Erstellt am 11. Januar 2015, 16:29

von APA Red

Hunderttausende gedachten Anschlagsopfer. In einer der größten Kundgebungen in der französischen Geschichte haben am Sonntag Hunderttausende Menschen in Paris der Opfer der islamistischen Anschläge der vergangenen Woche gedacht.

Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP waren es landesweit mehr als 2,5 Millionen Menschen. Auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs gedachten in Paris der Opfer. Der Platz der Republik im Stadtzentrum war lange vor Beginn des Gedenkmarsches überfüllt.

Hollande: "Unser ganzes Land wird aufstehen"

Angeführt wurde der Gedenkzug vom französischen Staatspräsidenten Francois Hollande. "Paris ist heute die Hauptstadt der Welt", sagte er in einer Kabinettssitzung vor Beginn des "Republikanischen Marschs". "Unser ganzes Land wird aufstehen und sich von seiner besten Seite zeigen."

An Hollandes Seite waren unter anderem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen - alle in schwarz gekleidet.

Insgesamt hatten sich 44 Staats- und Regierungschefs angesagt, unter ihnen der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, sowie UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon. Österreich war durch Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), Außenminister Sebastian Kurz und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP) vertreten.

Die meisten Staats-und Regierungschefs verließen die Kundgebung nach einer Viertelstunde wieder. Hollande blieb an Ort und Stelle.

"Zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben"

Das französische Fernsehen sprach von der größten Kundgebung in Paris seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. "Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben" sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. "Im Gegenteil sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen".

Auf einem handgeschriebenen Plakat war ein Zitat von Thomas Jefferson zu lesen: "Unsere Freiheit beginnt mit der Freiheit der Presse".

Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten hieß es: "Freiheit - Wir sind deinetwegen hier" oder "Charlie Akbar" - in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis "Allah ist groß".

Auch abseits des zentralen Gedenkmarschs in Paris gingen am Sonntag erneut Hunderttausende Franzosen gegen Extremismus auf die Straße gegangen. Landesweit nahmen nach Polizeiangaben mehr als 380.000 Menschen an Kundgebungen teil. Allein in Lyon versammelten sich demnach mindestens 150.000 Menschen, während in Marseille, Rennes und Saint-Etienne jeweils rund 60.000 Bürger zusammenkamen, um ein Zeichen gegen religiösen Fanatismus zu setzen.

Europaweite Gedenken an die Terror-Opfer

Laut Polizei beteiligten sich in Perpignan rund 40.000 Menschen an einer Kundgebung zu Ehren der 17 Getöteten. In dem 8.000-Einwohner-Ort Dammartin-en-Goele nordöstlich von Paris, wo sich die beiden Attentäter nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" am Freitag in einer Druckerei verschanzt hatten, zogen etwa 10.000 Menschen durch die Straßen.

Nicht nur in Frankreich wurde der Opfer der islamistischen Anschlagsserie in Paris gedacht. Auch in Wien, Berlin, Madrid, London, Brüssel und vielen weiteren Großstädten solidarisierten sich Tausende Menschen.

Fast zeitgleich wurde im Internet ein Bekennervideo eines der Attentäter veröffentlicht. Darin erklärt Amedy Coulibaly, die Anschläge auf das Satire-Blatt "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt seien koordiniert geplant worden. Er meinte, die Attentate seien wegen der französischen Militärinterventionen im Ausland gerechtfertigt.

Bei dem Angriff Coulibalys auf den Supermarkt waren vier Geiseln getötet worden. In dem Video erklärte er, er arbeite mit den Brüdern Said und Cherif Kouachi zusammen, die beim Überfall auf die "Charlie"-Redaktion zwölf Menschen erschossen.

"Wir haben einige Dinge zusammen gemacht, einige unabhängig voneinander, um mehr Wirkung zu erzielen", sagt Coulibaly. In Kreisen der französischen Anti-Terrorpolizei hieß es, es gebe keine Zweifel an der Echtheit des Videos. In dem Video bekennt sich Coulibaly, der auch für die Ermordung einer Polizistin verantwortlich gemacht wird, zur IS-Miliz und ruft alle Muslime in Frankreich auf, seinem Beispiel zu folgen.