Erstellt am 09. Juli 2014, 12:17

von APA/Red

Heftiger Schlagabtausch in Nahost geht weiter. Militante Palästinenser im Gazastreifen haben am Mittwoch erneut den Großraum Tel Aviv mit Raketen angegriffen.

Im Stadtzentrum heulten die Warnsirenen, Menschen eilten in die Schutzräume. Nach palästinensischen Medienberichten starben bei neuen israelischen Luftangriffen im Gazastreifen mindestens fünf Menschen. Seit Beginn der Offensive sind somit mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.

Im Süden Israel seien in der Früh neuerlich vier Raketen eingeschlagen, sagte eine Armeesprecherin. Schäden und Verletzte gab es nicht. Im Großraum Tel Aviv seien mindestens fünf Raketen durch das Abwehrsystem "Eiserne Kuppel" abgefangen worden, berichtete das israelische Radio. Ein Militärsprecher sagte, die islamistische Hamas verfüge noch über Dutzende Raketen, die auch weiter entfernte Ziele in Israel erreichen könnten. Sie hätten eine Reichweite von rund 100 Kilometer. Die Küstenmetropole Tel Aviv ist 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Bereits 435 Ziele angegriffen

Die Armee setzte in der Nacht zum Mittwoch ihre massiven Angriffe im Gazastreifen fort. Insgesamt seien 160 Ziele beschossen worden, teilte die Armee mit. Seit Beginn der Militäroperation in der Nacht zuvor hätten Luftwaffe und Marine 435 Ziele angegriffen. Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem Zeitraum 225 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon habe die Raketenabwehr rund 40 abgefangen. Berichte über Opfer in Israel gab es bisher nicht.

Im Gazastreifen kamen durch die Angriffe nach Angaben von Rettungskräften 25 Menschen ums Leben. Nach Angaben eines Armeesprechers wurden 120 Raketenwerfer, zehn Kommandoposten der Hamas und "zahlreiche" Tunnel bombardiert. Außerdem seien zwei Wohnhäuser von "Militärchefs der Hamas" und Büros des Innenministeriums und der Sicherheitskräfte der Hamas angegriffen worden. Bei dem Beschuss des Hauses eines Anführers der Al-Kuds-Brigaden wurden nach palästinensischen Angaben auch mehrere Familienmitglieder getötet. Israel hält sich auch die Möglichkeit einer Bodenoffensive im Gazastreifen offen.

Raketenangriff mit bisher größter Reichweite

Militante Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas hatten am Dienstagabend auch weiter entfernte Städte in Israel angegriffen, darunter auch Tel Aviv und Jerusalem. In der Küstenstadt Khadera nördlich von Tel Aviv sei eine Rakete eingeschlagen, sagte die Sprecherin. Die Stadt liegt 117 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Dies sei der Raketenangriff mit der bisher größten Reichweite gewesen.

Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei jüdische Schüler entführt und getötet wurden. Die Regierung macht dafür die Hamas verantwortlich. Offensichtlich aus Rache wurde in der vergangenen Woche ein palästinensischer Jugendlicher in der Nähe von Jerusalem getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.