Erstellt am 01. Oktober 2014, 16:04

von APA Red

IS steht vor Kobane: Erste britische Luftangriffe. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat seit ihrem Vormarsch auf die Kurdenenklave Kobane über 300 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht.

Insgesamt seien 325 Ortschaften innerhalb der letzten beiden Wochen von der Miliz eingenommen worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Im Irak flog unterdessen Großbritannien erstmals auch Luftangriffe.

"Die Kämpfer können sich sehen"

Bei Kämpfen zwischen Kurden und Jihadisten um die syrische Grenzstadt Kobane sind nach Angaben von Aktivisten in der Nacht zum Mittwoch zehn Menschen getötet worden. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge starben neun kurdische Kämpfer sowie ein Mitglied der Gruppe Islamischer Staat (IS). Die IS-Kämpfer waren zuletzt bis auf wenige Kilometer auf die kurdisch geprägte Stadt an der Grenze zur Türkei vorgerückt.

Die IS-Miliz steht mittlerweile im Osten, Süden und Westen vor der Stadt, im Norden grenzt die Enklave, die bisher von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wird, an die Türkei. Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtergruppe rückte die Terrormiliz bis auf zwei Kilometer an Kobane heran. Zwischen den Stellungen der IS und der Kurden liege nur noch ein freies Feld, berichtete deren Leiter Rami Abdel Rahman. "Die Kämpfer können sich sehen."

Nach Angaben der Beobachtungsstelle bombardierten die USA und ihre arabischen Verbündeten am Dienstag IS-Stellungen in zwei Dörfern im Umkreis der Stadt. Die Extremisten selbst haben Kobane seit dem Wochenende wiederholt mit Artillerie beschossen.

Entführte Schüler wieder frei

IS-Einheiten rückten zudem auf das Grabmal von Süleyman Schah am Euphrat vor, das gemäß einem Abkommen aus dem Jahr 1921 türkisches Territorium ist und von einer Gruppe türkischer Soldaten bewacht wird. Berichte, wonach diese von der IS gefangen genommen wurden, dementierte der türkische Vize-Premier Bülent Arinc am Dienstagabend.

Erfreuliche Nachrichten gaben die Eltern von rund 70 im Mai in Aleppo entführten kurdischen Schülern bekannt. Ihre Kinder im Alter von 13 bis 15 Jahren seien wieder frei, zitierte die Beobachtungsstelle die Eltern. Die Entführten waren Teil von insgesamt 153 Schülern, gut 40 von ihnen wurden unmittelbar nach ihrer Geiselnahme wieder freigelassen, rund 30 Jugendliche würden sich weiterhin der Gewalt des "Islamischen Staates" befinden.

Unterdessen hat sich auch Großbritannien erstmals aktiv in den Konflikt eingemischt. Britische Kampfflugzeuge haben erstmals Stellungen der Terrormiliz im Irak angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mitteilte, bombardierten Tornado-Maschinen am Dienstag erstmals IS-Stellungen, um kurdische Kämpfer im Norden des Landes zu unterstützen.

Kurdische Einheiten vertrieben die IS-Miliz zudem aus mehreren Orten im Nordirak. Die Kurden setzten dabei auch schwere Waffen ein, die ihnen vom Westen geliefert worden waren, wie die irakische Nachrichtenseite Al-Mada berichtete.

Obama traf sich mit Nationalem Sicherheitsrat

In der irakischen Hauptstadt Bagdad starben in einer der schwersten Anschlagswellen seit Beginn der US-Militärintervention vergangenen Monat mindestens 35 Menschen, zahlreich wurden verletzt. In mehreren, vorwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln detonierten Autobomben und Granaten. Bei der Anschlagswelle handelt es sich um eine der gewaltsamsten in der irakischen Hauptstadt. Zur Einschüchterung der Bevölkerung in Syrien enthauptete IS nach Angaben einer oppositionsnahen Beobachtergruppe zehn Menschen. Unter den Toten seien fünf kurdische Kämpfer und vier arabische Rebellen, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. Zudem sei ein kurdischer Zivilist hingerichtet worden.

Ebenfalls am Dienstag traf sich US-Präsident Barack Obama mit dem Nationalen Sicherheitsrat, um über Fortschritte im Krieg gegen IS zu sprechen. Obama wurde dabei auch über die Erfolge der US-Angriffe in Syrien und dem Kampf gegen die Khorasan-Gruppe informiert, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs auf Kobane Truppen an der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Sabah". Die Panzer hätten 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen.

Türkei will Militärstützpunkte zur Verfügung stellen

Die Regierung in Ankara legte am späten Dienstag dem Parlament eine Resolution für ein militärisches Eingreifen im Irak und in Syrien vor. An der Landgrenze im Süden der Türkei gebe es einen ernsthaften Zuwachs von Risiken und Bedrohungen, die die nationale Sicherheit wegen der jüngsten Entwicklungen in der Region bedrohten, heiße es in der Begründung des Antrags, die von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu unterzeichnet worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Mittwoch.

Zudem will die türkische Regierung ihre Militärstützpunkte auch anderen Ländern zur Verfügung stellen. Dies geht aus einem Antrag der Regierung hervor, über den das türkische Parlament am Donnerstag beraten soll. Ob die Türkei allerdings auch mit einem Bodeneinsatz in die Kämpfe eingreifen wird, ist mehr als fraglich.

Beispiellose Anklageerhebung gegen Soldaten in Spanien

Frankreich verstärkt seinen Militäreinsatz im Kampf gegen die Jihadistenmiliz IS im Nordirak. Dies habe Staatspräsident Francois Hollande entschieden, teilte der Elysee-Palast am Mittwoch mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Der Einsatz solle umfassend und schlagkräftig sein, "um die gesetzten Ziele zu erreichen." Seit Mitte September beteiligen sich französische Kampfflugzeuge an US-geführten Luftangriffen auf die Stellungen der Terrormiliz.

Wegen Misshandlung von Gefangenen im Irak müssen fünf spanische Soldaten sich vor einem Militärgericht verantworten. Wie die Zeitung "El Pais" am Mittwoch weiter berichtete, drohen den Angeklagten nach den militärischen Strafgesetzen zehn bis 25 Jahre Haft. Die Anklageerhebung sei in der jüngeren Geschichte Spaniens ohne Beispiel.