Erstellt am 16. Februar 2015, 06:58

von APA/Red

IS-Jihadisten enthaupteten in Libyen 21 koptische Christen. Die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) hat in Libyen 21 ägyptische koptische Christen enthauptet. Der IS veröffentlichte am Sonntag im Internet ein Video, das die Tötung mehrerer Geiseln an der Küste in der libyschen Hauptstadt Tripolis zeigt.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi berief das Sicherheitskabinett ein. Die USA und die UNO verurteilten die Gräueltat.

Die koptisch-orthodoxe Kirche bestätigte die Ermordung von 21 Christen durch die Terrormiliz IS. Demnach waren die koptischen Christen als Gastarbeiter in Libyen und "gerade auf dem Heimweg nach Ägypten, als ihr Bus von den Terroristen aufgehalten wurde", bestätigte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, der "Bild"-Zeitung (Montag).

"Zuerst dachten wir an eine Entführung"

Die Terroristen verlangten demnach die Ausweise der Gastarbeiter, zwangen die Kopten zum Aussteigen. "Zuerst dachten wir an eine Entführung, doch eine Lösegeld-Forderung wurde nie gestellt", so Bischof Damian weiter. Angehörige der ägyptischen Kopten, deren Religion in ägyptischen Ausweisen vermerkt ist, wandten sich darauf an die ägyptische Regierung, baten um Hilfe.

"Wir wollten, dass diesen Menschen geholfen wird - doch die Behörden taten nichts. Und jetzt wurden diese Menschen getötet, nur weil sie Christen sind", sagte der Bischof. Islamisten verfolgten die Kopten in der Region bereits seit Jahren mit extremer Gewalt. "Männer werden systematisch gesucht, verfolgt, ermordet! Unsere Frauen und Mädchen werden auf offener Straße attackiert, weil sie kein Kopftuch tragen", sagte Damian.

In dem Video tragen die Opfer orangefarbene Kleidung, wie sie oft von IS-Geiseln getragen wird. In dem Video ist die Enthauptung von mindestens zehn Geiseln zu sehen. Das ägyptische Staatsfernsehen sendete Ausschnitte aus dem Video.

Darin sagt einer der maskierten Täter, der eine Militäruniform trägt und ein Messer auf die Kamera richtet, auf Englisch: "Wir befinden uns hier südlich von Rom, im Land des Islam Libyen (...) das Meer, in dem ihr die Leiche von Scheich Osama bin Laden versteckt habt, wir schwören bei Allah, wir werden es mit eurem Blut mischen." Al-Kaida-Chef Osama bin Laden war im Mai 2011 bei einer US-Kommandoaktion in Pakistan getötet worden. Seine Leiche wurde an einem geheim gehaltenen Ort im Meer versenkt.

"Barbarische" Ermordung der Kopten

Am Donnerstag hatten die Jihadisten in ihrer Onlinezeitung "Dabik" gemeldet, sie hätten 21 koptische Ägypter in ihrer Gewalt. Der libysche Arm des IS hatte im Jänner die Entführung von 21 Kopten gemeldet, die Behörden in Kairo bestätigten ihrerseits die Entführung von 20 Ägyptern in Libyen. Kopten waren in Libyen, das seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 keine funktionierende Staatsgewalt hat, bereits mehrmals Opfer von Gewalt.

Ägyptens Präsident al-Sisi berief nach der Gräueltat im Nachbarland Libyen das Sicherheitskabinett ein, dem neben ihm auch die Minister für Verteidigung und Inneres sowie führende Militärvertreter angehören.

Die Al-Ashar-Universität in Kairo, eine angesehene islamische Universität, nannte die Ermordung der Kopten "barbarisch". Die Universität habe von den Enthauptungen "einer Gruppe unschuldiger Ägypter mit großer Sorge und Trauer" erfahren. "Al-Ashar betont, dass solch eine barbarische Tat nichts mit einer Religion der menschlichen Werte zu tun hat."

Libyen-Konflikt: Politische Lösung dringend notwendig

Die US-Regierung verurteilte die Ermordung der 21 ägyptischen Christen durch den IS in Libyen als "feige" und "verabscheuungswürdig". "Die Barbarei des IS kennt keine Grenzen", hieß es in einer am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung. Das Verbrechen unterstreiche erneut die dringende Notwendigkeit einer politischen Lösung im Konflikt in Libyen, "von dessen Fortsetzung nur Terroristengruppen wie der IS profitieren", erklärte das Weiße Haus.

Auch die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates nannten die Tat abscheulich. Sie unterstreiche die Brutalität des IS, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.