Erstellt am 18. Juni 2014, 18:38

von APA/Red

Irak bat USA offiziell um Luftangriffe gegen ISIS. Die irakische Regierung hat die USA offiziell gebeten, sie im Kampf gegen die ISIS-Jihadisten mit Luftangriffen zu unterstützen.

Bagdad habe gemäß einem Sicherheitsabkommen zwischen den beiden Ländern um "Luftschläge gegen die Terroristengruppen" angesucht, sagte der irakische Außenminister Hoshjar Sebari am Mittwoch im saudi-arabischen Jeddah.

Die Jihadisten im Irak hatten zuvor ihre Offensive ausgeweitet und die größte Raffinerie des Landes in Baiji angegriffen. Die Jihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) hatte vergangene Woche in einer Blitzoffensive Mossul und die umliegende Provinz Ninive sowie Teile der angrenzenden Provinzen in ihre Gewalt gebracht. Vielerorts zog sich die Armee kampflos zurück, zahlreiche Soldaten desertierten.

Rohani will "Terroristen in ihre Schranken weisen"

Unterdessen droht der Iran in den Krieg im benachbarten Irak einzugreifen. Das Land werde nicht zögern, heilige Stätten des Islam zu verteidigen, sagte Präsident Hassan Rohani am Mittwoch in einer live im TV übertragenen Rede. Es hätten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, um "die Terroristen in ihre Schranken zu weisen". Der Iran ist die regionale Schutzmacht der Schiiten, die Bevölkerungsmehrheit im Irak.

Der iranische Präsident sprach von "Mördern und Terroristen", gegen die es heilige Stätten in irakischen Orten wie Kerbala, Najaf und Samarra zu verteidigen gelte. Noch am Samstag hatte Rohani erklärt, die Teheraner Regierung habe keine Truppen in den Irak geschickt und werde dies sehr wahrscheinlich auch nie tun. Westliche Diplomaten gehen dagegen davon aus, dass der Iran Militärberater der Elite-Einheit der Revolutionären Garden ins Nachbarland entsandt hat.

Saudi-Arabien warnt vor Einmischung

Rohanis Äußerungen riefen umgehend den Erzfeind Irans in der Region, das sunnitische Machtzentrum Saudi-Arabien, auf den Plan. Außenminister Prinz Saud al-Faisal warnte vor einer internationalen Einmischung in den Konflikt. Die legitimen Forderungen des Volkes und der Wunsch nach nationaler Einheit müssten erfüllt werden, ohne dass die politische Agenda von außen bestimmt werde.

Indien und die Türkei wiederum gingen Berichten nach, denen zufolge aus diesen Ländern stammende Bauarbeiter im Irak verschleppt wurden. Unter den Entführten sollen auch Turkmenen und Nepalesen sein, ebenso wie Pakistani. Bewaffnete sollen einen Autokonvoi mit flüchtenden Facharbeitern angehalten haben. Iraker aus dem Konvoi wurden freigelassen, die Ausländer gefangen genommen.

Die sunnitische ISIS-Organisation hat in der vergangenen Woche große Teile des Nordiraks erobert. Nun verbinden sie dieses Gebiet mit dem von ihnen kontrollierten Territorium in Syrien und wollen einen Kalifat-Staat gründen. Im Kern handelt es sich bei der aktuellen Irak-Krise aber auch um eine Zuspitzung des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen den beiden im Irak vertretenen Glaubensrichtungen des Islam: Während die Minderheit der Sunniten bis zum Sturz von Ex-Machthaber Saddam Hussein bei der US-Invasion vor gut elf Jahren in dem Land das Sagen hatte, sorgt die Regierung unter dem Schiiten Nuri al-Maliki nun unter den Sunniten für Unzufriedenheit.