Erstellt am 23. Mai 2016, 14:06

von APA Red

Justizwachebeamter schmuggelte Handys für Cannabis. Ein Justizwachebeamter hat sich am Montag vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten müssen, weil er laut Anklage 18 Handys in die Justizanstalt Simmering geschmuggelt haben soll.

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Bezahlen ließ sich der 30-Jährige seine Tätigkeit mit Cannabiskraut, das ihm ein dankbarer Insasse besorgt hatte. Der mittlerweile suspendierte Beamte wurde u.a. wegen Missbrauchs der Amtsgewalt angeklagt.

Mit auf der Anklagebank sollten zwei ehemalige Häftlinge sitzen, die den Schmuggel unterstützt hatten. Während der eine erst gar nicht aufgetaucht war - sein Verfahren wurde ausgewiesen -, erfuhr der zweite erst beim heutigen Gerichtstermin, dass er als Angeklagter an dem Verfahren teilnehmen musste.

"Ich hab bis heute nicht gewusst, dass ich Angeklagter bin. Ich habe geglaubt, ich Zeuge", sagte der 35-jährige, wegen Drogendelikten mehrfach Vorbestrafte. Laut Anklage sollen von dem Beamten von Jänner bis April 2014 erst 15 Handys und im Juni 2014 dann zwei weitere Mobiltelefone in das Gefängnis geschmuggelt worden sein. Dafür soll er insgesamt 27 Gramm Cannabiskraut erhalten haben.

Handys gegen Drogen

Die drei gingen dabei immer gleich vor: Die beiden Häftlinge, die bereits Freigang hatten, besorgten draußen die Handys und die Drogen. Danach trafen sie sich mit dem Beamten und übergaben ihm beides.

Das Cannabis behielt der Wachebeamte, die Mobiltelefone brachte er in die Justizanstalt mit und überreichte sie den Insassen in seinem Dienstzimmer.

Zudem wurde dem Beamten vorgeworfen, ein Telefon, das er bei einer Zellendurchsuchung im Mai 2014 gefunden hatte, nicht gemeldet, sondern behalten zu haben.

"Schwierige Lage"

Der 30-Jährige bekannte sich teilweise schuldig. Er gab zu, wegen seiner "schwierigen Lage" zu Hause die Drogen über die Häftlinge bestellt zu haben, aber es habe sich nur um den Schmuggel von fünf Mobiltelefonen gehandelt.

"Das Gefängnis müssen Sie sich vorstellen wie ein kleines Dorf, da gehen auch Gerüchte herum", rechtfertigte sich der 30-Jährige vor Richter Peter Sampt den im Raum stehenden Vorwurf des Schmuggels von 18 Telefonen.

Wegen der Vernehmung zweier ehemaliger Häftlinge, die am Montag nicht vor Gericht erschienen sind, wurde die Verhandlung vertagt. Sie wird am 13. Juni fortgesetzt.