Erstellt am 11. September 2016, 06:47

von APA Red

Rund 100 Zivilisten bei Luftangriffen in Syrien getötet. Bei mehreren Luftangriffen auf Rebellengebiete im Norden Syriens sind nach Angaben von Beobachtern insgesamt rund 100 Zivilisten getötet worden.

 |  APA/dpa/ag.

Ziele der Angriffe am Samstag waren nach Angaben von Aktivisten die Städte Idlib und Aleppo. Bei den Syrien-Gesprächen in Genf hatten sich die USA und Russland zuvor auf die Waffenruhe für das Bürgerkriegsland verständigt.

Viele Verletzte in kritischem Zustand

In der umkämpften Stadt Aleppo seien mindestens 42 Menschen bei Bombardierungen durch Kampfflugzeuge gestorben, sagte ein Sprecher der lokalen Hilfsorganisation Weißhelme am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Unter den Opfern seien auch mehrere Kinder.

Viele Verletzte seien noch in einem kritischen Zustand. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, starben in der Stadt Idlib zudem mindestens 58 Zivilisten. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Angaben aus einem Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Unklar war zunächst auch, welche Luftwaffe die Angriffe flog. Auch in Aleppo wurden bei Luftangriffen laut Beobachtungsstelle mindesten zwölf Zivilisten getötet, in der gleichnamigen Provinz starben weitere 18 Menschen.

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten sich am Freitagabend nach Marathonverhandlungen auf eine Waffenruhe für das Bürgerkriegsland verständigt, die am Montag, dem Beginn des muslimischen Opferfestes Aid al-Adha, in Kraft treten soll.

Die USA und Russland unterstützen in Syrien bisher entgegengesetzte Seiten. Während Moskau ein enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad ist, unterstützt Washington bewaffnete Assad-Gegner. Ein Waffenstillstand, den die Konfliktparteien im Februar auf Vermittlung der USA und Russlands vereinbart hatten, war nie vollständig eingehalten worden.

Die syrische Regierung "billigte" die Waffenruhe, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. In der umkämpften Großstadt Aleppo würden die Kampfhandlungen "aus humanitären Gründen" eingestellt, hieß es.

Seit 2011 über 290.000 Menschen getötet

Das Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Opposition erklärte am Samstag auf seiner Internetseite, es habe den "offiziellen Text" der Vereinbarung noch nicht erhalten. Sobald dieser vorliege, würden die Einzelheiten geprüft. Die HNC-Sprecherin Bassma Kodmani hatte sich zuvor vorsichtig optimistisch geäußert. Die Einigung sei hoffentlich "der Anfang vom Ende des Leidenswegs der Zivilisten".

Der Vereinbarung zufolge müssen sich die Regierungstruppen rund um Aleppo zurückziehen und humanitären Helfern Zugang gewähren. Russland muss Assads Truppen zudem davon überzeugen, die Rebellengebiete nicht länger zu bombardieren. Jihadistengruppen wie der Islamische Staat (IS) oder die Fateh-al-Sham-Front, die frühere Al-Nusra-Front, sollen allerdings weiterhin bekämpft werden. Im Gegenzug müssen die USA die mit ihnen verbündeten Rebellengruppen dazu bringen, nicht mehr mit der Fateh-al-Sham-Front zu kooperieren.

Wird die Vereinbarung eine Woche lang " in vollem Umfang" eingehalten, wollen die USA mit dem russischen Militär kooperieren, wie Kerry ankündigte. Lawrow sagte, beide Seiten würden künftig ihre Luftangriffe auf "Terroristen" koordinieren. Er kündigte dazu die Einrichtung einer gemeinsamen Einsatzzentrale an.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, begrüßte die Vereinbarung als "Chance" für eine Beendigung des Konflikts. In dem seit Frühjahr 2011 andauernden syrischen Bürgerkrieg wurden mehr als 290.000 Menschen getötet und die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben.