Erstellt am 30. Juli 2014, 08:34

von APA/Red

Israel nimmt Gaza massiv unter Beschuss. Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen am Dienstag massiv verstärkt. Die PLO erklärte, die militanten Palästinenserorganisationen seien zu einer 24-stündigen Waffenruhe bereit.

Die Hamas machte eine Zustimmung vom Ende der Luftangriffe und der Blockade des Gazastreifens abhängig. Indes flüchteten laut UNO-Angaben über 200.000 Bewohner des Gazastreifens in Notunterkünfte.

Es werde keine Feuerpause geben "ohne ein Ende der Aggression und einer Aufhebung der Belagerung", erklärte am Dienstag der Chef der Essedin-al-Kassam-Brigaden, Mohammed Deif. Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Yasser Abed Rabbo, hatte zuvor in Ramallah im israelisch besetzten Westjordanland erklärt, die Hamas und der Islamische Jihad hätten einer 24-stündigen "humanitären Waffenruhe" zugestimmt.

Zuhri gegenüber Waffenruhe skeptisch

Abed Rabbo fügte hinzu, dass die drei Palästinenserorganisationen bereit seien, den Vorschlag der UNO für eine dreitägige Waffenruhe "in einem positiven Geist" zu prüfen. Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri äußerte sich jedoch skeptisch über eine neue Waffenruhe. Zuerst müsse Israels Reaktion Israels abgewartet werden. "Wir werden keine Feuerpause erklären, solange die Besatzer weiter unsere Kinder angreifen", erklärte Zuhri im sozialen Netzwerk Facebook.

Bei Angriffen der israelischen Armee wurde nach palästinensischen Angaben auch das einzige Kraftwerk im Gazastreifen getroffen. Die Anlage sei schwer beschädigt und nun außer Betrieb, sagte ein palästinensischer Verantwortlicher. Die Anlage, die für knapp ein Drittel des Strombedarfs im Gazastreifen aufkommt, stand am Nachmittag weiterhin in Brand.

Die Stadtverwaltung von Gaza warnte am Dienstag vor einer Wasserknappheit, weil viele Wasserpumpen vom Strom abgeschnitten seien. Das Kraftwerk deckt bis zu zwei Drittel des Energiebedarfs von Gaza. Am Dienstag beschoss das Militär nach eigenen Angaben etwa 110 Ziele im Gazastreifen vom Land und vom Meer aus sowie aus der Luft, darunter auch das Haus des Hamas-Anführers Ismail Haniyeh. Mindestens 79 Palästinenser starben nach Angaben der Gesundheitsbehörden.

Rundfunk der Hamas wurde attackiert

Haniyehs Haus im Flüchtlingslager Shati wurde zwei Mal angegriffen, wie seine Familie mitteilte. Verletzt wurde niemand. Der Rundfunk der Hamas wurde ebenfalls attackiert. Auf der Gegenseite schlugen auch in Israel wieder Raketen ein.

Schon am frühen Morgen sprachen die palästinensischen Rettungsdienste von 26 Toten, darunter mehrere Kinder. Bei einem israelischen Angriff im nördlichen Gazastreifen wurden am Nachmittag nach Angaben von Ärzten mindestens 13 Palästinenser getötet. Der Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte, Ashraf al-Kudra, sagte, israelische Panzergranaten hätten mehrere Häuser in der Stadt Jabalia getroffen. Alle Todesopfer seien Zivilisten.

In einer Erklärung der israelischen Armee hieß es, Soldaten hätten bei einem Schusswechsel fünf palästinensische "Terroristen" getötet, als sie einem Tunnel im Gazastreifen entstiegen. Insgesamt habe die Armee seit Mitternacht "mehr als 110 Terrororte" ins Visier genommen.

Drei Viertel der Opfer sind Zivilisten

Die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn des Militäreinsatzes vor drei Wochen stieg auf mehr als 1.100. Davon sind nach UNO-Angaben drei Viertel Zivilisten, unter ihnen zahlreiche Kinder. Auf israelischer Seite wurden mehr als 50 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Am Montagabend hatte Israel die Zivilbevölkerung rund um die Stadt Gaza zur sofortigen Flucht aufgefordert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu schwor sein Volk später auf einen "langen Feldzug" ein. "Israelische Bürger können nicht mit der Bedrohung durch Raketen und aus Todestunneln leben", sagte er im Fernsehen. Die Offensive werde nicht beendet, bevor die von Hamas-Kämpfern genutzten Tunnel nicht "neutralisiert" seien.

Hunderte Palästinenser flohen nach dem Aufruf der israelischen Armee aus ihren Häusern. Viele flüchteten sich in die ohnehin überfüllten UNO-Schulen im Norden des Gazastreifens, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mittlerweile 215.000 der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens aus ihren Häusern geflüchtet sind.

UNO-Sicherheitsrat forderte Waffenruhe

Noch in der Nacht zum Montag hatte sich der UNO-Sicherheitsrat des Konflikts angenommen und in einer Erklärung eine "sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe" gefordert. Alle internationalen Appelle für eine Waffenruhe verhallten allerdings bisher ungehört.

Mitarbeiter der Vereinten Nationen fanden im Gazastreifen haben in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Die Weltorganisation beschuldigte am Dienstag militante Palästinenser, "die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt" zu haben. Die Schule werde derzeit nicht genutzt. Das Hilfswerk UNRWA betreibt in Gaza 85 Notunterkünfte, zumeist in Schulgebäuden, für palästinensische Zivilisten, die vor den israelischen Bombenangriffen geflohen sind.

Nach den schlimmsten Bombardierungen machen sich zunehmend Panik und Verzweiflung in der Enklave breit. Immer mehr verängstigte Menschen versuchten, dem Inferno zu entrinnen. Sie flohen in eine der 85 UNO-Einrichtungen. Die Zahl der Schutzsuchenden gab der Sprecher des UNO-Hilfswerks UNRWA, Chris Gunness, am Dienstagabend mit mehr als 200.000 an. Das waren fast 20.000 mehr als noch in der Früh.