Erstellt am 09. September 2015, 12:53

"Haus der Geschichte" wird in der Neuen Burg errichtet. Das Haus der Geschichte wird in der Neuen Burg etabliert. Am Mittwoch wurde die Umsetzungsstrategie des Internationalen Beirates unter Vorsitz des Zeithistorikers Oliver Rathkolb vorgestellt.

 |  NOEN, APA (Archiv)

"Wir haben im gemeinsamen Dialog eine Lösung gefunden", sagte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ). Am 14. September tagt die Steuerungsgruppe das nächste Mal, Kostenschätzungen werden erst angestellt.

Als nächster Schritt werde eine Änderung des Bundesmuseengesetzes vorbereitet, so Ostermayer. "Der Vorschlag ist, dass wir das Haus der Geschichte andocken an die Österreichische Nationalbibliothek, dass wir Synergien nutzen, dass es aber einen eigenständigen Direktor, ein eigenes Budget, einen eigenen wissenschaftlichen Beirat, aber auch einen Publikumsbeirat geben soll." Der Experten-Vorschlag umfasst auch die Etablierung einer eigenen Sammlung.

Das Haus der Geschichte soll im ersten Obergeschoß der Neuen Burg errichtet werden und eine Publikumsfläche von 3.000 Quadratmeter inklusive der Stiegenhausflächen umfassen. Die Sammlung Alter Musikinstrumente wird von 1.900 auf 1.600 Quadratmeter reduziert und künftig zum Teil im ersten Obergeschoß, zum Teil im Mezzanin gezeigt. "Ich glaube, dass wir ein konsensuales Modell haben", sagte Ostermayer.

"Wir werden beim Architekturwettbewerb darauf achten, dass es innovative Vorschläge geben wird", so der Kulturminister. Der inhaltliche Hauptschwerpunkt des Hauses der Geschichte werde der Zeitraum 1918 bis jetzt sein, jedoch ausgehend von 1848. "Ziel ist, dass wir im November 2018 fertig werden. Dieses Ziel ist extrem ambitioniert."

Es sei sehr wohl daran gedacht, das Äußere Burgtor in das Projekt einzubeziehen, damit werde sich aber die kommende Steuerungsgruppe befassen, sagten Ostermayer und Beirats-Vorsitzender Oliver Rathkolb. Auch das von Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) in die Diskussion eingebrachte "Haus der Zukunft" am Heldenplatz ist nicht vom Tisch. "Das Thema wird angegangen", versprach Mahrer.

Der Staatssekretär hält an der Idee einer "Future's Corner" als "Mischung aus Agora und Bibliothek der Ideen, aus Präsentations- und Interaktionsfläche", als "Begegnungszone mit der Zukunft" weiter fest, sieht jedoch für ein "Haus der Zukunft" einen weiteren Zeithorizont, der etwa mit der Rückübersiedlung des Parlaments in das Gebäude am Ring um das Jahr 2020 angesiedelt ist. "Wir wollen dafür einen offenen Bürgerbeteiligungsprozess, aber auch einen Stakeholder-Prozess." Zunächst gehe es darum, das im Regierungsübereinkommen enthaltene Vorhaben des Hauses der Geschichte umzusetzen.

Auch Rathkolb betonte im Interview, "der erste Schritt ist die Etablierung eines Haus der Geschichte Österreich in der Neuen Burg. Die zweite Etappe, das haben wir immer thematisiert und forciert, wäre eine Weiterentwicklung des Heldenplatzes auch Richtung Parlament, und da ist ein Neubau natürlich eine von mehreren Optionen."

Die Ansiedlung des Hauses der Geschichte in der Neuen Burg werde "deutlich billiger als ein Neubau", versicherte Ostermayer. Detaillierte Kostenschätzungen sollen erst erarbeitet werden, bei der Kostenübernahme denkt der Minister an eine Zusammenarbeit zwischen Burghauptmannschaft, Wirtschafts- und Kulturministerium.

Im Kunsthistorischen Museum habe man bereits detaillierte Zahlen für den eigenen betroffenen Bereich, sagte Paul Frey, der kaufmännische Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM). "Wir gehen mit diesen Zahlen am Montag in die Steuerungsgruppe und haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass diese Neuaufstellung Geld kosten wird."

