Erstellt am 21. März 2015, 22:04

Hirscher nach Gesamtweltcupsieg erleichtert: "Tolles Gefühl". Der 26-jährige Marcel Hirscher hat Geschichte geschrieben und als erster Rennläufer zum vierten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen.

Weil der Norweger Kjetil Jansrud auf ein Antreten im Slalom am Sonntag zum Saisonkehraus in Meribel verzichtet, kann der 60 Zähler voran liegende Salzburger nun auch rechnerisch nicht mehr eingeholt werden.

Hirscher zog mit Landsmann Hermann Maier, Gustavo Thöni (ITA) und Pirmin Zurbriggen (SUI) gleich, die ebenfalls vier große Kugeln gewonnen haben. Voran liegt mit fünf Trophäen der Luxemburger Marc Girardelli.

"Ich habe natürlich jetzt ein unglaublich tolles Gefühl. Die Erleichterung macht sich gerade extrem spürbar. Kjetil, danke für den harten und unglaublich genialen Fight mit dir", sagte Hirscher. Amtlich wurde die vierte große Kugel kurz vor 18.00 Uhr, als das Schild mit dem Namen Kjetil Jansrud von dessen Cheftrainer Havard Tjörhom vor den Augen von Coaches und Medienleuten vor der Starnummernauslosung für den Slalom von der Tafel genommen wurde.

"Nach dem Riesentorlauf war für uns klar, dass der Gesamtweltcup entschieden ist und Kjetil den Slalom nicht mehr fährt. Marcel ist ein verdienter Sieger", sagte der mit Saisonende seine Tätigkeit beendende Tjörhom.

Jansrud hatte am Samstag als starker Elfter im Riesentorlauf bei einem vierten Platz von Hirscher dafür gesorgt, dass alles darauf wartete, ob er sich zum Slalomantreten entscheidet oder nicht. Es wäre aber ein aussichtsloses Unterfangen für den früheren Gewinner einer Slalom-Europacupwertung geworden, da er diese Disziplin aktuell nur noch für Kombinationen betreibt.

"Menschlich ist das wirklich einer der feinsten und tollsten Athleten, die ich bis jetzt habe kennenlernen dürfen. Ich freue mich auf nächstes Jahr", meinte Hirscher über Jansrud. Der stets faire und sich eines hohen Beliebtheitsgrades im Ski-Zirkus erfreuende Jansrud hatte schon vor der definitiven Entscheidung, vom Slalom zurückzuziehen, gemeint, dass er Hirscher die Show nicht verderben will. "Er kämpft ja auch noch um die Slalomkugel, er soll konzentriert und entspannt sein, ohne an den Gesamtweltcup zu denken."

Im ÖSV-Lager war die Freude ob des neuerlichen Titelgewinns durch Hirscher natürlich riesengroß. "Die Leistungen von Marcel waren einfach gigantisch. Da fehlen jedem die Worte für die Superlative. Großartig, was er geleistet hat. Dass er so lange auf so einem hohen Niveau fährt. Er hat jetzt viermal gewonnen, das ist wahnsinnig", meinte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der hervorstrich, wie sehr er auch von der Super-G-Leistung Hirschers, der in Meribel Vierter geworden war, angetan gewesen ist.

Rennsportleiter Andreas Puelacher gab zu, dass er nach dem zweiten Durchgang von Jansrud im Riesentorlauf noch einmal nervös geworden ist. "Er hat es heute noch einmal sehr spannend gemacht, weil er im zweiten Lauf gezeigt hat, was für ein Kämpfer und was für ein Athlet er ist." Als Jansrud aber dann hinter Hirscher lag, war für ihn der große Coup seines Schützlings klar. "Dass Jansrud im Slalom Zweiter geworden wäre, ist unrealistisch. Und ein großer Sportler in meinen Augen sagt auch, das tue ich mir nicht an, ich mache mich nicht lächerlich."

Viermal in Folge den Gesamtweltcup zu gewinnen, sei unglaublich, befand Puelacher. "Du musst vier Jahre fit bleiben, vier Jahre verletzungsfrei bleiben, vier Jahre Topleistungen bringen. Für mich ein Wahnsinn." Am Sonntag werde Hirscher noch einmal Vollgas geben, um sich auch noch die kleine Kristallkugel für die Slalomwertung zu sichern. "Ich hoffe, dass ich für morgen die Spannung trotzdem aufrechterhalten kann", meinte Hirscher, der 55 Zähler hinter dem Deutschen Felix Neureuther liegt.