Erstellt am 24. Juli 2014, 13:04

von APA Red

Heftige Reaktionen nach Tumult bei Haifa-Spiel. Politiker aus Österreich und Organisationen haben mit Empörung auf den Tumult während des Fußballspiels Maccabi Haifa gegen OSC Lille in Bischofshofen reagiert.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Innenministerin Johann Mikl-Leitner und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) verurteilten die Vorfälle "aufs Schärfste". FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache forderte eine genaue Untersuchung.

"Grenze mehr als überschritten"

"Gäste, die sich in Österreich aufhalten, haben das Recht, das in Sicherheit zu tun - unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer religiösen Zugehörigkeit", erklärte der Bundeskanzler. "Übergriffe auf Sportler, die ihre Saisonvorbereitung in Österreich absolvieren, sind absolut nicht zu tolerieren. Österreich steht für ein friedliches Miteinander aller Religionen. Das soll auch in Zukunft so sein."

Ins selbe Horn stieß die Innenministerin: "Konflikte aus anderen Ländern nach Österreich zu tragen ist absolut inakzeptabel. "Ich habe immer betont, dass die Grenze zwischen der Gewalt der Worte und körperlicher Gewalt fließend ist. In Bischofshofen wurde diese Grenze mehr als überschritten." Mikl-Leitner bedankte sich bei den Einsatzkräften, die durch ihr "rasches und kompetentes Einschreiten" Schlimmeres verhindert hätten.
 

Kurz forderte "vollständige Aufklärung"

Außenminister Sebastian Kurz verurteilte die tätlichen Angriffe gegen Spieler von Maccabi Haifa beim Testspiel gegen Lille in Bischofshofen in aller Deutlichkeit. "Ich fordere eine vollständige Aufklärung dieser Vorfälle. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, denn in Österreich darf es gegenüber religiös oder antisemitisch motivierter Gewalt absolut Null-Toleranz geben. Auch wenn der Nahost-Konflikt berührt, darf dieser Konflikt nicht nach Österreich getragen werden."

Kurz hob hervor, dass das Zusammenleben diverser Religionsgruppen in Österreich bis jetzt gut funktioniere. Das sei ein langer und schwieriger Weg, der nicht gefährdet werden dürfe.

FPÖ-Chef Strache forderte "Null-Toleranz gegenüber radikalem Islamismus in Österreich". Die Vorfälle beim gestrigen Fußballspiel bezeichnete er als einen Skandal. "Die Täter müssen anhand der vorhandenen Videoaufzeichnungen ausgeforscht und zur Verantwortung gezogen werden." Österreich sei ein neutrales Land, das eine geschichtliche Verantwortung gegenüber Israel habe und daher besonders sensibel mit antisemitischen Vorfällen wie diesem umgehen müsse.

"Ich richte auch einen Appell an die SPÖ und die Grünen, die aufgrund der mangelnden Zustimmung bei der autochthonen Bevölkerung, immer mehr auf die Stimmen der muslimischen Zuwanderer schielen, sich hier klar auf die Seite des Rechtstaates zu stellen."

"Das sind Probleme, die wir hier nicht brauchen"

"Persönlich sehr betroffen" zeigte sich der Wiener FPÖ-Gemeinderat David Lasar am Donnerstag im Zuge einer Pressekonferenz von den Ereignissen in Bischofshofen. "Ich bin mehr als bestürzt, dass solche Übergriffe heute in Österreich wieder Schule machen", erklärte er.

Er fordere daher sowohl den Wiener Bürgermeister Michael Häupl als auch Bundeskanzler Werner Faymann (beide SPÖ) sowie Bundespräsident Heinz Fischer auf, "endlich klare und eindeutige Worte zu finden und nicht zu beschwichtigen, nur um gewisse Wählergruppen nicht zu vergraulen". Es könne nicht sein, dass von außen gesteuerte Konflikte in Österreich ausgetragen würden. "Das sind Probleme, die wir hier nicht brauchen", betonte Lasar.

"Für uns ist die Grenze der Toleranz erreicht"

Betroffen zeigte sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig. "Antisemitismus ist offensichtlich noch immer alltägliche Realität, der nun unter dem Vorwand des aktuellen Nahostkonflikts neue Nahrung bekommt. In unserer Gesellschaft darf Judenfeindlichkeit keinen Platz haben - nicht in einem europäischen Land und schon gar nicht in Österreich. Anstatt zu Verhetzen und gegeneinander aufzutreten, sollten wir uns in Österreich gemeinsam friedlich für Waffenruhe und ein Ende des Blutvergießens im Gaza einsetzen."

"Volle Aufklärung" von den österreichischen Behörden forderte der Club der Freunde Israels (CdFI). "Für uns ist die Grenze der Toleranz erreicht. Es ist völlig inakzeptabel, dass bei uns in Österreich israelische Staatsbürger angegriffen werden, gleichgültig ob am oder abseits des Fußballfeldes", sagt CdFI-Sprecher Daniel Kapp. "Wir erwarten uns, dass von allen Seiten klargestellt wird, dass derartige Szenen in Zukunft auf Österreichs Fußballplätzen nichts verloren haben."