Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:36

von APA Red

Christen feiern Vertreibung des IS aus Qaraqosh. Hunderte Christen aus der Stadt Qaraqosh haben den Einsatz der irakischen Regierungstruppen zur Befreiung ihres Heimatorts von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefeiert.

Die Freude bei den Menschen ist groß  |  APA/ag.

"Heute ist ein glücklicher Tag. Es gibt keinen Zweifel, dass unsere Heimat befreit wird, und wir danken Gott, Jesus Christus und der Jungfrau Maria", sagte einer der Feiernden, Hasem Jeju Cardomi, am Dienstag in Erbil.

Die Regierungstruppen hatten zuvor mehrere Viertel von Qaraqosh zurückerobert. Die Stadt 15 Kilometer südöstlich von Mosul wurde seit August 2014 von den Jihadisten kontrolliert. Es ist unklar, ob sich noch IS-Kämpfer in der Stadt befinden. Vor der Blitzoffensive der IS-Miliz im August 2014 lebten rund 50.000 Menschen in Qaraqosh, die meisten von ihnen Christen, doch zwang der Vormarsch der sunnitischen Extremistengruppe praktisch alle Einwohner zur Flucht.

Qaraqosh war die größte christliche Stadt des Irak. George Jahola, ein christlicher Flüchtling aus Qaraqosh, sagte bei den Feiern in Erbil, auch wenn ihre Häuser zerstört seien, wollten die Einwohner in ihre Heimatstadt zurückkehren. Die irakische Armee hatte in der Nacht auf Montag mit der Unterstützung kurdischer und schiitischer Milizen eine seit langem erwartete Großoffensive zur Rückeroberung von Mosul gestartet. Es wird aber ein langwieriger Kampf um die Großstadt erwartet.

Die USA rechnen unterdessen mit einem Einsatz von Chemiewaffen durch den IS im Kampf um die nordirakische Stadt Mosul. Anfang Oktober sei Senfgas auf einem von IS-Kämpfern abgefeuerten Geschoß gefunden worden, berichtete ein US-Regierungsvertreter. Man gehe davon aus, dass die Jihadisten "primitive" Chemiewaffen einsetzen werden.

Allerdings dürfte es dem IS noch nicht gelungen sein, chemische Waffen mit tödlicher Wirkung zu entwickeln, sagte ein weiterer Regierungsvertreter. Senfgas kann zu Schädigungen an Haut und Lunge führen, ist in geringen Dosen aber nicht tödlich. Auch Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Internationale Organisation für Migration (IOM) stellen sich auf den Einsatz von Chemiewaffen ein. So kündigte der IOM-Chef im Irak, Thomas Weiss, die Beschaffung von Gasmasken an. Das Rote Kreuz bereitet sich darauf vor, Opfer von Chemiewaffen zu behandeln.