er vergleichsweise spät weitere größere Bauten realisiert: Den Media-Tower am Wiener Schwedenplatz (2001) krönt eines der für Hollein charakteristischen Flugdächer, der kühn den Albertina-Vorplatz gleichzeitig beschirmende und zerschneidende "Soravia Wing" (2003) trägt ebenso seine Handschrift wie der Hilton-Umbau und das Bürohaus "Die Welle" in unmittelbarer Nähe des Hotels.

Neben der "Welle" (die sich überdies im charakteristischen Schwung des Vordachs des von Hollein gebauten Niederösterreichischen Landesmuseums wiederfindet), hat Hollein auch der Typus der "Wolke" immer fasziniert. Seine Vision, mit schwebend-raumgreifenden Aufbauten die Wolken gleich baulich in die Wolkenkratzer zu integrieren, die Terence Riley die "architektonische Variation des Ikarus-Traums" nennt, harrt nach einigen Anläufen noch ihrer ultimativen Verwirklichung.

Der Visionär und Architekturtheoretiker, der in Zeichnungen, Collagen oder Skulpturen Grundfragen von Raum und seiner Bebauung stellt, hat Museen, Konzerthallen und Kulturzentren von Europa bis nach China, von Japan über die USA bis nach Saudi-Arabien entworfen und dabei Grundformen wie Kubus, Konus und Welle variiert. Auch die nicht realisierten Projekte Holleins, allen voran sein für Guggenheim geplantes Museum im Salzburger Mönchsberg, schafften es mitunter zu Weltruhm.

MAK-Ausstellung wird Rückblick auf Lebenswerk

Die Idee eines in den Berg gebauten Museums ("Aufbauen und Aushöhlen", hieß eine Werkschau) hat er wenigstens in Ansätzen in der Auvergne verwirklichen können. Zuletzt konzentrierte sich Holleins Büro auf zwei Projekte im peruanischen Lima, wo er 2001 mit dem Headquarter der Interbank eine weithin beachtete Landmark gesetzt hat, und in Shenzhen: Das Computer- und Servicecenter der Interbank soll 2015 fertig werden, der 200 Meter hohe SBF Tower, einer von vier Ecktürmen eines neuen Geschäftsviertels in der chinesischen Millionenmetropole, wird voraussichtlich 2016 eröffnen.

Stolz war Hans Hollein nicht nur auf seine Bauten, sondern auch auf seinen Nachwuchs: Sohn Max ist Museumsdirektor in Frankfurt und immer wieder für weitere hochkarätige Posten der Kunstszene im Gespräch, Tochter Lilli ist Mitbegründerin und Leiterin der Vienna Design Week. In dem von Hollein gebauten Museum Abteiberg in Mönchengladbach läuft derzeit die Ausstellung "Hans Hollein: Alles ist Architektur". Die von 25. Juni bis 5. Oktober im Wiener MAK geplante Ausstellung "HOLLEIN" wird nun in memoriam gezeigt und zu einem Rückblick auf ein großes Lebenswerk.