Erstellt am 01. April 2014, 11:47

Jürgen Melzer glaubt an 3:1-Sieg. Österreichs Davis-Cup-Team beginnt vom Freitag bis Sonntag in Bratislava gegen die Slowakei den schwierigen Weg zurück in Richtung Weltgruppe.

Erstmals seit Februar 2002 oder nach 24 Länderkämpfen en suite fehlt die aktuelle Nummer eins, Jürgen Melzer. Der 32-jährige Niederösterreicher hat nach seiner Langzeit-Schulterverletzung sein "protected ranking" genützt und trainiert derzeit in Marbella.

Ehe Melzer in Monte Carlo erstmals seit 9. Oktober 2013 wieder auf die Tour zurückkehrt, wird er im Geiste wohl bei seinem Teamkollegen in der Slowakei weilen. Dem aktuell auf Platz 60 zurückgefallenen Melzer war der Davis Cup immer ein Anliegen. Diesmal musste er aber zugunsten seiner Karriere seine Verletzungs-Auszeit etwas verlängern, um mit dem Ranking von Mitte Oktober wieder einsteigen zu können.

Ursache für Verletzung liegt Jahre zurück

Nach einer einwöchigen Konditionseinheit bereitet sich Melzer derzeit in einem dreiwöchigen Tennis-Konditionslager in Marbella vor. Mittlerweile kennt der frühere Weltranglisten-Achte auch die genaue Diagnose seiner Verletzung. "Es war ein kleiner knöcherner Ausbruch, den ich mir wahrscheinlich schon vor Jahren zugefügt habe", erklärte Melzer vor kurzem in einem ORF-TV-Interview. Eine in den Jahren entwickelte Schulterfehlstellung habe dann in Kombination damit für die Schmerzen gesorgt.

Freue mich auf Wettkampf

"Klar wird das Comeback nach so langer Zeit kein einfaches. Aber ich freu' mich riesig darauf, wieder wettkampfmäßig Tennis spielen zu können", sagte Melzer "senior". Sein Bruder Gerald ist erstmals ins Davis-Cup-Team einberufen worden, ebenso wie Dominic Thiem. Zu gerne hätte Jürgen die Premiere mit seinem Bruder im Team zelebriert. "Es war sehr schwierig, diese Entscheidung zu treffen", schilderte Melzer, der die Chance mit Rang 23 auf die Tour zurückzukehren für ein Turnier und den Davis Cup nicht opfern wollte. "Ich habe lange Jahre quasi meinen Mann gestanden im Team."

Auch ohne ihn tippt der Routinier aber optimistisch auf einen Sieg der ÖTV-Equipe: "Ich sage, wir gewinnen 3:1." Und er glaubt auch, dass Jungstar Dominic Thiem der großen Verantwortung standhalten wird. "Dominic hat die Rückhand longline fast schon zu seinem Trademark-Shot gemacht. Aus der Bedrängnis heraus spielt er sie sehr gerne, um dann mit der Vorhand Gas zu geben. Wenn er Zeit hat und eine ordentliche Spannung aufbauen kann, dann spielt er im Moment sicherlich eine der schnellsten Vorhände, die es im Tenniszirkus derzeit gibt", lobte Melzer den 20-Jährigen, der mittlerweile schon auf Platz 79 geklettert ist und damit einen Rang vor dem Slowaken Martin Klizan best gereihter Spieler beim Länderkampf ist.

Neugierig auf Thiem

Interessant werde sein, wie Thiem mit dem ersten Mal Davis Cup spielen umgehen werde. Melzer: "Da kommt im Normalfall etwas Nervosität mit dazu. Man wird sehen, wie er körperlich auf alles reagieren wird. Ich bin eigentlich sehr, sehr guter Dinge, und glaube, dass er - wie auch die anderen Male, wenn er in Österreich unter Druck war - das sehr gut lösen wird."

Er selbst könnte dann freilich beim erhofften Weltgruppen-Play-off im September wieder mit von der Partie sein. Vorläufig ist Jürgen Melzer aber noch vorsichtig mit Prognosen. "Das erste Ziel muss sein, wieder den Anschluss zu finden, Matches zu gewinnen und sich wieder Selbstvertrauen zu holen. Jetzt auf ein Ranking hinzuarbeiten, ist am Anfang schwierig." Die großen Turniere und die Grand Slams haben freilich Priorität. "Vor allem Wimbledon ist immer ein Ziel. Dort möchte ich gut spielen. Und vielleicht das eine oder andere Turnier zu gewinnen, wäre auch kein Fehler", hofft Melzer.

Österreichs Davis-Cup-Team hat indes nach den ersten beiden Trainingstagen in der Aegon-Arena in Bratislava positive erste Eindrücke gesammelt. Nach einem Abschluss-Training am Montagvormittag noch in der Südstadt, gab es bereits zwei Einheiten in Bratislava. Alexander Peya, drittbester Doppel-Spieler der Welt, ist der Routinier im Team. "Die Location hier ist schon beeindruckend. Das ist eine tolle Halle, die ich ja schon von früher kenne, da ich zuletzt 2008 hier ein Challenger-Turnier gespielt habe", erinnerte sich Peya. Ideal, so der Wiener, sei für die Spieler auch, dass das Hotel in unmittelbarer Nähe der Halle liege.

Österreichs Nummer eins in der Slowakei ist Dominic Thiem. "Ich fühle mich richtig wohl im Team und bin überglücklich, dass ich für Österreich Davis Cup spielen kann", bekräftigte der 20-jährige Niederösterreicher, der sich mit dem "DecoColor II"-Hardcourt schon angefreundet hat. "Der Boden in der Halle ist ganz schön schnell, aber super zum Spielen." Hoch erfreut ist auch der zweite Debütant, Melzers jüngerer Bruder Gerald. "Ich freue mich sehr, dass ich hier mit dabei sein darf. Es macht super viel Spass mit den Jungs."