Erstellt am 27. Januar 2015, 14:02

von APA Red

Kein Wirtschaftsaufschwung in Sicht. Die Industriellenvereinigung (IV) erwartet in nächster Zeit keinen Wirtschaftsaufschwung. Der seit über einem Jahrzehnt bestehende heimische Wachstumsvorsprung gegenüber Deutschland ist verloren gegangen.

"Wenn sich die Standortbedingungen nicht wesentlich verbessern, wird Österreich weiter zurückfallen", sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein am Dienstag vor Journalisten in Wien.

Die internationalen Wachstumsbedingungen seien gar nicht so negativ, erklärte Helmenstein bei der Präsentation der Konjunkturumfrage. Das IV-Konjunkturbarometer vom 4. Quartal 2014 hat sich nach dem Minus des Vorquartals von plus 8 auf plus 14 Punkte verbessert. "Das ist nur ein niedriges Niveau nach oben, die Euroabwertung und der Verfall des Ölpreises unterstützten die Industrie dabei."

Während die 401 befragten Unternehmen mit rund 243.600 Beschäftigten die aktuelle Geschäftslage zwar positiver einschätzen als zuletzt, sehen sie hingegen keine Verbesserung in den nächsten sechs Monaten. "Besser als jetzt wird es nicht", fasste Helmenstein zusammen. Neben der fehlenden Reformen im Inland erfahre die heimische Wirtschaft geopolitischen Gegenwind. Besonders vom Konflikt zwischen Russland und Ukraine sei Österreich stark betroffen.

In der Produktion sind die Unternehmen in den nächsten drei Monaten "sehr zurückhaltend". Der saisonbereinigte Wert sinkt von 10 auf 4 Punkten. Der Jobabbau setzt sich bis fort. Der Wert im IV-Konjunkturbarometer für den Beschäftigungsstand verringert sich von minus 10 auf minus 15 Punkte. "Wenn die richtigen Maßnahmen gesetzt werden, ist Ende des Jahres eine Aufhellung bei den Beschäftigten möglich", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Bis zum Sommer sei aber eine weiter steigende Arbeitslosigkeit sicher, so Helmenstein.

Die IV bekräftigte daher einmal mehr ihre Forderung nach Strukturreformen. Dabei schaue es gar nicht schlecht aus: "Der Druck aus dem öffentlichen Budget wird so groß, dass Maßnahmen umgesetzt werden", sagte Neumayer. Er sprach vom "Steiermark-Effekt": Der Stand des Wassers bis zur Nase habe dazu geführt, etwas zu tun. "Es geht um den politischen Willen und die Bereitschaft zum Abarbeiten."

Eine erste Chance sei die geplante Steuerreform. Dabei brauche es mehr als nur eine notwendige Tarifanpassung. Der Investitionsstandort müsse gestärkt werden, die Unternehmen müssten vom Bürokratiedruck befreit werden. Mit tiefergreifenden Strukturreformen könnte die heimische Wirtschaft am Aufschwung der Weltwirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2015, insbesondere aber ab dem Jahr 2016 Anteil nehmen.