Erstellt am 10. Juni 2015, 13:43

von APA/Red

Hypo-U-Ausschuss - Früherer Controller dachte an Konkurs. Die erste Auskunftsperson im Hypo-U-Ausschuss, Bojan Grilc, früher Controller in der Consultants-Holding der Skandalbank und später auch in der Kärntner Landesholding, hat am Mittwoch zu Beginn seiner Befragung gemeint, seine persönliche Ansicht 2009 sei gewesen, dass der Hypo ein Konkurs ins Haus stehe.

Ehemaliger Hypo-Mitarbeiter Bojan Grilc vor dem Ausschuss  |  NOEN, APA

Den Vorschlag habe er schon weit vorher, "meine Analyse war schon im 2006er-Jahr", genannt.

Das sagte Grilc unter anderem in der Erstbefragung durch den Verfahrensrichter Walter Pilgermair. Für die Hypo Bank habe 2006 keine rosige Zukunft gesehen werden können. "Ich bin oft belächelt worden, aber das war so", so Grilc.

Grilc: "Vorher praktisch kein Controlling"

Bei jeder Kapitalerhöhung nach seinem Eintritt in die Kärntner Landesholding, die die Landesanteile an der früheren Hypo Alpe Adria verwaltete, habe Grilc den Pleitegedanken gegenüber seinen Vorgesetzten in der Landesholding geäußert. Damals hießen die KLH-Vorstände Gerd Xander und Hans Jörg Megymorez, die später etwa in der Birnbacher-Causa zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Als er, Grilc, im Mai 2005 in die Hypo als Controlling-Chef für die Beteiligungen gekommen sei, habe praktisch kein Controlling existiert. Durch Einreden auf seine Vorgesetzten habe eines eingeführt werden können. Mit dem Verkauf der skandalträchtigen Hypo-Consultinggruppe sei seine Tätigkeit beendet gewesen, sagte Grilc.

Bevor er als Controller in die Landesholding kam, war Grilc zwischendurch auch für die vom Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger 2006 gegründete eigene Firma Rubicon tätig. Diese war oftmalig als Interessentin für den Kauf der Consultants-Gruppe der Hypo genannt.

Käufer war am Ende die "Auctor d.o.o. Croatia". Kritisiert wird, dass die Rosinen verkauft wurden, während die faulen Kredite in der Hypo verblieben und somit schlussendlich auch beim Steuerzahler hängen blieben.

Skurriler Dialog zwischen Grilc und Lugar

Im Hypo-U-Ausschuss ist es am Mittwoch auch zu Gelächter im Saal gekommen. Grund war ein recht skurriler Dialog zwischen der Auskunftsperson Bojan Grilc mit Team-Stronach-Mandatar Robert Lugar - weil Grilc einmal persönlich erstellte Unterlagen über die Hypo-Consultants verbrannt hatte.

Lugar brachte die Auskunftsperson zur Aussage, dass ihm seine Ehefrau 2011 "Wahnsinn" attestiert hatte, als er Unterlagen zur Hypo Consultants verbrannte. Lugar meinte darauf bezogen, "auf Wellenlänge" mit Grilc' Ehefrau zu sein. Die Unterlagen seien schließlich strafrechtlich relevant, glaubte Lugar.

Niemand habe die Unterlagen haben wollen, so Grilc, also habe er sie verbrannt. "Meine Frau hat mich dann gefragt, ob ich wahnsinnig bin." So würden Ehestreitigkeiten halt zwischendurch einmal ablaufen. Jedenfalls hatte Grilc die Unterlagen in seiner Zeit bei den Hypo Consultants erstellt. Diese Unterlagen samt Erläuterung seinerseits seien 2011 aber von einer Person aus dem Hypo-Umfeld nicht gewünscht worden, also habe er sie samt einem USB-Stick verfeuert.

Er selbst habe die Unterlagen schließlich nicht gebraucht, so Grilc, der das "auch schon 125 Mal ausgesagt" habe - beim Polizeiverhör. "Das sind meine Unterlagen. Nachdem sie keiner haben möchte, brauche ich sie zu Hause auch nicht", so die Auskunftsperson.

Grün-Mandatar Werner Kogler hat am Mittwoch im Hypo-U-Ausschuss die Aktenlage kritisiert. Wenn man "mutig" gewesen wäre, hätte die parlamentarische Untersuchung "überhaupt erst jetzt beginnen dürfen, wegen massiven Lücken in den Unterlagen, obwohl sämtliche Mitarbeiter laufend stöbern", so der Oppositionspolitiker.

Der bisherige Ausschuss sei nicht so gelaufen, wie es im Sinne der Reform sein hätte sollen.