Erstellt am 15. Dezember 2014, 15:07

Heimische Banken müssen beim Kapital nachlegen. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, hat am Montag den neuesten Finanzmarktstabilitätsbericht vorgestellt.

Weiterhin bleibt demnach eine höhere Eigenmittelausstattung der heimischen Banken zur Steigerung der Finanzmarktstabilität notwendig. Die Anfang November gestartete europäische Bankenunion stärke das Vertrauen in die Bankenlandschaft in Europa. Die schrittweise Einführung der strengeren Eigenmittel-Regeln im Rahmen von Basel III und die Risikoexponierung der österreichischen Banken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa seien Hauptgrund dafür, dass die heimischen Banken nach einer stärkeren Eigenmittelbasis trachten müssen, so die Notenbank.

"Fünf Milliarden Euro sind eine Zahl, die jedenfalls bewältigt werden muss" - von den heimischen Banken in den nächsten Jahren trotz niedriger Profitabilität, so Notenbank-Vize Andreas Ittner am Montag in Wien vor Journalisten. Gemeint sei aber "fast ausschließlich" Tier-2-Kapital, also Ergänzungskapital. Seit 2008 sei die Kernkapitalquote um 4,5 Prozentpunkte auf über 11 Prozent erhöht worden.

Ukraine ist Problembereich

"Handlungsbedarf" gebe es zudem wegen des vergleichsweise überdurchschnittlich großen Bankensektors in Österreich und des vergleichsweise ebenso hohen Osteuropa-Exposures der heimischen Banken. Notenbank-Gouverneur Nowotny sagte hierzu, dass das Osteuropa-Engegament nach Ländern stark differenziert betrachtet werden müsse. Es gebe Länder - etwa Tschechien, Slowakei, Polen - die durchaus mit Westeuropa vergleichbar seien und wo auch die Geschäfte gut liefen.

Ein Problembereich sei die Ukraine wo gewisse Restrukturierungen anzudenken seien und Banken schon Abschreibungen getätigt hätten. Es gebe aber trotz der derzeit schwierigen Situation dort Potenzial. In der Ukraine sind - wie auch in Russland - die Raffeisen Bank International (RBI) und UniCredit Bank Austria aktiv, im kleineren Rahmen in Russland auch die Erste Group.

Österreich-Institute als stabiler Faktor in Russland

Aus Russland würden sich die heimischen Banken aber nicht zurückziehen, meinte Nowotny trotz der politischen Krise. Schon in früheren Krisen dort hätten sich die Österreich-Institute als stabiler Faktor erwiesen "und ich gehe davon aus, dass sie das auch jetzt beweisen", so Nowotny.

Insgesamt erzielen die heimischen Banken auch beispielsweise in Osteuropa - ganz im Gegenteil zur Heimat - nennenswerte Zinsmargen: in CEE mehr als 3 Prozent, in Österreich gerade 1 Prozent. In Osteuropa ist auch noch Wachstum im Bank-Dienstleistungsbereich zu erwarten, der in Österreich gesättigt ist. Zum Beispiel werden Filialen von heimischen Großbanken hierzulande zurückgefahren.

Weitere Herausforderung für den Bankensektor in Österreich bleibe auch eine niedrige Profitabilität. Die Kreditvergabe an heimische Unternehmen war laut OeNB in den ersten drei Quartalen heuer verhalten, da es eine Zurückhaltung bei Investitionen gibt und diese "in erheblichem Ausmaß aus Innenfinanzierungen" der Firmen bestritten werden.