Erstellt am 06. August 2014, 22:31

Kampf um Donezk immer heftiger. Der Kampf um die strategisch wichtige Separatisten-Hochburg Donezk in der Ostukraine nimmt an Härte zu.

Erstmals griff die ukrainische Luftwaffe Ziele nahe des Zentrums der Grossstadt an. Bei den Attacken auf Stellungen der Aufständischen starben mindestens drei Zivilisten, wie der Stadtrat am Mittwoch mitteilte. Die Aufständischen in Donezk warnten die Armee vor einer Offensive. "Die Erstürmung steht unmittelbar bevor, aber wir sind gut darauf vorbereitet", sagte Separatistenführer Sergej Kawtaradse. Immer mehr Frauen und Kinder würden Donezk durch einen Fluchtkorridor verlassen.

Die Armeeführung in Kiew betonte aber, sie plane keine "kopflose" Erstürmung von Donezk oder des benachbarten Lugansk. "Das sind nicht irgendwelche Festungen. Das sind Städte, in denen Menschen leben", unterstrich Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin indirekt Unterstützung der Aufständischen im Osten der Ukraine vorgeworfen. Die Kanzlerin habe sich in einem Telefonat mit Putin besorgt gezeigt, "dass von Russland aus Nachschub für die Separatisten in den Donbass geliefert werde", teilte eine Sprecherin der Bundesregierung am Mittwochabend in Berlin mit. Es war seit längerem das erste Telefonat Merkels und Putins, nachdem die beiden Staatsführer zu Beginn des Ukraine-Konflikts noch regelmäßig miteinander gesprochen hatten.

Russland weist Vorwürfe zurück

Merkel forderte Putin auf, bei den Separatisten auf eine Waffenruhe hinzuwirken. Demnach lobte sie aber auch das in der letzten Woche zustande gekommene Treffen in Minsk zwischen der Kontaktgruppe aus Vertretern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Russlands und der Ukraine mit Vertretern der Separatisten. Merkel mahnte in dem Telefonat, dass die Ukraine "selbst über die Gestaltung ihrer Zukunft entscheiden können müsse".

Russland wies Vorwürfe des Westens zurück, die Krise in der Ukraine durch einen Truppenaufmarsch an der Grenze weiter anzuheizen. Die Behauptungen seien eine "Irreführung der Weltöffentlichkeit", erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Zahlreiche Tote bei Kämpfen

Bei erbitterten Gefechten in der Region beklagte das Militär zahlreiche Opfer. Innerhalb von 24 Stunden seien 18 Soldaten getötet und 54 verletzt worden, sagte Lyssenko.

Auch in der Stadt Gorlowka berichteten die Behörden von einer steigenden Zahl von Toten. In den vergangenen Tagen seien bei Artilleriebeschuss 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden. Gas- und Wasserversorgung seien zerstört.

In Lugansk müssen nach Behördenangaben ebenfalls Zehntausende ohne Strom und Wasser auskommen. Schwierigkeiten gibt es zudem weiter mit der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sowie mit der Müllabfuhr.

Russland warf der ukrainischen Führung erneut den Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten im umkämpften Osten des Landes vor. "Eine Bodenprobe hat ergeben, dass die Armee in der Nähe von Slawjansk die verbotenen Brandgeschoße verwendet hat", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Moskau, Wladimir Markin. Der Einsatz sei ein "Kriegsverbrechen". Die russischen Behörden bezogen sich auch auf die Berichte ukrainischer Flüchtlinge. Die Führung in Kiew hatte die Vorwürfe wiederholt als "Verleumdung" zurückgewiesen.

Und die NATO warnte vor einer "gefährlichen Situation". "Wir können nicht mutmaßen, was Russland vorhat, aber wir können sehen, was Russland macht - und das erfüllt uns mit großer Sorge", sagte eine Sprecherin in Brüssel.

Die NATO fürchtet, dass Moskau unter dem Vorwand einer "Friedensmission" Truppen in die Ostukraine senden könnte. An diesem Donnerstag wird NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu Krisengesprächen mit der prowestlichen Führung in Kiew erwartet.