Erstellt am 06. Mai 2014, 12:43

Josefstadt-Programm mit acht Uraufführungen. Direktor Herbert Föttinger hat am Dienstag Bilanz über die vergangene Saison im Theater in der Josefstadt gezogen und einen Ausblick auf die nächste Spielzeit präsentiert.

Unter den 14 Neuproduktionen 2014/15 finden sich acht Uraufführungen - darunter von Peter Turrini und Felix Mitterer - sowie zwei österreichische Erstaufführungen. "Es ist ein sehr moderner Spielplan", so Föttinger. Das Theater in der Josefstadt hat zusammen mit seinen Kammerspielen derzeit eine Auslastung von 90 Prozent und nach der finanziellen "Punktlandung" (kaufmännischer Leiter Alexander Götz) bei der Kammerspiele-Renovierung auch keine akuten Geldsorgen. "Mir geht es sehr gut. Die letzte Spielzeit war fantastisch", freute sich auch Föttinger. Er räumte aber ein, dass der Druck, 40 Prozent des Budgets im Kartenverkauf einspielen zu müssen, den Mut etwas bremse. "Europaweit müssen das sonst nur noch die Comedie Francaise mit 37 und das National Theatre in London mit 35 Prozent", so Föttinger. "Manchmal würde man radikaler arbeiten wollen. Aber wir sind hier am Theater in der Josefstadt."

Die Bilanz verzeichnet für Stiftungsvorstand Günter Rhomberg nicht nur eine "beispielgebende Produktivität", sondern auch erfreuliche Zahlen. Die Platz-Auslastungen betragen in der laufenden Saison 86 Prozent im Haupthaus und 94 Prozent in den Kammerspielen, die "noch wichtigere wirtschaftliche Auslastung" (also der verkaufte Kartenwert im Vergleich zur möglichen Höchsteinnahme) betrage 69,78 (Josefstadt) bzw. 78,25 Prozent (Kammerspiele), was sich zu gemeinsamen 75 Prozent summiere.

Man müsse Bund und Stadt "schon auch danken", so Rhomberg. "Wir sind hier noch immer relativ gut bedient." Doch habe man von den Subventionsgebern deutlich signalisiert bekommen: "Es wird kurzfristig nicht mehr geben. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen." Die Josefstadt befände sich angesichts steigender Personalkosten jedoch im selben Dilemma wie die meisten anderen Kulturinstitutionen: "Wenn es 2016 so weiter geht, dann brechen einzigartige Strukturen."

Schnitzler zum Saisonstart

Die Saison wird am 4. September von Alexandra Liedtke mit Schnitzlers "Liebelei" eröffnet. Der weitere September bringt dann "ein kleines Turrini-Festival" zum 70. Geburtstag des Dramatikers (26.9.), dessen aus Gedichten, Prosatexten und Briefen zusammengestellte Revue "C'est la vie" von Stephanie Mohr uraufgeführt wird. Als einen Saison-Höhepunkt annoncierte der Direktor die Fortsetzung der mit "Jugend ohne Gott" begonnenen Zusammenarbeit mit dem britischen Oscar-Preisträger Christopher Hampton, der sein Stück "Eine dunkle Begierde" zur Uraufführung bringen wird. An der deutschen Fassung hat Daniel Kehlmann mitgewirkt, der aktuell an zwei Stücken für die Josefstadt arbeitet.

Eine dritte Zusammenarbeit mit Felix Mitterer bringt das Stück "Der Boxer". Stephanie Mohr inszeniert wie schon bei "Jägerstätter" die Uraufführung, "Jägerstätter"-Darsteller Gregor Bloeb spielt in der wahren, "sehr traurigen, an die Nieren gehende Geschichte" die Hauptrolle des einer Sinti-Familie entstammenden deutschen Meisterboxers Johann Trollmann, der ins KZ kam.

Auch mit Daniel Glattauer wird eine erfolgreiche Zusammenarbeit fortgeführt: Michael Kreihsl inszeniert die Uraufführung der Paartherapie-Komödie "Die Wunderübung" in den Kammerspielen, wo Ruth Brauer-Kvam in "Frühstück bei Tiffany" die Audrey Hepburn-Rolle übernehmen wird. Diese Österreichische Erstaufführung inszeniert Michael Gampe, der zudem auch bei Nestryos "Der Zerrissene" Regie führt.

Der neu eingeführte halbjährliche Karten-Vorverkauf sei zukunftsweisend, meinte Föttinger und blickte auch als Bauherr in die Zukunft: "Mein Baudrang ist ungebrochen." 2015 werden die Werkstätten renoviert und modernisiert. Und im Theater-Depot in Aspern wird um 250.000 Euro Baukosten ("Wir brauchen dazu keine öffentliche Hand. Das machen wir einfach.") eine dritte Probebühne eingebaut, die Anmietungen von Probelokalen ersparen soll. "Zu meiner zehnten Saison-Pressekonferenz fahren wir nächstes Jahr alle gemeinsam mit der U2 hinaus", versprach Föttinger. Dass dann auch die U2-Endstelle "Seestadt / Josefstadt" heißen wird, ist freilich nur ein Gerücht.