Erstellt am 03. Juli 2015, 13:39

von APA Red

Hochalpenstraße will UNESCO-Welterbe werden. Die Großglockner Hochalpenstraße steht ab sofort unter Denkmalschutz. Es ist damit die einzige Straße Österreichs und eine der ganz wenigen in Europa, die unter Aufsicht der Denkmalschützer steht.

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Die Eigentümer streben jetzt eine Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste an. Dies könnte im Jahr 2018 erfolgen, hieß es am Freitag bei einem Pressegespräch in Salzburg.

Der Weg zur Unterschutzstellung dauerte fünf Jahre und war offenbar alles andere als einfach, weil die Straßenbetreiber anfangs keine Freude damit hatten. "Ich gebe offen zu, dass ich zu Beginn sehr skeptisch war, weil die Angst da war, dass wir uns damit enorme bürokratische Hemmnisse aufbürden", schilderte der Aufsichtsratsvorsitzende, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP).

Johannes Hörl, Geschäftsführer der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), schilderte den Knackpunkt: "Er war im dritten Jahr der Verhandlungen, als das Bundesdenkmalamt (BDA) schriftlich anerkannt hat, dass der Weg, wie wir uns seit einem dreiviertel Jahrhundert verhalten, denkmalgerecht ist."

Schließlich feilten beide Seiten an einem "Denkmalpflegeplan", in dem festgehalten wird, welche Bestandteile der 48 Kilometer langen Straße mit rund 100 Brücken und Hochbauten wie erhalten werden müssen. So dürfen etwa die typischen Steinmauern nur durch solche wieder ersetzt werden, und zwar möglichst mit den vorhandenen Steinen der Mauer.

Ein solcher Plan sei in Österreich bisher einmalig, sagte BDA-Präsidentin Barbara Neubauer. "Es sind viele, viele Details, weil es ein so kompliziertes, ein so riesiges Projekt ist. Es ist ein nationales Kulturgut von internationaler Bedeutung." Für den Straßenerhalter bringt dieses Papier den Vorteil, dass er nicht bei jeder kleinen Baumaßnahme den Denkmalschutz konsultieren muss, wenn er im Sinne der Vereinbarung agiert.

Was ist nun das Besondere an dieser Straße? Sie "ist ein durchkomponiertes Bauwerk mit einer dem Stil der Zeit folgenden Gestaltung", heißt es im Gutachten, das der Unterschutzstellung als Basis dient. "Die Einbindung der Linienführung in die Landschaft unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Straßenbaus führte zu einer einzigartigen Synthese von Technik, Kunst und Natur."

Mit der Straße hätten auch Menschen die Möglichkeit, ins Hochgebirge zu kommen, die sie sonst - etwa durch eine Gehbehinderung - nicht hätten", sagte Haslauer. Und Eberhard Stüber, viele Jahre Naturschutzbund-Obmann, bezeichnete sie als eine "Sehschule der Natur", die die Menschen in einen der bedeutendsten Nationalpark Europas bringe, in den Nationalpark Hohe Tauern.

Nun wird die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste beantragt. Die Entscheidung könnte im Sommer 2018 fallen, sagte Bernd Paulowitz, Geschäftsführer von "insitu World Heritage Consulting" in Paris. Er schätzt die Chancen für eine Aufnahme als gut ein. Denn obwohl Europa auf der Liste überrepräsentiert sei, seien sowohl technische Bauwerke als auch das 20. Jahrhundert unterrepräsentiert. "Es gibt keine vergleichbare Stätte, es ist eine Lücke."

Bisher befindet sich keine europäische Straße auf der Liste. Den Mehrwert durch diese Auszeichnung bezeichnete Haslauer als "gigantische touristische Bewerbung". Die Menschen im Pinzgau und in ganz Salzburg würden sich damit noch mehr mit der Region und dem Bundesland identifizieren. Die Großglockner Hochalpenstraße wäre neben der Salzburger Altstadt das zwei Weltkulturerbe im Bundesland Salzburg.

Die Großglockner Hochalpenstraße wurde von 1930 bis 1935 nach den Plänen des Kärntner Landesbaurats Franz Wallack errichtet und am 3. August 1935 eröffnet. Sie führt auf 48 Kilometern mit 36 Kehren von Fusch an der Glocknerstraße in Salzburg nach Heiligenblut in Kärnten und erreicht dabei eine Höhe von 2.504 Metern über dem Meeresspiegel.

Pro Jahr wird sie von 800.000 bis 900.000 Menschen befahren, womit sie im Ranking der österreichischen Tourismus-Attraktionen ganz weit oben liegt. Eigentümer sind der Bund mit 79 Prozent sowie die Länder Salzburg und Kärnten mit je 10,5 Prozent.