Erstellt am 11. März 2016, 11:43

Hundstorfer verteidigte Flüchtlingskurs. Nach dem ungeplant turbulenten Auftakt inklusive Pfiffen für Kanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann hat die Wiener SPÖ am Freitag ihre Klubtagung fortgesetzt.

 |  NOEN, APA (Hochmuth)

Am Vormittag trat der rote Bundespräsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer ans Rednerpult. Auch er verteidigte die Flüchtlingspolitik der Regierung. Der Protest blieb diesmal aus.

Hundstorfer enterte unter kräftigem Applaus die Bühne des Veranstaltungszentrums "Colosseum XXI" in Floridsdorf. "Allen ist klar, dass Österreich und ein paar andere Länder nicht alle Flüchtlinge aufnehmen können", sagte der Präsidentenaspirant. Die Regierung, deren Mitglied Hundstorfer bis vor kurzem als Sozialminister war, habe etwas tun müssen: "Sie hat mit dem Richtwert (der nach ÖVP-Diktion eine Obergrenze ist, Anm.) ein Signal nach innen und außen gesetzt. Und sie hat richtig gehandelt."

"Das ist keine Frage von links oder rechts, sondern eine Frage der Möglichkeiten, der Verantwortung und der Humanität - für die Schutzsuchenden genauso wie für die gesamte Gesellschaft", argumentierte der SPÖ-Kandidat. Er bekräftigte sogleich, dass man in Sachen Flüchtlinge tragfähige Lösungen finden müsse.

Lautstarke kritische Stimmen, wie sie Faymann am gestrigen Donnerstag durch fünf junge Aktivisten mittels Trillerpfeifen und Plakaten entgegengeschlagen waren, blieben heute aus. Hundstorfer wurde lautstark bejubelt.

Er bekräftigte, dass er als Bundespräsident überparteilich agieren und sich für Zusammenhalt einsetzen wolle: "Ich möchte das Land nicht den Populisten überlassen. Populismus mag gut sein für die Schlagzeile von heute, aber liefert keine Lösungen von Problemen." Außerdem wolle er gegen jene auftreten, "die nicht davor zurückschrecken, jene, die Hilfe brauchen, gegeneinander auszuspielen", verwies er auf die Kürzungsdebatten bei der Mindestsicherung.

Für den Ex-Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen, der offiziell als unabhängiger Kandidat in die Hofburg kommen will, hatte Hundstorfer ebenfalls eine Spitze übrig: "Im Gegenteil zu anderen Kandidaten werde ich meine Heimat in keiner Sekunde verleugnen."

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) pries Hundstorfer nach dem Auftritt in den höchsten Tönen. "Wir brauchen Leute, die sowohl gesellschaftspolitisch als auch sozial die Gesellschaft zusammenhalten", stellte er in einer Pressekonferenz klar. Dies sei immer das Lebensmotto Hundstorfers gewesen. Der habe sich stets auch als krisenfest erwiesen - etwa bei der ÖGB-Krise: "Wenn ein bisschen ein schärferer Wind weht, da flattert nichts." Häupls Fazit: "Ich halte ihn für den besten Kandidaten."

Die rote Klubtagung, die dieses Jahr ausnahmsweise nicht im burgenländischen Rust stattfindet, läuft noch bis zum heutigen Mittag. Neben Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger wird - als Schlusspunkt - noch Kultur- und Sportstadtrat Andreas Mailath-Pokorny den Genossen einen Überblick über das Arbeitsprogramm des jeweiligen Ressorts liefern.