Erstellt am 20. September 2014, 21:49

von APA/Red

Kurz will einheitliche Koran-Übersetzung. Integrationsminister Sebastian Kurz will im Islamgesetz eine einheitliche deutsche Koran-Übersetzung für Österreich verankern. "Offizielle Stelle" dafür solle die Islamische Glaubensgemeinschaftin Österreich (IGGiÖ) sein.

Denn auch sie leide unter "teilweisen Fehlinterpretationen" des Koran, die Extremismus fördern könnten. Die IGGiÖ reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß von Kurz.

"Wir werden da mit Nachdruck dahinter sein", betonte Kurz, der eine entsprechende Bestimmung in der bald erwarteten Neufassung des Islamgesetzes verankert sehen will.

"Es gibt unzählige Übersetzungen, unzählige Interpretationen" des Koran. Doch zum einen habe "es sich die Mehrheitsbevölkerung verdient, zu wissen, was der Glaubensinhalt ist", andererseits sei es auch im Interesse der Glaubensgemeinschaft, dass nicht "viele Worte falsch interpretiert und wiedergegeben werden".

Religiöse Texte oft sehr unterschiedlich interpretiert

Die IGGiÖ sei für die Regierung der "wichtigste Partner" in der Bekämpfung von islamistischen Entwicklungen, betonte Kurz weiters – auch wenn er verstehe, dass sie "die Erwartungen nicht zu hoch legen möchte". Zuletzt hatte der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, ja deren Einfluss auf radikale Strömungen in Österreich als nur begrenzt geschildert.

Die IGGiÖ kommentierte den Vorstoß von Kurz vorsichtig. Es gebe ein "gemeinsames Interesse" gegen den Missbrauch religiöser Texte und Begriffe, sagte Sprecherin Carla Amina Baghajati am Samstag zur APA. Doch es sei kaum möglich, die eine, "richtige" Koran-Übersetzung zu finden.

Man führe mit Kurz einen offenen Dialog in "positiver Stimmung" und werde dies daher beim nächsten Treffen mit dem Integrationsminister erörtern, so Baghajati. Es handle sich aber um ein "sehr komplexes Thema", das auch innerhalb der Glaubensgemeinschaft besprochen werden müsse.

Arabische Sprache hat großen Bedeutungsspielraum

Komplex nicht zuletzt aus linguistischen Gründen: Im Arabischen hätten Wörter oft ein viel größeres "Bedeutungsspektrum", eine allgemeingültige Übersetzung sei da kaum zu finden.

Wichtig sei es daher, sowohl die Exegese, also die Auslegung der Schriften, als auch den Kontext miteinzubeziehen. Mit der Bibel verhalte es sich ja ähnlich, argumentiert man – seit Jahrhunderten werden theologische wie linguistische Diskussionen über deren Texte geführt.

Bedürfnis nach entsprechenden Empfehlungen gebe es aber unter den Gläubigen, berichtete Baghajati. Nicht zuletzt deshalb und weil man des Ministers Wunsch, "hier mehr Transparenz zu schaffen", für "nachvollziehbar" hält, will die IGGiÖ darüber sprechen.

"Es muss ein gemeinsames Interesse geben, dass man Extremismus auch dadurch verhindert, dass man dem Missbrauch von islamischen Wörtern, von religiösen Grundsätzen, entgegentritt", hielt Baghajati fest.