Erstellt am 13. Juli 2014, 08:05

von APA Red

Israelische Bodentruppen im Gazastreifen. Im Gazastreifen haben sich israelische Kommandotruppen der Marine am Sonntag eine Schießerei mit der radikal-islamischen Hamas geliefert.

Es war das erste Gefecht dieser Art am Boden seit Beginn der israelischen Offensive vor sechs Tagen. Die Soldaten griffen laut israelischem Militär ein Ziel im Norden Gazas an, von dem aus wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert worden seien.

Im israelischen Militärradio hieß es, die Bodentruppen seien in der Nähe von Gaza-Stadt eingesetzt worden. Vier israelische Soldaten seien bei der Kampfhandlung leicht verletzt worden, schrieb die Zeitung "Times of Israel". Die Abschussanlage wurde laut einem Bericht der Streitkräfte zerstört. Die Operation sei beendet, hieß es.

Die Hamas dagegen erklärte, sie habe die Soldaten vor der Küste beschossen und verhindert, dass sie an Land gingen. Laut Palästinensern wurden drei Hamas-Kämpfer getötet.

Die israelische Armee hatte am späten Samstagabend Einwohner des nördlichen Gazastreifens aufgefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit ihre Häuser zu verlassen. Es sei unsicher, sich "nahe der Hamas" aufzuhalten, teilte das Militär via Twitter mit. Beobachtern zufolge könnte die Warnung auf eine baldige schwere Angriffswelle hindeuten. Die israelische Regierung hat wiederholt erklärt, dass eine Bodenoffensive gegen die militante Hamas noch immer eine Option sei. Es seien bereits rund 20.000 Reservisten mobilisiert worden.

Seit dem Start der Angriffe auf die islamistische Hamas hat die Armee nach eigenen Angaben seit Dienstag mehr als 1.220 Ziele in der Mittelmeer-Enklave bombardiert. Danach gingen mehr als 783 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder, überdies wurden rund 143 von der Raketenabwehr abgefangen.

Bei einem israelischen Luftangriff in der Stadt Gaza waren am Samstagabend 18 Menschen getötet und rund 50 weitere verletzt worden. Der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen, Ashraf al-Kidra, sprach von dem schlimmsten Angriff in dem Palästinensergebiet seit Beginn der israelischen Luftoffensive in der Nacht zum Dienstag.

Ein 14-Jähriger sei bei dem Beschuss des nördlichen Gazastreifens ums Leben gekommen. Auch eine 80-Jährige sei unter den neuen Opfern, teilte Al-Kidra mit. Insgesamt starben seit Beginn der Offensive 163 Palästinenser.

Inmitten des Blutvergießens kommt aber auch die Krisendiplomatie in Gang. Am Sonntag treffen die Außenminister Deutschlands, der USA, Großbritanniens und Frankreichs am Rand der Atomgespräche in Wien zusammen, um Möglichkeiten für eine Waffenruhe zu erkunden. Der britische Außenminister William Hague erklärte, wie schon 2012 sei dringend "gemeinsames, internationales Handeln" gefragt. Ägypten müsse weiter eine aktive Rolle übernehmen. Zuvor hatte Hague mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman gesprochen.

Die Arabische Liga berief für Montag ebenfalls eine Krisensitzung zum Gazakonflikt in Kairo ein. Kuwait hatte das Treffen beantragt. Auch die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats äußerten sich nach einer Sitzung am Samstag in New York extrem besorgt über die Eskalation der Gewalt und forderten eine Waffenruhe.