Erstellt am 27. August 2015, 09:21

von APA Red

Jennifer Wenth erreichte WM-Finale über 5.000 m. Jennifer Wenth hat am Donnerstag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking überraschend das Finale über 5.000 m erreicht.

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Die 24-Jährige kam in ihrem Vorlauf in 15:43,57 Minuten an die siebente Stelle und zog über die Zeitregel in den Endlauf der Top 15 am Sonntag ein. Beate Schrott zog in das Halbfinale über 100 m Hürden ein.

"Na dann, geil! Jetzt gehe ich in die Eistonne!"Österreichs 5.000-m-Läuferin Jennifer Wenth hat erst Minuten nach ihrem Vorlauf in Peking überrissen, dass sie sensationell in das WM-Finale eingezogen ist, und griff sich fassungslos an den Kopf. Im Gespräch mit Journalisten hatte sie bereits ein Jahr voraus zu Olympia geblickt, als diese ihr sagten, dass sie auch in China noch einmal ran darf.

 

"Jetzt weiß ich, dass wir noch viel arbeiten müssen"

"Ganz zufrieden bin ich nicht, aber vielleicht ist es hinsichtlich nächstes Jahr gar nicht so schlecht, dass ich jetzt nicht ins Finale gekommen bin. Jetzt weiß ich, dass wir noch viel arbeiten müssen", plauderte die 24-jährige Niederösterreicherin in der Mixed Zone des "Vogelnest"-Stadions vor sich hin. "Nächstes Jahr bei Olympia in Rio will ich halt echt am Niveau sein und ins Finale kommen. Ich klopfe auf Holz, dass ich verletzungsfrei bleibe."

Den überraschenden Finaleinzug realisierte die Freiluft-EM-Elfte von 2014 in Zürich über 5.000 m und Hallen-EM-Neunte über 3.000 heuer in Prag nur nach und nach. "Bin ich jetzt weiter? Ich habe ja nicht mitgezählt, aber ich habe nie gedacht, dass es sich mit der Zeit ausgeht. Und ich habe schon gedacht, puh, Gott sei Dank muss ich nicht noch einmal laufen", sagte die wegen der schwülheißen Bedingungen tropfnasse Wenth, die für die erste WM-Finalteilnahme Österreichs seit 2009 sorgte. Damals war Diskuswerfer Gerhard Mayer Achter geworden.

Von der Wirklichkeit ob der überraschenden Verlängerung des Peking-Arbeitseinsatzes eingeholt, plant man da gerne mal um. "Danke für die Info! Jetzt freue ich mich natürlich darauf, noch einmal hier zu laufen. Das ist wirklich toll, einfach cool. Im Finale habe ich nun nichts zu verlieren, ich freue mich über jeden Platz, und wenn ich eine hinter mir lasse noch mehr. Für mich war es ja schon überraschend, dass ich mich überhaupt für die WM qualifiziert habe. Nun muss ich mich anziehen gehen, danke schön", verabschiedete sich die von den Emotionen überwältigte Athletin von SVS.

Wenth hatte sich im WM-Vorfeld eine minimale Chance ausgerechnet, die Vorrunde zu überstehen. Ihre persönliche Bestleistung steht seit heuer bei 15:16,12. Sie wusste, dass sie es in Peking nur über die Zeitregel schaffen kann. Laut Aufstiegsmodus kamen die jeweils Top-Fünf sowie die nächsten fünf Zeitschnellsten weiter, die Österreicherin war im zweiten der zwei Läufe an der Reihe. "Das Rennen war urlangsam, dabei war der erste Lauf auch nicht so schnell, ich habe das nicht verstanden. Das war auch für mich langsam, aber da kann man nichts machen."

Die Athletin von Coach Karl Sander lief anfangs am Ende des Feldes ("Ich wollte dem Geschupfe irgendwie fern bleiben"), als sich dieses auseinanderzog, erhöhte auch sie das Tempo. "Ich wollte mir nichts vorwerfen. Ich hätte dann nie gedacht, dass es sich mit einer 43er-Zeit ausgeht." Wenth kam als Siebente in 15:43,57 ins Ziel, und als Fünfte noch über die Zeitregel weiter. Schnellste war die Äthiopierin Almaz Ayana in 15:09,40.

Hohe Nervösität bereits am Aufwärmplatz

"Nicht superschlecht, nicht supergut, ich hätte aber nicht schneller laufen können. Der Schritt hat sich nicht so gut angefühlt, ich laufe meistens besser nach der ersten Belastung", sagte Wenth, die das nun am Sonntag (13.15 Uhr MESZ) zeigen darf. Da weiß sie dann auch schon, was sie im Olympiastadion erwartet. Denn als sie in der Früh auf dem Aufwärmplatz gekommen sei, wäre die Nervösität rasant angestiegen. "Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und es zu genießen. Wenn du dann in das Stadion reinkommst und es so laut ist, ist das schon sehr, sehr cool."

Mit ihrer besten Vorlaufzeit bei Freiluft-Meisterschaften auf Weltebene erreichte Hürdensprinterin Schrott mit dem Semifinaleinzug ihr Ziel. "Es war eine solide Leistung. Ich wäre natürlich gern unter 13 Sekunden gerannt, aber ich war knapp dran", sagte die 27-Jährige nach den 13,04 Sekunden bei einem Meter Gegenwind, die Gesamtrang 19 bedeuteten.

