Erstellt am 02. März 2015, 13:09

von APA/Red

Kerry und Lawrow erörtern Ukrainekonflikt. US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow haben einander am Montag in Genf zu Gesprächen über den Ukraine-Konflikt getroffen.

Die USA verlangen überdies Aufklärung zur Ermordung des Kreml-Kritikers Boris Nemzow, der am Freitagabend in Moskau erschossen wurde. Im Ostukraine-Konflikt kamen unterdessen nach UNO-Einschätzung bisher mehr als 6.000 Menschen ums Leben.

Zusammenkunft in angespannter Atmosphäre

Die Zusammenkunft in einem Genfer Hotel fand in angespannter Atmosphäre statt. Kerry hatte russischen Regierungsvertretern kürzlich vorgeworfen, "ihm direkt ins Gesicht zu lügen." Ein US-Regierungsvertreter sagte Journalisten an Bord von Kerrys Flugzeug auf dem Weg nach Genf, der Außenminister habe sich damit auf die "russische Propagandamaschinerie" bezogen. Moskaus Äußerungen zum Konflikt in der Ostukraine "widersprechen den Fakten vor Ort", sagte er.

Die USA werfen Russland vor, die prorussischen Rebellen zu unterstützen, Moskau weist das zurück. Washington erwägt wegen des wiederholten Bruchs der Waffenruhe, seine Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Überschattet wird das Treffen der Außenminister von der Ermordung des Kreml-Kritikers Nemzow. Kerry forderte bereits am Sonntag eine "gründliche und transparente" Untersuchung des Verbrechens.

Unmittelbar vor dem Treffen der beiden Außenminister veröffentlichten die Vereinten Nationen einen neuen Bericht über die Kämpfe in der Ostukraine. Demnach wurden in dem monatelangen Konflikt bereits mehr als 6.000 Menschen getötet. Die Kämpfe hätten zu einer "schonungslosen Zerstörung" ziviler Leben und der Infrastruktur geführt, erklärte UNO-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein.

Binnen 24 Stunden kein ukrainischer Soldat getötet

Der eingeleitete Abzug schwerer Waffen und die weitgehende Einhaltung der Waffenruhe hatten zuletzt Hoffnungen auf eine Deeskalation genährt. Am Montag war die Lage in den umkämpften Gebieten zunächst relativ ruhig. Die Regierung in Kiew teilte am Sonntag mit, binnen 24 Stunden sei kein ukrainischer Soldat getötet worden.

Nach Einschätzung der UNO kamen im Konflikt in der Ostukraine bisher mehr als 6.000 Soldaten und Zivilisten ums Leben. Gerade die Kämpfe unmittelbar vor Inkrafttreten der jüngsten Waffenruhe hätten Hunderte Menschenleben gefordert, erklärte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, am Montag in Genf.

Der aktuelle Bericht zur Menschenrechtslage in der Ostukraine zeige "ein Bild gnadenloser Zerstörung des Lebens von Zivilisten und der Infrastruktur." Besonders Frauen, Kinder, Ältere und Schwache litten unter den unhaltbaren Zuständen.

Alle Verletzungen der Menschenrechte müssten gründlich untersucht und die Täter angeklagt werden, forderte der UNO-Hochkommissar vor Beginn der Frühjahrssitzung des UNO-Menschenrechtsrats. Zum Auftakt der vierwöchigen Debatten werden Außenminister und andere hohe Vertreter zahlreicher Staaten erwartet. Im Mittelpunkt der Beratungen wird auch die Lage im Irak und in Syrien stehen.