Erstellt am 28. Januar 2015, 15:27

Israelischer Beschuss im Libanon tötete UNO-Soldat. Der Bürgerkrieg in Syrien führt auch zu einer Eskalation der Spannungen zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah im Libanon.

Bei einem bewaffneten Zwischenfall im Grenzgebiet wurde am Mittwoch ein UN-Soldat getötet. Die Hisbollah griff einen Armeekonvoi im Norden Israels an und verletzte nach Angaben aus Militärkreisen vier Soldaten.

Es war der schwerste Angriff der Miliz seit dem letzten Krieg zwischen der Hisbollah und Israel im Jahr 2006. Nach Angaben aus politischen Kreisen im Libanon soll es bei der "großen Operation der Hisbollah" sogar Todesopfer unter israelischen Soldaten gegeben haben. Dies wurde von Israel nicht bestätigt. Eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Libanons, nach der ein israelischer Soldat bei dem Überfall verschleppt worden sei, wurde umgehend von Israel dementiert.

Die Hisbollah erklärte, ihre Quneitra-Brigade habe den Angriff im Grenzgebiet ausgeführt. Ein Fernsehsender der Hisbollah berichtete, neun Fahrzeuge seien bei dem Beschuss beschädigt worden. Fast zeitgleich schlugen Granaten in einer israelischen Militärstellung auf den Golanhöhen ein. Dabei soll es keine Opfer gegeben haben.

Beileidsbekundungen via Twitter

Kurz nach dem Angriff auf den Konvoi detonierten mindestens 22 von Israel abgefeuerte Artilleriegranaten in Südlibanon, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. In dem Gebiet waren schwarze Rauchwolken zu sehen. Später erklärte die UN-Truppe in Südlibanon (UNIFIL), einer ihrer Soldaten sei getötet worden. Die genauen Umstände würden noch untersucht. Gleichzeitig forderte die UNIFIL alle Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Weder UNIFIL-Sprecher Andrea Tenenti noch das spanische Verteidigungsministerium wollten die Nationalität des getöteten Blauhelmsoldaten bestätigen. Aber der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy drückte nach Angaben der Zeitung "El Mundo" der Familie des spanischen Militärangehörigen über Twitter sein Beileid aus.

Österreichischen Soldaten "geht es gut"

Auch 172 Soldaten des Bundesheeres verstärken die internationale UNIFIL-Truppe, die die Grenze zwischen Israel und dem Libanon beobachtet. 2006 war der österreichische Major Hans-Peter Lang beim israelischen Beschuss des UNO-Beobachtungspostens Khiam im Südlibanon ums Leben gekommen.

Den österreichischen UNIFIL-Soldaten "geht es gut", teilte Cornelia Harwanegg, Pressesprecherin des Verteidigungsministeriums, am Mittwoch auf Anfrage mit.

Israels Außenminister Avigdor Lieberman forderte nach dem Angriff der Hisbollah einen harten Gegenschlag. Israel müsse seine bisherige Strategie ändern, sagte Lieberman am Mittwoch bei einem Treffen mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi in Peking. Israel müsse "auf Raketenangriffe auf unser Gebiet auf sehr harte und nicht proportionale Weise reagieren, so wie es China oder die USA in einer ähnlichen Situation tun würden", sagte der rechtsgerichtete Politiker.

Vor dem Beschuss der Militärpatrouille hatte die israelische Luftwaffe Stellungen der syrischen Regierungsarmee bombardiert. Von dort aus waren am Vortag die Golanhöhen mit Raketen beschossen wurden. "Wir werden einen Beschuss des israelischen Territoriums oder eine Verletzung unserer Souveränität nicht tolerieren", erklärte Verteidigungsminister Moshe Yaalon und fügte hinzu: "Wir werden kraftvoll und entschlossen darauf reagieren." Israel hatte den Höhenzug im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und 1981 seinem Staatsgebiet zugeschlagen.

Ein Auslöser der jüngsten Eskalation war ein Luftangriff der israelischen Streitkräfte vergangene Woche in Syrien, bei dem ein iranischer General sowie mehrere Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz getötet worden waren. Die Hisbollah und der Iran hatten dafür Vergeltung angekündigt. Der Iran und die von ihm unterstützte Hisbollah sind enge Verbündete des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Angehörige der Hisbollah-Miliz kämpfen an der Seite der syrischen Armee, die auch vom Iran direkte Unterstützung erhält.