Erstellt am 12. September 2014, 14:03

von APA/Red

Karmasin erkundet "schwedisches Familien-Modell". Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hat sich am Freitag über die schwedische Familienpolitik kundig gemacht.

Bei einem Symposium in der schwedischen Botschaft in Wien bekam sie von der Soziologin Ann-Zofie Duvander die Eckpunkte präsentiert. Darunter: Karenzgeld als Versicherungsleistung, maximal 480 Tage bezahlte Karenz und Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.

Insgesamt hat jeder Elternteil in Schweden Anspruch auf je 240 Tage Karenz, insgesamt also ca. 16 Monate. Je zwei Monate davon müssen von Vater und Mutter in Anspruch genommen werden, ansonsten verfallen sie. Die restliche Zeit kann aufgeteilt werden, auch sehr individuell bis hin auf Wochen- bzw. Tagesbasis.

Zehn bezahlte Urlaubstage für den Vater

De facto muss ein Elternteil einzelne Tage an den anderen offiziell "abtreten". 30 Tage können die Eltern auch gleichzeitig in Karenz sein. Ein "Papa-Monat"gibt es nicht, der Vater hat aber Anspruch auf zehn freie Tage –
bezahlt – nach der Geburt.

Das Karenzgeld beträgt für 390 Tage 80 Prozent des vorherigen Einkommens, analog zum schwedischen Krankengeld. Voraussetzung dafür ist naturgemäß, dass man davor berufstätig war. Wer dies nicht war, etwa Studierende, erhält eine "Flat Rate" von 225 Kronen (24,47 Euro) pro Tag.

Die letzten 90 der 480 Tage werden mit diesem niedrigen Betrag abgegolten. 80 Prozent des Lohns erhält man auch, wenn man Pflegeurlaub nimmt – insgesamt 120 Tage pro Jahr und Kind ist das möglich. Auf einen Kinderbetreuungsplatz gibt es einen Rechtsanspruch, die Kosten dürfen maximal drei Prozent des Haushaltseinkommens betragen, wobei es billiger wird, je mehr Kinder man hat.

"Gleiche Rechte und Pflichten für alle"

"Der Staat ermutigt die Menschen, auch die Frauen, berufstätig zu sein, bevor sie Kinder bekommen", erläuterte Duvander das Prinzip des Karenzgelds als Versicherungsleistung. Generell verfolge Schweden seit den 1970er Jahren eine Sozial- und Gesellschaftspolitik, die stark die individuelle Entwicklung und Verantwortung unterstreiche. So gebe es seit damals auch keine Witwenpension mehr. "Gleiche Rechte und Pflichten" für Männer und Frauen in allen Bereichen sei das Motto.

"Gleiche" Väterbeteiligung gibt es aber in Schweden nicht. Zwar ist sie mit 90 Prozent meilenweit vom Österreichwert – 17 Prozent über alle Kindergeldvarianten besehen – entfernt.

Im Schnitt aber nehmen sich Väter rund 100 Tage für die Familie frei, rechnete Duvander vor; nur zehn Prozent der Paare teilten sich die Karenzzeit tatsächlich 50 zu 50 auf. 2008 wurde ein "Gleichstellungsbonus" eingeführt: Nehmen Eltern zu gleichen Teilen Karenz, gibt es mehr Geld. Nennenswerte Effekte habe man allerdings noch nicht registriert, berichtete Duvander.

Schweden: Die Hälfte der Einjährigen in Tagesstätten

Auch das Recht auf Elternteilzeit wird eher von Müttern in Anspruch genommen: 40 Prozent von ihnen arbeiten weniger als Vollzeit, allerdings zumeist "lange Teilzeit", nämlich 30 Stunden pro Woche, sagte die Forscherin. Dagegen verringern nur 10 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit. Insgesamt beträgt die Frauenbeschäftigungsquote 81 Prozent gegenüber 88 Prozent bei den Männern.

Das dichte und teure Kinderbetreuungsnetz zeigt ebenfalls Wirkung, so besuchen an die 50 Prozent der Einjährigen ein "Dagis", wie die Tagesstätten umgangssprachlich genannt werden, ab dem zweiten Lebensjahr geht der Anteil an die 90 Prozent.

Nicht zuletzt angesichts dieser Zahlen konstatierte Karmasin einen "eindeutigen Fokus auf die Sachleistungen" im schwedischen Familienförderungssystem. Der "Gleichstellungsbonus" hat es ihr besonders angetan, Ähnliches hat sie bereits als "Partnerschaftsbonus" ventiliert.

Sie sei "fasziniert" vom "Fokus auf die Partnerschaftlichkeit" in Schweden. Offensichtlich habe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Schweden einen hohen sozialen Stellenwert und sei eine Frage des Prestiges.