Erstellt am 06. Mai 2015, 09:34

von APA Red

Hochbetagte in Österreich sehr heterogene Gruppe. Hochbetagte Menschen sind in Österreich eine heterogene Gruppe. Knapp die Hälfte ist gebrechlich, etwa die Hälfte bezeichnet ihren Gesundheitszustand als "gut" bis "sehr gut". Mehr als 80 Prozent zeigen aber bereits kognitive Leistungsstörungen.

Das geht aus der ersten umfassenden Erhebung zum Thema "Gesundheit, Lebensgestaltung und Betreuung" in der Altersgruppe der 80- bis 85-Jährigen hervor.

"Veränderungen nicht ohne Folgen für Gesellschaft"

Die Studie mit 410 Probanden (260 aus Wien, 150 aus der Steiermark) von der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA) durchgeführt. Finanzierungs- und Projektpartner waren das Gesundheits- und das Sozialministerium, die Steiermark sowie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Die Informationen wurden im Rahmen von standardisierten Befragungen und Tests in quantitative rund qualitativer Hinsicht erhoben.

"Heute sind ca. fünf Prozent der europäischen Gesamtbevölkerung 80 Jahre und älter; im Jahre 2050 werden dies elf Prozent sein. Diese Veränderungen werden nicht ohne Folgen für unsere Gesellschaft bleiben", heißt es in der Einleitung zur "Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS)" mit erfolgter Datenerhebung zwischen Anfang 2013 und Mitte 2014.

Was die Experten prinzipiell gefunden haben: Es gibt eine "auffällige Heterogenität (...) bei der Betroffenheit durch altersbedingte Einschränkungen" und eine zunehmende Differenzierung im hohen Alter. Relativ groß ist die Gruppe der Menschen mit gutem Gesundheitszustand und autonomer Lebensführung.

Ein Alter von "80plus" bedeutet in Österreich noch lange nicht, dass das Leben von Defiziten in physischer, psychischer oder sozialer Hinsicht dominiert wird. Immerhin sind 79,2 Prozent der Befragten mit ihrer Lebenssituation zufrieden.

Über 90 Prozent der 80-Jährigen mit chronischer Krankheit

In Sachen Gesundheit gibt es relativ gutes Bild. 54,4 Prozent der 80- bis 85-Jährigen weisen einen guten Gesundheitszustand (13,7 Prozent sehr gut, 40,7 Prozent gut) auf. Einen relativ labilen Allgemeinzustand mit funktionalen Einschränkungen haben 36,3 Prozent.

Als gebrechlich mit gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen sind 9,3 Prozent zu betrachten. Einen sehr guten oder guten Gesundheitszustand haben in der Altersgruppe noch 64,2 Prozent der Männer, hingegen nur 47,2 Prozent der Frauen.

Allerdings sind zwischen 80 und 85 Jahren bereits 92,4 Prozent der Menschen von zumindest einer chronischen Krankheit betroffen. An der Spitze ist da der Bluthochdruck mit 53,4 Prozent. Dann kommen Harninkontinenz (34,1 Prozent) und Herzkrankheiten (31,2 Prozent). 18,8 Prozent der Probanden gaben an krebskrank zu sein oder es gewesen zu sein. 18,3 Prozent sind Diabetiker, 29 Prozent leiden an Rheuma oder Gicht.

In einem Jahresquartal gehen 74,6 Prozent der Betagten zumindest einmal zum Arzt. 11,2 Prozent suchen den Arzt gar fünf bis zehn Mal auf (mehr als zehn Mal: 6,3 Prozent). Am häufigsten (31,5 Prozent) sind ein bis zwei Arztbesuche in drei Monaten. Mit mehr als fünf einzunehmenden Medikamenten fallen 41,4 Prozent der Probanden unter die Gruppe der von Polypharmazie betroffenen Personen. 12,4 Prozent haben mehr als zehn Medikamente ärztlich verordnet bekommen (29 Prozent: sechs bis zehn; 31 Prozent: drei bis fünf).