Erstellt am 04. März 2015, 11:53

Karmasin plädiert für freiwillige "Flexi-Quote". Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) tritt weiterhin für freiwillige "Flexi-Quoten" ein, um den Frauenanteil in der Chefetage zu erhöhen.

Starre Quoten für Unternehmen lehnt sie ab, sei das Thema doch viel zu komplex, erklärte sie bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Karmasin präsentierte dabei eine Kampagne, die zum Nachdenken über Stereotype anregen soll.

"Ich halte nichts davon, der Wirtschaft starre Quoten-Regelungen vorzuschreiben", erklärte die Ressortchefin. Dies wäre "viel zu oberflächlich und zu einfach gedacht", sprach sie sich für eine "Flexi-Quote" aus. Gemeinsam mit den Sozialpartnern sollten demnach auf freiwilliger Basis, je nach Branche, Zielvorgaben definiert werden.

Gemischte Teams erfolgreicher

Eine derartige Vorgabe bestehe auf gesetzlicher Basis im Bereich der Banken bereits, erklärte Herta Stockbauer, Vorstandsvorsitzende der BKS Bank, bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Demnach müssen für den Vorstand und Aufsichtsrat Zielquoten für das "unterrepräsentierte Geschlecht" definiert und in weiterer Folge das Erreichen überprüft werden.

In ihrem Institut wurde eine Quote von einem Drittel für den Vorstand und den Aufsichtsrat festgesetzt. Auch bei Führungspositionen soll bis 2020 ein Frauenanteil von 35 Prozent erreicht werden. Dies sei bereits "in greifbarer Nähe", so Stockbauer.

Wissenschaftliche Studien würden belegen, dass gemischte Teams in Firmen zu besseren Ergebnissen führen. Es sei daher "erstaunlich", dass Österreichs Wirtschaft das Potenzial nicht so nutzt, stellte die Familienministerin fest.

Bündel von Maßnahmen nötig

Um den Frauenanteil in der Führungsetage zu erhöhen, gebe es nicht eine einzelne Antwort sondern sei ein Bündel von Maßnahmen nötig. Zum einen müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich sein, verwies Karmasin etwa auf den Ausbau der Kinderbetreuung mit 350 Mio. Euro. Was die Qualität der Kinderbetreuung betrifft, sei für Mai ein Symposium geplant. Der im Rahmen des neuen Kinderbetreuungsgeldkontos geplante Partnerschaftsbonus soll außerdem dazu führen, dass die Kindererziehung gerechter aufgeteilt wird.

Auch die Unternehmen sieht die Ministerin gefordert. Diese sollen "familienfreundlicher werden. Familien müssen nicht jobgerechter werden", so Karmasin. Flexible Arbeitszeitmodelle, Rückkehrmodelle aus der Karenz oder Teilzeitführungsplätze nannte sie als Beispiele.

Karmasin fordert aber auch einen Kulturwandel in Österreich: "Wir brauchen neue Rollenbilder." Die heute vorgestellte Kampagne dreht daher gängige Stereotype um, indem etwa vom "Hausväterchen" oder dem "Powermann" die Rede ist, und soll zum Nachdenken anregen.