Erstellt am 14. Dezember 2014, 12:20

von APA/Red

Heinzl sieht Arbeitsplätze in Österreich gefährdet. Der Bundesverkehrssprecher der SPÖ kritisiert die Auslagerung von Güterwaggon-Reperaturen ins Ausland und fordert von der ÖBB eine sofortige Kehrtwende.

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"Wenn das größte österreichische und zu hundert Prozent im Staatsbesitz befindliche Unternehmen - wie es die ÖBB sind - im benachbarten Ungarn und in der Slowakei hunderte Arbeitsplätze schafft, im Gegenzug aber in Österreich hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Straße setzt, darf man sich schon fragen, ob bei den Herren Managern ein paar Schienenschrauben locker sind", zeigt sich SP-Bundesverkehrssprecher NR Anton Heinzl über den neuesten Schildbürgerstreich aus dem Hause Geschäftsführung der Technische Services der ÖBB schlichtweg fassungslos.

Kompetenzzentrum St. Pölten in Gefahr

Seit vielen Jahren werden an verschiedenen Standorten der ÖBB Technische Services, darunter vor allem führend der Standort St. Pölten mit rund 500 Mitarbeitern, Waggons und Lokomotiven der ÖBB gewartet und repariert. Für die Güterverkehrssparte ist St. Pölten eine Großwerkstätte und ein Kompetenzzentrum, welchem aber leider in den letzten Jahren durch die Übernahme der Güterverkehrssparte der Ungarischen Staatsbahnen MAV eine Konkurrenz erwachsen ist - denn um ihre Statistiken zu schönen werden von den ÖBB immer mehr Güterwaggons zur Wartung und Reparatur in die billigeren Werkstätten in die Slowakei und nach Ungarn ausgelagert.

So ist ein privates Werk in der Slowakei in Trnava ein Großauftragnehmer der ÖBB, dort werden bereits jetzt mehr als 1.000 Waggons pro Jahr gewartet und repariert. Diese Auslagerung von Arbeit ging sogar soweit, dass über dem Standort St. Pölten im Jahr 2011 das Damoklesschwert der Schließung hing. Nach einem Machtwort der Landes- und Bundespolitik zog das Management vorerst einmal zurück, nun scheint es aber einen neuen Anlauf zu geben.

"Aushungerung" der österreichischen Werkstätten-Standorte

"Die derzeitig im ÖBB-Management verfolgten Pläne laufen auf eine weitere Aushungerung der österreichischen Werkstätten-Standorte hinaus, darunter neben St. Pölten auch Knittelfeld in der Steiermark sowie Standorte in Wien. Still und heimlich wurde beispielweise die Zahl der Waggons, die in die slowakische Werkstätte zur Wartung laufen, auf 1.500 jährlich erhöht. Nun soll der ÖBB-Aufsichtsrat in den nächsten Tagen für weitere Auslandsreparaturen, diesmal vor allem im Bereich der ungarischen MAV und ihrer Werkstätten, grünes Licht geben", weiß Heinzl aus dem Umkreis der ÖBB-Unternehmensführung zu berichten.

"Was das bedeutet, ist jedem klar: mittelfristig gibt es für die österreichischen Standorte immer weniger Arbeit, die Standorte werden geschlossen, die Menschen verlieren ihren Job. Die ÖBB ist zumindest "bilanzmäßig" hoch weis, sie bezahlt für die Revision ihrer Waggons in der Slowakei und Ungarn ja geringere Kosten.

Zwei Drittel der Güterwaggons im Ausland repariert

Was in der Unternehmensbilanz vielleicht ein paar Millionen bringt, vernichtet in Österreich hunderte Arbeitsplätze - allein in St. Pölten sind damit mittelfristig rund 500 Jobs gefährdet", empört sich Heinzl über die "abstruse und völlig kurzsichtige Unternehmenspolitik der ÖBB, die ja schon als 'steuerzahlerschädigend' eingestuft werden muss - denn wir müssen dann die Arbeitslosigkeit finanzieren, die ÖBB finanziert mit ihren Staatszuschüssen Jobs in der Slowakei und in Ungarn. Schon jetzt werden zwei Drittel der österreichischen Güterwaggons im Ausland repariert und das von einem Unternehmen, das mit österreichischem Steuergeld unterstützt wird - grotesker geht es ja nicht mehr!"

Der SPÖ-Bundesverkehrssprecher fordert von den ÖBB eine sofortige Kehrwendung. "Die Verlagerung von Arbeit und Beschäftigung ins Ausland durch die ÖBB und ihre Töchter müssen sofort gestoppt werden, die Waggons müssen wieder in österreichischen Werkstätten gewartet werden. Wir haben an unseren TS-Standorten hochqualifizierte ArbeitnehmerInnen, bei Wartung und Reparatur spielt natürlich auch das Thema Sicherheit eine maßgebliche Rolle. Als österreichisches Unternehmen haben die ÖBB Arbeit und Beschäftigung in Österreich zu sichern und nicht im Ausland. Es ist sicher keine Managementfähigkeit, Arbeit und damit Arbeitsplätze von Österreich ins Ausland zu verlagern und damit in Österreich Arbeitslosigkeit zu schaffen - dafür brauchen wir keine hochbezahlten Manager.

Vielleicht wäre es zielführender wenn die Herren ihre eigenen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern und damit dem österreichischen Steuerzahler tausende von Euro Monatsgagen ersparen würden", sieht Heinzl höchsten Bedarf, so "manchen orientierungslosen ÖBB-Manager wieder auf Schiene zu bringen".