Das KHM versucht offenbar, das Beste aus der Situation zu machen: "Ich glaube, wir haben jetzt einen guten Zustand erreicht. Wir haben innerhalb des KHM-Museumsverbandes bei allen betroffenen Museen und Sammlungen (auch die Hofjagd- und Rüstkammer verliert Präsentationsflächen, Anm.) eine Flächenreduktion von 15 bis 20 Prozent vorgenommen, können aber in Zukunft unseren Gästen eine vollwertige Museumspräsentation bieten", sagte Frey.

Er freue sich aber auf neue Attraktionen, neue Eingangssituationen und eine erhöhte Durchlässigkeit bei den Institutionen der Neuen Burg. Genaue Details der künftigen Flächennutzung durch das KHM soll es in einem halben bis dreiviertel Jahr geben.

"Ich freue mich sehr, dass das Haus der Geschichte an der Österreichischen Nationalbibliothek angesiedelt wird", sagte ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger. "Es wird aber ein sehr eigenständiges Haus sein." Dabei gelte es etwa bei der künftigen Basisabgeltung größtmögliche Transparenz zu beweisen. Besonders begrüßte Rachinger die Schaffung eines wissenschaftlichen Beirats und eines Publikumsbeirats.

"Ich bin sehr froh, dass die Politik unsere Vorschläge und Empfehlungen so positiv aufnimmt", sagte Oliver Rathkolb. Dass der "Führerbalkon" einbezogen werde, sei "ein wichtiges Element der Auseinandersetzung. Der Beirat ist aber zur Auffassung gelangt, dass es wichtig ist, diesen Balkon nicht nur auf den März 1938 und Adolf Hitler zu reduzieren, sondern ihn in seiner ganzen historischen Bedeutung entsprechend zu kontextualisieren. Das wird eine einmalige Gelegenheit der Interaktion zwischen Kunst und Wissenschaft. Auf dieses Projekt freuen sich, glaube ich, schon viele Künstlerinnen und Künstler."

Die dramatischen Flüchtlingsbewegungen der Gegenwart seien im inhaltlichen Konzept auf jeden Fall berücksichtigt, so der Historiker: "Wir beginnen mit der Frage 'Who are the Austrians?' und beginnen mit den massiven Migrationsschüben über die Geschichte hinweg. Migration ist ein wichtiger Faktor, mit dem wir uns auseinandersetzen wollen."

Wie die neue Institution heißen wird, steht noch nicht endgültig fest. "Haus der Geschichte" sei der Arbeitstitel, sagte Ostermayer. "Aber auch 'Haus der Republik' würde mir gut gefallen."

Skeptisch zeigen sich die Kultursprecher von FPÖ und den Grünen. Walter Rosenkranz (FPÖ) erteilt den Plänen eine klare Absage, Wolfgang Zinggl (Grüne) kritisiert u.a. die weiterhin ungeklärte Kostenfrage.

"Nur um ein Prestigeprojekt der SPÖ durchzupeitschen, wäre ein Haus der Geschichte am Standort Neue Burg nicht verantwortbar", meint Rosenkranz heute in einer Aussendung. Durch das neue Projekt werde das Weltmuseum beschnitten und die Sammlung alter Musikinstrumente "verräumt". Außerdem sei zu befürchten, dass diese weltweit einzigartige Sammlung bei der Umsiedelung "großen Schaden nehmen wird".

"Das Konzept ist zwar nicht neu, es ist auch nicht schlecht, lässt aber zu viele Fragen offen", sagt dagegen Zinggl. Das Raum- und Ideenkonzept sei "im Wesentlichen das von Claudia Haas aus dem Jahr 2008". Inhaltlich können sich die Grünen in weiten Strecken mit dem Konzept identifizieren, sie kritisieren vor allem einen jahrelangen, intransparenten Diskussionsprozess und noch fehlende Kostenschätzungen.

"Angesichts der Budgetnot und dringend benötigter Gelder im Kulturbereich ist die Kostenfrage aber die einzig relevante Gretchenfrage", so Zinggl in einer Aussendung. "Beim insgesamt gleichbleibend mageren Kulturbudget bindet die Umsetzung eines Prestigeprojekts als ein weiterer musealer Tanker einmal mehr Ressourcen auf Kosten all jener Einrichtungen und Initiativen, die nicht unter dem großzügigen Protektorat der Republik stehen."