Erstellt am 14. Mai 2014, 13:53

Karmasin will Feiertag der Familie statt 1. Mai. Familienministerin Karmasin (ÖVP) will den gesetzlichen freien Tag am 1. Mai abschaffen und stattdessen den Tag der Familie am 15. Mai als neuen Feiertag etablieren.

Damit soll die Bedeutung von Familien gestärkt werden. "Der Tag der Arbeit ist ein gutes Relikt aus der Vergangenheit", sagte Karmasin. Der Tag der Familie sei ein Tag der Zukunft. Die SPÖ reagierte auf die Forderung empört. Man würde am 1. Mai nur die Menschen feiern, die im Erwerbsprozess sind, aber es gäbe viele andere, wie etwa Eltern die in der Karenz Kinder betreuen oder Menschen die ältere Personen pflegen und damit nicht im Erwerbsprozess stehen. Daher sei der Tag der Arbeit ein Tag der Vergangenheit und der 15. Mai als Tag der Familie ein Tag der Zukunft.

Karmasin will aber nicht die österreichische Wirtschaft mit noch einem weiteren Feiertag belasten. "Wir werden uns intensiv bemühen, auch wenn nicht bei allen sofort Jubelstimmung aufkommen wird", so Karmasin. Es würde sich um ein neues, zukunftsträchtiges Thema handeln.

Heftige Kritik der SPÖ

Eine "ungeheuerliche und arbeitnehmerfeindliche Forderung", kritisierte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos Karmasins Forderung in einer Aussendung. Damit würde die ÖVP "die Rechte und Anliegen der breiten Bevölkerungsmehrheit mit Füßen" treten und eine "konservative arbeitnehmerfeindliche Geisteshaltung" zeigen, so Darabos.

SPÖ-Sozialsprecherin und ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser sprach in einer Aussendung von "einem Anschlag auf die Arbeitnehmer und ihre Anliegen und wohlverdienten Rechte". Karmasins Forderung sei ein"absolutes No-Go".

"Lernen Sie Geschichte, Frau Ministerin!"

Die SPÖ betonte auch die historische Bedeutung und verwies auf eine 124 Jahre lange Tradition: Der 1. Mai sei "untrennbar mit den wichtigsten sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften der Arbeitnehmer verbunden", so Darabos. Beispiele dafür seien der Achtstunden-Tag, das demokratische Wahlrecht oder das Versicherungs- und Pensionswesen. Dazu forderte der oberösterreichische SPÖ-LH-Stellvertreter Reinhold Entholzer in einer Presseaussendung: "Lernen Sie Geschichte, Frau Ministerin!"

Die SPÖ-Jugendorganisationen (VSStÖ, SJ, AKS, Junge Generation, FSG Jugend) sehen in der Forderung von Karmasin "konservative Tendenzen, über die sich Dollfuß gefreut hätte". Man würde nur mehr auf die Wiedereinführung des Mutterkreuzes warten, hieß es in der Aussendung der SPÖ-Jugendorganisationen am Mittwoch.

Auch der Präsident des Pensionistenverbands Karl Blecha und SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder schlossen sich der Kritik in Aussendungen an und verurteilten Karmasins Vorschlag auf "das Schärfste". FSG-Chef Wolfgang Katzian, schlug in einer Aussendung den 8. Mai als Staatsfeiertag der Befreiung vom Nationalsozialismus für eine mögliche Verhandlung über Feiertage vor.