Erstellt am 26. Februar 2016, 11:57

Jihadisten-Prozess: Verhafteter Zeuge erneut befragt. Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess gegen den islamischen Prediger Mirsad O. und Mucharbek T. fortgesetzt worden.

 |  NOEN, APA (Scheriau)

Erneut wurde jener Zeuge befragt, der am Mittwoch überraschend verhaftet worden war, weil der Verdacht auf Falschaussage und Begünstigung bestand. Er konnte sich auch diesmal an Mirsad O. und seine Predigten nicht erinnern.

Gegenstand der Befragung waren die Reden des islamischen Predigers, die mehrere junge Männer radikalisiert haben sollen. In der Folge gingen einige als Kämpfer zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nach Syrien. Unter ihnen war auch der Bruder des Befragten, der plötzlich verschwunden war. Als der besorgte Zeuge zur Polizei ging, soll er gesagt haben, sein Bruder sei möglicherweise in Syrien, und "alles, was passiert sei, wurde durch dieses Umfeld verursacht". Damit soll er damals die Moschee und ganz besonders die Predigten von Mirsad O. gemeint haben.

Auch bei seiner zweiten Befragung vermied er es sorgfältig, jemanden zu belasten, schon gar nicht Mirsad O. "Leute, die in diese Moschee gehen, werden ein bisschen radikal und gehen nach Syrien", drückte er es vorsichtig aus. "Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich gesagt habe, dass Mirsad auffordert, zum Jihad zu gehen", blieb er bei seinen Angaben von Mittwoch. Er blieb vorerst in Untersuchungshaft.

Die nächste Zeugin sollte zur Radikalisierung ihres Sohnes Auskunft geben, wollte sich aber ebenfalls an ihre Angaben vor der Polizei kaum noch erinnern. "Haben Sie Angst?", fragte der Richter. "Ich habe schon Angst", gab die Frau zu. "Vor dem Gericht oder vor der Polizei?", hakte der Vorsitzende nach. "Vor Dritten", meinte die Zeugin. Das Angebot des Gerichts, die Öffentlichkeit auszuschließen, nahm sie dankbar an.

Später wurde klar, warum: Die Zeugin, die erst nach Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen wollte, wurde einige Tage vor ihrer Befragung bei Gericht via SMS massiv bedroht. Aus Angst erschien sie zu ihrem ersten Termin nicht und wurde deshalb am Freitag von der Polizei vorgeführt. Sie gab an, ihr Sohn sei radikalisiert worden, sie sei daher froh, dass er in Wien verhaftet wurde und nicht nach Syrien gehen kann.

Erst nachdem alle Zuschauer weg waren, traute sich die Frau, etwas zu sagen. Sie gab an, mehrere SMS bekommen zu haben, in denen sie mit dem Umbringen bedroht wurde, sollte sie aussagen. Ihr Ex-Mann, der mittlerweile in Syrien bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpft, habe ihre beiden Söhne schon früh in die Moschee mitgenommen. Die Vorträge dort seien eine "reine Gehirnwäsche" gewesen, gab die Zeugin an.

Dann kam es zu einer ungewöhnlichen Szene, als ein Zuschauer plötzlich von den Richtern überprüft wurde, weil die Zeugin aufgrund eines Bildes behauptet hatte, er sei bei ihr gewesen und habe die Pension ihres Ex-Mannes abgeholt. Doch der junge Mann entpuppte sich als burgenländischer Jus-Student im 4. Semester, der nur als Zuhörer da war und meinte "Ich glaub', ich bin im falschen Film." Die Richter kritisierten, dass er seinem Passbild nicht ähnlich sehen würde - er trug darauf keine Brille und hatte eine andere Frisur als heute. Mehr konnte man ihm aber nicht nachweisen, und so durfte er wieder gehen.