Erstellt am 01. November 2015, 21:24

von APA/Red

Heinisch-Hosek in Israel: Bekenntnis zu Erinnerungskultur. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat bei ihrem Israel-Besuch am Sonntag das österreichische Bekenntnis zu einer "Erinnerungskultur" betont.

Bildungsministerin reiste nach Israel  |  NOEN, APA

Im Bildungssystem müsse dies verankert bleiben und forciert werden, erklärte sie nach einer Besichtigung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. In diesem Sinn wurde auch eine Fortsetzung eines Lehrerbildungsaustausches fixiert.

Heinisch-Hosek zeigte sich nach dem Rundgang durch die monumentale Gedenkstätte "tief beeindruckt" und dankte Yad-Vashem-Direktorin Dorit Novak "mit Respekt für das, was wir hier sehen können - sehen müssen". Ihr als Bildungsministerin sei es wichtig, die Gedenkkultur aufrechtzuerhalten und den Geist von Mahnmalen wie Yad Vashem nach Österreich und letztendlich in die Schulklassen zu tragen.

Das nun erneuerte Kooperationsabkommen sieht einen Lehreraustausch vor, österreichische Lehrende können in Jerusalem an Weiterbildungsprogrammen teilnehmen. In den vergangenen 15 Jahren haben dies 580 in Anspruch genommen. "Das Programm braucht eine Fortsetzung, das ist ganz klar", betonte die Ministerin.

Auch österreichische Gedenkdiener sind in Yad Vashem tätig. Heinisch-Hosek würde sich zudem einen Schüleraustausch wünschen, "auch daran sollten wir arbeiten". Österreich habe sich "sehr spät darauf besonnen, sich nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter" des NS-Regimes zu sehen, verwies sie auf jahrzehntelange Versäumnisse.

Doch seit 20 Jahren habe man aufgeholt, und Israel würdige die Anstrengungen und Erfolge beim Etablieren einer Gedenkkultur. Dies habe ihr auch ihr israelischer Amtskollege Naftali Bennett versichert, berichtete Heinisch-Hosek im Anschluss an ein rund 45-minütiges Treffen mit ihm.

Dieses sei "inhaltsreich" und in amikaler Atmosphäre verlaufen. Geeinigt hat man sich etwa auf eine bilaterale, interministerielle Arbeitsgruppe für einen Schulbuchvergleich. Dabei soll erkundet werden, wie das Bild Israels in österreichischen Klassen und vice versa vermittelt wird. Bennett habe sich sehr interessiert am österreichischen dualen (Lehr-)System und berufsbildenden Schulen gezeigt. Heinisch-Hosek wiederum informierte sich über Strategien der Elementarpädagogik und der Inklusion in Israel.

Gelebte Inklusion wurde der Ministerin während des dichten Besuchsprogramm in einer Betreuungseinrichtung für gehörbehinderte Kleinkinder präsentiert. Das MICHA Institut unter dem Dach der Jerusalem Foundation des früheren Jerusalemer Bürgermeisters Teddy Kollek bereitet die Kinder auf die Eingliederung in den regulären Kindergarten bzw. in Folge in die Regelschule vor. Ein weiteres Projekt der Stiftung, das Bloomfield Science Museum, durfte sich am Sonntag ebenfalls über eine Visite der Ministerin freuen.