Erstellt am 06. August 2016, 13:31

von APA/Red

Tausende zu Anti-Putsch-Kundgebung erwartet. Nach einem Aufruf von Präsident Recep Tayyip Erdogan wollen am Sonntag in Istanbul Hunderttausende Menschen gegen den Putschversuch in der Türkei demonstrieren.

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Bei der "Demokratie- und Märtyrer-Versammlung" gut drei Wochen nach der Niederschlagung des Putsches wird Erdogan der Hauptredner sein. Es ist die bisher größte Veranstaltung dieser Art seit dem Umsturzversuch vom 15. Juli.

Auf Einladung des Staatspräsidenten haben auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP und der Vorsitzende der ultranationalistischen MHP, Devlet Bahceli, ihre Teilnahme angekündigt. Nicht eingeladen wurde die pro-kurdische HDP. Erdogan wirft der zweitgrößten Oppositionspartei im Parlament Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

Die Großkundgebung wird seit Tagen intensiv beworben. Ein Plakat zeigt einen Zivilisten, der mit erhobener Hand einen Putschisten-Panzer stoppt. Bei der Demonstration soll der mutige Widerstand von Bürgern gegen die Umstürzler aus den Reihen der Armee und der Sieg der Demokratie in der Türkei gefeiert werden.

Zugleich soll der nach Regierungsangaben mindestens 239 Opfer gedacht werden, die durch die Putschisten getötet wurden. Zur Zahl der getöteten Umstürzler macht die Regierung seit längerem keine Angaben mehr. Zuletzt war in dem Zusammenhang von 24 Toten die Rede gewesen.

Die Versammlung am Sonntag soll nach den Worten Erdogans den Höhepunkt der sogenannten Demokratie-Wachen bilden. Zu diesen Wachen versammeln sich seit dem Putschversuch zahlreiche Menschen auf öffentlichen Plätzen wie dem Taksim in Istanbul, um Putschisten keinen Raum zu bieten. An der Großkundgebung werden nach Angaben Erdogans auch Musiker, Sportler und Militärs teilnehmen.

Alle drei im Parlament vertretenen Oppositionsparteien hatten den Putschversuch vom 15. Juli verurteilt. Auch bei einem anschließenden Treffen zwischen Erdogan, Kilicdaroglu und Bahceli waren die Chefs der HDP nicht in den Präsidentenpalast eingeladen worden.

Seit dem Putschversuch sucht Erdogan den Schulterschluss mit der CHP und der MHP. Zugleich geht die Regierung hart gegen Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vor, den Erdogan für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Nach Regierungsangaben wurden mehr als 60 000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen. Mehr als 13 000 Verdächtige sind in Untersuchungshaft.