Trotzdem wurde die Angelegenheit für die Olympia-Achte und EM-Dritte von 2012 vor dem Fernseher in der Mixed Zone zur Zitterpartie. Sie musste alle Vorläufe abwarten, denn in ihrem war sie nur Fünfte geworden und hatte den Direktaufstieg um einen Rang verpasst. Über die Zeitregel ging es sich aber gut aus. 2011 bei der WM in Daegu war Schrott mit 13,25 in die Titelkämpfe gestartet, 2012 bei Olympia in London mit 13,09. 2013 in Moskau fehlte sie verletzungsbedingt.

Schrott und ihr neuer Trainer Rana Reider

Schrott und ihr neuer Trainer Rana Reider hatten sich für das erste Jahr der Zusammenarbeit das WM-Semifinale vorgenommen. "Ich bin mir sicher, dass ich mit Rückenwind unter 13 Sekunden gelaufen wäre. Ich habe von Anfang an gewusst, ich kann nicht beeinflussen, was andere rennen, sondern nur das, was ich tue. Damit jetzt unzufrieden zu sein, wäre falsch. Und verstecken muss ich mich auch nicht", sagte Schrott. Ihr Schwachpunkt waren die ersten drei Hürden, auf denen sie gegenüber den Konkurrentinnen verlor.

Schrott hatte nach fast einwöchiger Zwangspause wegen einer schmerzhaften Muskelverhärtung am Beinbeuger erstmals am Mittwoch wieder Hürdentraining gemacht. "Ich bin irrsinnig froh, dass ich schmerzfrei laufen konnte. Das war natürlich in den vergangenen Tagen nicht optimal, aber ich habe versucht, ruhig zu bleiben."

Die drei Semifinali der Top-24 und das Finale gehen bereits am Freitag in Szene. Schrott läuft im ersten Halbfinallauf auf Bahn drei (13.25 Uhr MESZ), Gegnerinnen sind u.a. die Jamaikanerin Danielle Williams und die US-Amerikanerin Dawn Harper Nelson. Die jeweils ersten Zwei und die weiteren zwei Zeitschnellsten steigen auf. Schrott peilt die Verbesserung der Saisonbestleistung von 12,92 an. Vorlaufschnellste war Brianna Rollins (USA/12,67) vor Tiffany Porter (GBR/12,73).

Von den zwei österreichischen Diskuswerfern, die beide mit Superwürfen über 67 m und in den Top-Sechs der Weltrangliste nach China gereist waren, durfte Lukas Weißhaidinger zufrieden sein. Die 61,26 m des 23-jährigen WM-Debütanten reichten allerdings nicht für den Einzug in das Finale der Top-Zwölf, er wurde damit 20. Letztlich fehlten 1,22 m. Die Topweite erbrachte der Jamaikaner Fedrick Dacres mit 65,77.

"Das passt für die erste WM"

"Das passt für die erste WM, da sind andere sicher schlechter weggestartet. Schade, im letzten Durchgang haben alle noch ein bisserl draufgepackt, da wollte ich eigentlich mitziehen. Das hat nicht funktioniert, da habe ich ein weinendes Auge, denn das wäre sicher drinnen gewesen", meine der Oberösterreicher. "Aber dass ich in der Früh dreimal über 60 m werfen kann, das hätte ich mir nicht vorgestellt, dass das so einfach wird."

Er habe wichtige Erfahrungen für die Olympischen Spiele nächstes Jahr in Rio gesammelt, für die er bereits qualifiziert ist. "Ich werde mit der Umsprungtechnik weitermachen, ich glaube nicht, dass ich ohne so weit gekommen wäre. Wenn man das technisch noch verfeinert, habe ich auch die Konstanz, weiter zu werfen." Er habe wie vorgenommen Spaß beim Wettkampf gehabt und auch weit geworfen. "Ein bisserl was hat gefehlt. Aber besser jetzt als bei den Olympischen Spielen."

Gerhard Mayer trat verletzt an, der WM-Achte von 2009 war mit leichten Rückenschmerzen in den Flieger ein- und mit großen ausgestiegen. Die Diagnose lautet verschobenes Kreuzdarmbeingelenk. "Wir haben das leider nicht hinbekommen. Ich habe versucht, trotz der Schmerzen noch einen rauszureißen. Wenn ich so lange dafür trainiere, will ich es bis zum bitteren Ende probieren", erklärte der schwer enttäuschte Mayer.

"Ich habe mir heute auch das Einwerfen gespart, die anderen haben komisch geschaut, weil ich nur imitiere. Ich habe alles versucht, das war meine einzige Chance zu werfen. Es ist eine Katastrophe, aber was soll ich machen." Er werde die Verletzung jetzt ausheilen und sich dann auf Rio vorbereiten, auch er hat sein Ticket bereits in der Tasche. Sein einziger gültiger Versuch in der Peking-Qualifikation ging übrigens auf 57,73 m, das bedeutete den 30. Platz.