Erstellt am 02. Februar 2015, 17:34

von Daniel Lohninger und Beate Steiner

Jetzt ist es fix: Voith Paper dreht St. Pölten zu. 150 Mitarbeiter verlieren ihren Job, wenn der Voith Konzern seine Papiermaschinenproduktion in St. Pölten mit 31. März 2016 schließt. Nur noch bis zur zweiten Jahreshälfte 2015 werden Aufträge bei Voith Paper St. Pölten erledigt.

Der Voith-Standort St. Pölten  |  NOEN, Lohninger
Das bestätigte Bernd Stibi, Geschäftsführer von Voith Paper, in einer Pressekonferenz am Montag nachmittag. Grund für die Schließung sei das weltweit geringe Wachstum auf den Papiermärkten, der den Voith Konzern zwingt, 1.000 Stellen abzubauen, davon 800 in Deutschland und Österreich.

Rund 200 Mitarbeiter sind derzeit noch bei Voith Paper in St. Pölten beschäftigt, für 50 wird es Transferangebote an andere Voith-Standorte geben, erklärte Standortsprecherin Bettina Probst. Frühpensionierungen, Altersteilzeit-Lösungen und Arbeitsstiftungen sollen ab sofort als Sozialplan für die Mitarbeiter greifen, die ihre Beschäftigung verlieren.

Die Restrukturierung des Voithkonzerns gefährdet auch Arbeitsplätze in der Verwaltung. Inwieweit der Standort St. Pölten davon betroffen ist, ist noch nicht geklärt.

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Standortsprecherin Bettina Probst und Voithpaper-Veschäftsführer Bernd Stibi

Betriebsrat: "Waren bis jetzt nicht informiert"

Geschockt von der Hiobsbotschaft zeigt sich Voith-Betriebsrat Hans Joachim Haiderer: "Wir wurden erst heute mit den Tatsachen konfrontiert, waren bis jetzt nicht informiert." Haiderer und seine Betriebsratskollegen von den anderen betroffenen Voith-Stätten in Deutschland wollen Verhandlungsgespräche führen, "mit guten Argumenten und wachsamen Ohren. Über den Sozialplan reden wir erst, wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind."

AKNÖ empört über Schließungspläne

 Niederösterreichs Arbeiterkammer-Präsident Markus Wieser reagiert empört auf die Pläne des Voithkonzerns: "Eine Sparte, die Gewinne schreibt abzudrehen und derart viele Mitarbeiter vor die Türe zu setzen, ist unverfroren", sagt Wieser, der Belegschaft und Betriebsrat bei den anstehenden Verhandlungen unterstützen will.

Stadler will Gespräch suchen

St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler will das endgültige "Aus" für Voith Paper St. Pölten noch nicht akzeptieren: "Nach meinen Informationen handelt es sich bei der Schließung von Voith Paper und der Entlassung von weiteren 150 Mitarbeitern um eine 'angedachte' Maßnahme. Es gibt für die Umsetzung noch keine Beschlussfassung im Aufsichtsrat", kommentiert Matthias Stadler.

Er habe schon seit längerem die Befürchtung, dass am Standort St. Pölten immer mehr filetiert wird. "Man muss sich die Frage stellen, warum mit den letzten sehr schmerzlichen Reduktionen des Personalstandes die gewünschte Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit nicht eingetreten ist und ob hier von der Konzernleitung die richtigen Entscheidungen getroffen wurden", so das Stadtoberhaupt.

Denn "die letzten Einschnitte wurden damit argumentiert, den Bestand für die Zukunft zu sichern." Er werde auf jeden Fall mit der Konzernleitung und der Familie Voith das Gespräch suchen und ausloten, welche Perspektiven es für Voith Paper am Standort St. Pölten noch gibt.

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