Erstellt am 19. April 2016, 14:49

von APA/Red

Heimische Spitzenmanager klagen über stagnierende Gehälter. Österreichs Führungskräfte sehen ihre Gehälter seit Jahren nach dem Herausrechnen der Inflation stagnieren.

 |  NOEN, APA (dpa/Symbolbild)

Während internationale Firmen die Finanzkrise abgeschüttelt hätten und ihren Spitzenmanagern wieder mehr Salär zahlen würden, dümpelten die durchschnittlichen Gehälter der heimischen Topmanager knapp unter der 200.000-Euro-Marke vor sich hin.

"Seit 2007 gibt es so gut wie keine Veränderung der Gehälter", erläuterte Studienleiter Felix Josef am Dienstag in Wien die aktuellen Ergebnisse der mittlerweile 35. Einkommensstudie der Topmanager in Österreich. Das Marktforschungsunternehmen Triconsult hat die Studie im Auftrag des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) erstellt. An der Studie haben 525 Manager aus dem Netzwerk des WdF teilgenommen, 22 Prozent der Firmen, deren Manager teilnahmen, machten mehr als 500 Mio. Euro Umsatz. Der Rest der Führungskräfte managt Klein- und Mittelbetriebe.

Laut dieser Studie haben heimische Spitzenverdiener im Vorjahr ein Jahresbruttogehalt von 197.300 Euro bezogen (Netto-Jahresgehalt: 115.100 Euro). Die zweite und dritte Managerebene erhielt 2015 ein Gesamteinkommen (brutto) in Höhe von 115.500 Euro (Netto: 70.100 Euro). 64 Prozent der Spitzenmanager der ersten Führungsebene bezogen 2015 einen variablen Gehaltsanteil. Auf der zweiten und dritten Führungsebene sind 66 Prozent der Managergehälter an Erfolgskriterien gekoppelt.

Zunehmende Verantwortung für weniger Geld

Die mittlere Führungsebene beklagt sich über eine Zunahme an Verantwortung und weniger Geld. "Die Konkurrenz wird im mittleren Management immer härter", erläuterte Studienautor Josef gegenüber der APA. Dieses schlage sich in sinkenden Verdiensten zu Buche.

Nach der Einkommensdelle in den Jahren 2008 und 2009, ausgelöst durch die weltweite Finanzkrise, haben sich die Gehälter der heimischen Topverdiener 2015 wieder auf das Niveau von vor der Krise eingependelt, zeigt die Studie. Aber die fetten Gehaltssprünge haben sich in der Vergangenheit abgespielt. Ab dem Jahr 1982 hätten sich die inflationsbereinigten Gehälter von Topverdienern um die Hälfte gesteigert. Seit 2007 gab es eine "Stagnation". Im Vergleich lag etwa das durchschnittliche Vorstandsgehalt eines börsenotierten Unternehmens in Österreich im Jahr 2014 bei 1,3 Mio. Euro.

Frauenanteil: Neun Prozent

Der Anteil der Frauen in der Führungsriege lag 2015 bei insgesamt neun Prozent. Auf der ersten Führungsebene sind sie aber noch dünner gesät, räumt Josef ein. Die Gehälter von Topmanagerinnen fallen wenig überraschend weiterhin geringer aus als die ihrer männlichen Kollegen.

Die Topverdiener in Österreich beziehen ein im internationalen Vergleich verhältnismäßig hohes Grundgehalt. Mit 78 Prozent Grundgehalt machen die erfolgsabhängigen Prämien nur einen Anteil von 22 Prozent aus. Im internationalen Vergleich liegt Anteil der Erfolgsprämien und Boni weit höher. Die in Verruf geratenen Bonuszahlungen erhalten nur etwa drei Prozent der Führungsspitze in Österreich, betonte der Studienautor.

Das Risiko von Steuerhinterziehung, Offshore-Verstecken und Briefkastenfirmen sei für die heimische Führungselite kein Thema, glaubt der Bundesvorsitzende des WdF, SAP-Österreich-Vorstand Gerhard Zeine. Es gebe internationale Rechnungslegungsstandards, die das verhindern würden. Zudem seien die Manager an Compliance-Regeln, d.h. an die Beachtung der Gesetze, gebunden.

Auch für Dienstautos wurde im Vorjahr weniger Geld aufgewendet. Das könne aber auch an den günstigen Autopreisen liegen, hieß es.