Erstellt am 15. März 2016, 15:06

von APA/Red

Kampf um die Abfahrtskugel: Wetter könnte Svindal helfen. Die finale Weltcup-Abfahrt der Herren am Mittwoch in St. Moritz (10.00 Uhr) könnte zum Geduldsspiel für die noch um die kleine Kugel kämpfenden Athleten werden.

 |  NOEN, APA (Keystone)

Schneefall ist angesagt, findet das Rennen auf der neuen WM-Strecke nicht statt, darf sich der verletzte Norweger Aksel Lund Svindal Disziplinsieger nennen. Er führt punktgleich mit Peter Fill (ITA), hat aber mehr Siege auf dem Konto.

Ein Fragezeichen steht hinter dem Start seines nur vier Zähler dahinter liegenden Landsmannes Dominik Paris, der zuletzt in Chamonix und Kvitfjell gewonnen hat. Der 26-Jährige stürzte im Dienstagtraining, humpelte aus dem Zielraum und wurde zur MRI-Untersuchung gebracht. Ebenfalls noch mit rechnerischen Chancen auf die Kugel sind der Norweger Kjetil Jansrud, der 54 Zähler hinter den Spitzenduo liegt, und der Franzose Adrien Theaux (66). Bester Österreicher ist Hannes Reichelt als Zehnter. Das ÖSV-Team ist nach dem zuletzt in Kvitfjell erlittenen Debakel auf Wiedergutmachung aus.

"Das wird nicht leicht mit einer Kugel. Ich muss gewinnen und die anderen müssen Fehler machen, so was wünscht man aber nicht. Ich will einfach selbst gut fahren und um den Sieg kämpfen, das wäre cool", sagte Jansrud, der hofft, dass es nicht zur Rennabsage kommt. "Aber es wäre schon cool und ein bisschen poetisch, wenn Aksel gewinnt, wenn wir nicht fahren können."

Probleme im Training

Im einzigen Abfahrtstraining hatten viele Rennläufer Probleme: mit der kurzen Besichtigungszeit von einer Stunde, mit den vielen blauen Linien auf der Strecke und den "versteckten" Toren. Da die Damen - anders als nächstes Jahr bei der WM - heuer ebenfalls auf der "Corviglia" ihr Rennen bestreiten, die Linienführung aber anders ist, sind viele Teile auf der Piste eingefärbt.

"Ich finde es nicht gut, wenn die Damen und Herren verschiedene Läufe so eng nebeneinander haben, und der ganze Berg ist nur noch blau. Das ist wie ein Labyrinth da runter", sagte etwa Otmar Striedinger. "Das war nicht optimal heute, die Besichtigungszeit war viel zu kurz. Ich war erst im letzten Drittel und da hieß es, nur noch fünf Minuten. Dem Hannes, dem Romed, es ging allen gleich", sprach Vincent Kriechmayr auch für seine Teamkollegen Reichelt und Romed Baumann. Wegen der nahenden Schlechtwetterfront war das Programm am Dienstag komprimiert worden.

"Es war schon ein bisschen eine Herausforderung. Es gibt so viele Möglichkeiten der Kursführung da runter, diese Variante bin ich noch nie gefahren. Eine Stunde Besichtigung ist nicht gerade viel. Und weil hier auch die Damen fahren, musst du dich zusätzlich konzentrieren, dass du die blauen Linien auseinanderkennst, das war brutal schwierig. Nach zwei Drittel ist mir wie vielen die Zeit ausgegangen, unten bin ich auf Verdacht gefahren", erklärte Baumann.

Reichelt verirrt sich im Zielhang

Während viele oben ein Tor ausließen, verirrte sich Reichelt kurioserweise im Zielhang. "Ich habe mich voll verfahren, ich habe keine Ahnung, warum mir das passiert ist", meinte der Salzburger, der nach seiner Grippeerkrankung die Antibiotika abgesetzt hat und sich "halbwegs gut" fühlt.

Die "Corviglia" wartete mit dem spektakulären Startschuss "Freier Fall" auf, in dem die Läufer auf bis zu über 130 km/h beschleunigen. Dank perfekter Pistenpräparierung war der Abschnitt problemlos zu fahren. "Gemütlich, da brauchst nicht antauchen. Es geht gleich zur Sache, mir ist das eh lieber so", sagte Reichelt und sprach von einem "positivem Kribbeln".

Striedinger: "Ein cooler Start"

"Ein cooler Start, ich glaube, das ist einmalig, aber nicht die größte Überwindung. Der Freie Fall war bei mir heute das kleinste Problem", gab Striedinger zu. "Ich kenne ihn noch von 2003 und habe mich schon darauf gefreut. Er ist nach wie vor cool. Ein Abfahrer tut so was gern. Da muss man sich nicht großüberwinden. Die Schwierigkeiten auf der Strecke kommen in der Mitte, eine Welle nach der anderen und viele blinde Tore", beschrieb Klaus Kröll.

Auf der WM-Website wird die Neigung des Freien Falls mit 100 Prozent angegeben. "100 Prozent sind das nicht, da haben sie geschwindelt. Aber es ist schön, wenn man gleich mal Speed drauf hat, den brauchen wir, sonst würden wir eh einschlafen bis zur ersten richtigen Kurve", meinte Kriechmayr in seiner bekannt direkten Art.