Erstellt am 21. Juni 2014, 12:42

von APA Red

ISIS nahm wichtigen Grenzübergang ein. Kämpfer der islamistischen ISIS-Miliz haben laut Sicherheitskreisen im Irak einen wichtigen Grenzposten zu Syrien eingenommen.

Zunächst seien die sunnitischen Milizen in die Stadt al-Kaim nahe der Grenze eingerückt und hätten die Sicherheitskräfte verjagt, hieß es am Samstag. Als die einige Kilometer entfernt stationierten Grenztruppen vom Fall der Stadt erfahren hätten, seien sie geflüchtet.

ISIS-Kämpfer haben offenbar die Stellungen der Grenztruppen übernommen. Durch die Eroberung des Grenzpostens und der Stadt - die an einer der einzigen großen Straßenkreuzung weit und breit im Euphrattal liegt - kann die Extremistengruppe nunmehr unbehindert Waffen zwischen den Teilen des Irak und Syriens verschieben, die sie kontrolliert. Die Straße zwischen Ramadi und Faluja nahe Bagdad entlang des Euphrat nach Deir al-Zor ist eine von nur zwei leistungsfähigen Verbindungen zwischen Syrien und dem Irak.

Die sunnitischen ISIS-Kämpfer eroberten in den vergangenen eineinhalb Wochen weite Teile des Nordirak. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen. Auf der syrischen Seite der Grenze - in der ölreichen Provinz Deir al-Zor - kämpft ISIS derzeit gegen die ebenfalls radikal-islamische Al-Nusra-Front um die Kontrolle von Gebieten, die zwischen ihren Hochburgen im irakischen Anbar und im syrischen Raqqa liegen.

Die Kämpfe dauerten am Samstag im übrigen Irak weiter an. Dabei kamen rund um die Stadt Tikrit Dutzende Menschen ums Leben. Wie die Nachrichtenagentur dpa von Medizinern der 180 Kilometer nördlich von Bagdad entfernten Stadt erfuhr, wurden mindestens 84 Personen getötet - viele von ihnen seien Angehörige von Armee und Polizei.

Bei Kämpfen in der irakischen Region Kirkuk sind unterdessen interne Konflikte zwischen sunnitischen Aufständischen in offene Gewalt mit mehreren Toten umgeschlagen. Kämpfer der ISIS und der Yaish al-Tarika al-Nakshbandia (YRTN) richteten in Hawiya die Waffen aufeinander, dabei wurden laut Sicherheitskreisen am Samstag 17 Menschen getötet. Die Gründe des Gewaltausbruchs waren zunächst unklar

Der Iran hat indes kritisch auf die Pläne von US-Präsident Barack Obama im Irak reagiert. "Die Äußerungen Obamas zeigen, dass die USA nicht entschlossen genug im Kampf gegen den Terrorismus im Irak sind", sagte Vizeaußenminister Amir Abdullahian nach Angaben staatlicher Medien am Samstag.

Für den Irak sollte in erster Linie eine diplomatische Lösung gefunden werden. Dazu müssten die Regierung und die nationale und religiöse Einheit des Landes gestärkt werden. Die Erwägungen Obamas würden nur zu mehr sektiererischen Spannungen führen, so die Einschätzung des Vizeministers.

Die USA hoffen übrigens nach dem Beschluss zur Entsendung von rund 300 Soldaten als Militärberater in den Irak auf einen möglichst kurzen Einsatz. "Wir führen amerikanische Truppen nicht für einen langen Aufenthalt zurück in den Irak, und sicherlich nicht, um an Kampfhandlungen teilzunehmen", sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Freitag.