Erstellt am 13. November 2014, 12:54

von APA/Red

Kartnig-Prozess mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Im Grazer Straflandesgericht ist am Donnerstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und vier weitere Angeklagte fortgesetzt worden.

Es ging diesmal um die Verkürzung der Abgaben an den steirischen Fußballverband und die Bundesliga in der Höhe von rund 78.000 Euro. Befragt wurden Zeugen dieser Institutionen, Kartnig will davon nichts gewusst haben.

Das Interesse am Prozess hatte bereits am zweiten Tag merklich nachgelassen, es gab kaum noch Zuschauer. Der erste Tag hatte zum Auftakt auch gleich einen Höhepunkt gebracht, war der Ex-Präsident von Sturm Graz doch zu vier Jahren und einem Monat Haft wegen teilweise versuchten schweren Betruges verurteilt worden. Das rasche Urteil war möglich, da der Schuldspruch in dieser Sache vom Obersten Gerichtshof bereits bestätigt worden war und nur die Strafhöhe neu fest gesetzt werden musste.

"Habe für Sturm immer alles getan"

Richter Martin Wolf hatte für den zweiten Tag nur Hannes Kartnig und den früheren Sekretär des Clubs auf der Anklagebank, da es ausschließlich um die verkürzten Abgaben an den steirischen Fußballverband und die Bundesliga ging. Beide bekommen bei Bundesligaspielen zwei Prozent der Einnahmen aus den Kartenerlösen.

Seitens des Vereins hatte man die Zuschauerzahlen niedriger angegeben und somit laut Anklage den Fußballverband um rund 25.000 Euro und die Bundesliga um knapp 53.000 Euro geschädigt. Der Präsident des steirischen Fußballverbandes, Wolfgang Bartosch, bestätigte die vertragliche Verpflichtung zur Zahlung der Abgaben. Die Angaben von Sturm Graz bezüglich der Zuschauerzahlen habe man aber nie überprüft: "Nein, wir sind darauf angewiesen, dass das stimmt."

Während der Ex-Sekretär zu den Manipulationen geständig ist, wollte Kartnig nie etwas von der genauen Vorgangsweise gewusst haben. "Das waren Abgaben, da hat es mehrere geben, dafür hatte ich einen Buchhalter und ihn als General Manager", meinte er unter Verweis auf den angeklagten Sekretär. Dass der Verein mit diesen Zahlungen im Rückstand war, hat er nach eigenen Angaben auch nicht gewusst. "Ich hätte sonst gezahlt, ich hätte halt mein Haus verkauft", so der Ex-Präsident. "Für die Abgaben hätten Sie Ihr Haus verkauft?", fragte der Richter erstaunt. "Ich habe für Sturm immer alles getan", so Kartnig.

Kleiner bleibt Sachverständiger

Der Schöffensenat hat am Donnerstag beim Prozess gegen Hannes Kartnig und vier Mitangeklagte einen Austausch des Sachverständigen Fritz Kleiner abgelehnt. Die Verteidiger des Ex-Präsidenten von Sturm Graz hatten am ersten Verhandlungstag am Mittwoch erklärt, aus ihrer Sicht sei der Gutachter nicht tragbar, weil er sowohl für Gericht als auch für die Staatsanwaltschaft tätig war bzw. ist.

Fritz Kleiner, der sich seit Jahren mit der Causa Sturm Graz beschäftigt, war zunächst von einem Untersuchungsrichter bestellt worden. Nachdem diese Position abgeschafft wurde und die Ermittlungen nun vom Staatsanwalt direkt geleitet werden, änderte sich die Lage. Derzeit ist Kleiner für das Gericht als Sachverständiger beim Prozess im Einsatz.

"Fühlt man sich befangen, wenn man schon für die Anklage tätig war?", fragte Richter Martin Wolf. "Ich wurde in dieser Causa nur vom Gericht bestellt", betonte Kleiner in Hinblick auf die verkürzten Abgaben an Fußballverband und Bundesliga. Außerdem fühle er sich nur "meinem Auftrag verpflichtet". Damit wies der Schöffensenat den Antrag ab und erklärte, es liege "keine Befangenheit" vor.

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