Erstellt am 14. Juli 2015, 12:04

von APA/Red

Lehrgerüst von Brücke in Frohnleiten war falsch berechnet. Ein zu schwach dimensioniertes Hilfsgerüst ist die Ursache für den Einsturz einer in Bau befindlichen Brücke im steirischen Frohnleiten heuer im Februar gewesen.

Glück im Unglück beim Brückeneinsturz  |  NOEN, APA (Archiv)

Insgesamt acht Gutachter - darunter auch jener der Staatsanwaltschaft - sind seit Monaten den Gründen des tonnenschweren Zusammenbruchs auf der Spur. Der Schaden dürfte laut Asfinag-Vorstand Alois Schedl unter fünf Mio. Euro bleiben.

Fast fertige Brücke stürtzte im Februar auf die Gleise

Die Autobahngesellschaft präsentierte die vorläufigen Ergebnisse am Dienstag nahe der Baustelle der S35, Brucker Schnellstraße. Dort war am 21. Februar kurz nach der Durchfahrt eines Personenzuges der ÖBB eine fast fertige Brücke der Schnellstraße auf die Gleise gestürzt. Verletzt wurde niemand, aber mehrere Menschen in umliegenden Häusern waren wohl gefährdet. Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt wegen Gemeingefährdung.

Die Gutachter haben knapp fünf Monate nach dem Einsturz die Ursache gefunden: "Es gab einen Fehler bei der Dimensionierung des Lehrgerüsts", erklärte Schedl. Demnach war es zwar für die rund 800 Tonnen Beton ausgelegt, jedoch nicht für das anschließende Vorspannen und Ausschalen. Es sei besonders bei einem Pfeiler zu einer "massiven Überbelastung" gekommen. Als dann auch noch Vibrationen durch den Zug verursacht wurden, habe das Hilfsgerüst versagt.

Die damals gewählte Baumethode in erhöhter Lage, bei der die fertige Brücke erst zum Schluss etwa 1,2 Meter abgesenkt und auf die endgültige Position gelassen wird, sei keinesfalls unsicher oder exotisch gewesen, sie war einfacher und wirtschaftlicher, versicherte Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management.

Dennoch habe man sich nun für den Neubau, der ab 24. Juni starten soll, für eine andere Methode entschieden. Nun soll direkt auf Höhe der endgültigen Position gebaut werden. Das ist dann zwar nur noch etwa 20 Zentimeter über den Oberleitungen der darunter durchfahrenden Züge, doch damit soll Risiko eingedämmt werden.

Brückenabschnitt wird etwa 500.000 Euro kosten

Neben der Bauposition verändern sich auch die Kosten: Der Brückenabschnitt wird nun statt rund 300.000 Euro etwa 500.000 Euro kosten und statt drei Mal zwei Tage müssen die Gleise und damit die Zugverbindung an fünf Mal zwei Tagen gesperrt werden.

Die höheren Kosten fließen auch in den Schaden, der durch den Einsturz entstanden war. Hinzu kommen rund 1,4 Mio. Euro Schaden an der ÖBB-Infrastruktur, etwa 700.000 Euro an Kosten für den Schienenersatzverkehr, vermutlich noch zwei Mio. Euro für Güterverkehrumleitungen, 200.000 Euro für die Beseitigung der eingestürzten Brücke sowie die verlorenen 300.000 Euro durch den Einsturz der ersten Brücke.

Damit liegt der Gesamtschaden unter fünf Mio. Euro und ist zwar hoch, aber weniger als am Anfang vermutet, sagte Schedl. Die Asfinag will aus dem Einsturz ihre Lehren gezogen haben und installiert ab sofort einen zusätzlichen Prüfer, der unabhängig alles nachrechnet. Im Fall von Frohnleiten habe ein einziger Statiker - ein Zivilingenieur - die Berechnung für das Lehrgerüst erstellt. Die Planer hatten das Gerüst vor dem Betonieren abgenommen und damit freigegeben.

Die Asfinag will den entstandenen Schaden den Baufirmen und Subunternehmen weitergeben, da diese die Verantwortung dafür hatten. Ansprüche auf Pönalen, weil die Baustelle nicht wie geplant im Oktober, sondern wohl erst Ende des Jahres fertig wird, gebe es seitens der ÖBB an die Asfinag noch keine. Darüber müsse man nach Fertigstellung sprechen. Seitens der Staatsanwaltschaft Graz hieß es, dass vor Ende Juli kein abschließendes Gutachten vorliegen soll.